„Lache laut und gern“

Menschen / 10.10.2019 • 21:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Lieselotte Pulver feiert heute, Freitag, ihren 90. Geburtstag. Reuters
Lieselotte Pulver feiert heute, Freitag, ihren 90. Geburtstag. Reuters

Liselotte Pulver öffnet zum 90er ihr Privatarchiv.

Bern Herzlichkeit und Lebensfreude – kaum eine andere Schauspielerin hat sie jemals so natürlich verkörpert wie Liselotte Pulver. Ihr ansteckendes Lachen gehört zur Filmgeschichte. Heute, Freitag, feiert Lilo, wie Freunde und Fans sie gern nennen, ihren 90. Geburtstag und öffnet ihr Privatarchiv. Fotos, Briefe, Filmplakate, Artikel und private Aufzeichnungen präsentiert sie in einem neuen Buch, das kurz vor ihrem Geburtstag veröffentlicht wurde: „Was vergeht, ist nicht verloren“. Sie lädt Leser damit zu einer Reise in die Zeit des deutschen Wirtschaftswunderkinos ein. Sie lache weiter laut und gerne, schreibt sie, zum Beispiel, wenn sie an ihrem Seniorenheim in ihrer Heimatstadt Bern durch die Felder spaziert und eine galoppierende Kuh sieht. Die Botschaft: Mir geht‘s gut. Sie ist sogar noch mit ihrem Mercedes Coupé unterwegs, wenn ihr der Sinn danach steht.

Temperamentvoll

Mit ihrem Temperament und ihrer Spielfreude beeindruckte die Berner Ingenieurstochter nicht nur das Publikum, sondern auch große Filmpartner – von Hans Albers und Gustaf Gründgens über Heinz Rühmann, Curd Jürgens, Paul Hubschmid und O.W. Fischer bis zu Hardy Krüger. „Ich denke oft an Piroschka“, „Das Wirtshaus im Spessart“ – das sind bleibende Komödienklassiker.

Pulver träumte von einer Weltkarriere, und drehte Ende der 50er Jahre auch in Hollywood. Sie hätte neben Charlton Heston in „El Cid“ vor der Kamera stehen können, doch sagte sie wegen Dreharbeiten in Deutschland ab. „El Cid“ wurde mit Sophia Loren ein Welterfolg.

Der Film, den Pulver stattdessen drehte, brachte ihr aber privates Glück: In „Gustav Adolfs Page“ lernte sie den deutschen Schauspieler und Regisseur Helmut Schmid kennen. 1961 heirateten die beiden, ein Jahr später drehten sie zusammen „Kohlhiesels Töchter“. Die beiden bekamen zwei Kinder. Schmid starb 1992. Sohn Marc-Tell lebt mit seiner Familie in Pulvers einstigem Haus in Perroy am Genfersee. Tochter Mélisande stürzte 1989 mit 21 Jahren vom Berner Münster.

Pulver ist zwar vor allem als Fräulein-Wunder in witzigen Komödien in Erinnerung, sie konnte aber auch ernste Rollen spielen. Mit dem Aufkommen des Neuen Deutschen Films Ende der 60er-Jahre war ihre Glanzzeit vorbei. In der Ära von Regisseuren wie Werner Fassbinder und Wim Wenders war statt Unterhaltung im Film Gesellschaftskritik angesagt. „Für mich brachen schwierige Zeiten an“, schreibt sie. Sie drehte weniger Filme. In den 80er-Jahren war sie in der „Sesamstraße“ im Kinderfernsehen. Ihr letzter Kinofilm war „Das Superweib“ 1996 mit Veronica Ferres. „Nein, es wird keinen weiteren Film mit mir geben“, stellt sie in dem Buch klar.