„Ich möchte im Spielen neue Wege gehen“

Menschen / 09.10.2019 • 22:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Interview mit Christian Berkel zum Aus der Krimiserie „Der Kriminalist“.


Berlin
Seit 13 Jahren ermittelt Christian Berkel in der Serie „Der Kriminalist“ als Kommissar Bruno Schumann in Berlin, doch damit ist bald Schluss: Der neuerdings auch als Romanautor erfolgreiche Schauspieler will sich künftig auf andere Rollen und aufs Schreiben konzentrieren. Ab Freitag zeigt das ZDF die vorletzte Staffel des Dauerbrenners, nächstes Jahr wird die Serie nach 109 Folgen eingestellt.

 

Herr Berkel, kürzlich wurde bekannt, dass die Krimireihe „Der Kriminalist“ eingestellt wird. Ist der Abschied von Ihnen ausgegangen?

Berkel Ja. Ich wollte nicht erst Schluss machen, wenn Bruno Schumann an Altersschwäche stirbt. Ich wollte den richtigen Augenblick nicht verpassen. Und natürlich hatte es auch mit der Arbeit an meinem Buch zu tun.

 

Sie sprechen von Ihrem Debütroman „Der Apfelbaum“ . . .

Berkel Ich habe eine extrem intensive Zeit hinter mir. Durch die gleichzeitige Arbeit am Buch und die Dreharbeiten hatte ich permanent Sieben-Tage-Wochen, das ging an meine Grenzen. Ich will aber künftig sowohl weiter schreiben als auch drehen, und da nimmt der Kriminalist mit seinen 100 Drehtagen im Jahr einfach zu viel Raum ein.

 

In dem Roman schildern Sie eine fiktionalisierte Form Ihrer deutsch-jüdischen Familiengeschichte. Sind Sie seit dieser intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema dünnhäutiger geworden, was den wieder aufkeimenden Antisemitismus angeht?

Berkel Ja. Früher gab es Phasen, in denen ich dachte, dass da womöglich auch etwas herbeigeredet wird. Aber mittlerweile muss man den Tatsachen ins Auge sehen: In den letzten Jahren sind in einem irrwitzigen Tempo nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa und darüber hinaus, Dinge passiert, die man nicht für möglich gehalten hätte. Dieser extreme Rechtsruck wird immer gefährlicher.

 

Sind Sie persönlich auch betroffen?

Berkel Ich habe mich zu meinem Entsetzen auf einer Liste wiedergefunden, in der sogenannte „Verräter an der weißen Rasse“ aufgelistet werden. Das ist eine internationale Liste, die Urheber sind unbekannt.

 

Aus „Der Apfelbaum“ soll eine Miniserie werden. Werden Sie mitspielen?

Berkel  Wir stehen noch ganz am Anfang und entwickeln gerade erst ein Konzept, wie wir die Geschichte filmisch erzählen. Wenn die Macher wollen, dass ich mitspiele, werde ich mich nicht verweigern.

 

Zuletzt haben Sie in den Serien „Beat“ von Amazon Prime und „Criminal“ von Netflix gespielt. Machen Sie und Ihre Frau auch lange Bingewatching-Abende auf dem Sofa?

Berkel Am Anfang schon, aber jetzt nicht mehr. Die Plattformen müssen aufpassen, dass nicht irgendwann ein Overkill da ist. Es gibt nur eine begrenzte Zahl von guten Stoffen und Autoren, man kann nicht jedes Jahr 50 tolle neue Serien rausbringen.

 

Was sind Ihre nächsten künstlerischen Ziele?

Berkel Ich möchte im Spielen neue Wege gehen. Deshalb habe ich ja auch mit „Der Kriminalist“ aufgehört, weil mir zu wenig Raum für anderes blieb. Das wollte ich in einer Lebensphase ändern, in der ich noch die Energie habe – irgendwann bin ich vielleicht zu alt. ski