Es wird alles geteilt, alles gelesen

Menschen / 29.10.2019 • 22:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Noch in bester Laune beim gemeinsamen Dinner: Simon, Leo, Pepe, Rocco, Bianca, Carlotta und Eva. Constantin Film Verleih GmbH
Noch in bester Laune beim gemeinsamen Dinner: Simon, Leo, Pepe, Rocco, Bianca, Carlotta und Eva. Constantin Film Verleih GmbH

„Das perfekte Geheimnis“ mit Karoline Herfurth, Elyas M’Barek und Florian David Fitz in den Hauptrollen.

Wien Das „Fack Ju Göhte“-Team schlägt wieder zu. Im Mittelpunkt stehen drei Frauen, vier Männer und sieben Telefone und ein vermeintlich „lustiges“ Spiel. Bei einem gemeinsamen Abendessen legen alle ihre Handys auf den Tisch und alles, was an Nachrichten und Anrufen reinkommt, wird „geteilt“, mitgelesen und mitgehört. Das ergibt nicht nur komische, sondern auch ziemlich böse Situationen. „Göhte“-Regisseur Bora Dagtekin inszenierte „Das perfekte Geheimnis“ mit Karoline Herfurth, Elyas M’Barek und Florian David Fitz in den Hauptrollen.

 

Das Handy ist heute unser „täglich Brot“. Im Film verursacht es turbulente Situationen. Hatten Sie selbst diesbezüglich schon unerwartete Erlebnisse?

KAROLINE HERFURTH So, wie dies im Film der Fall ist, habe auch ich schon einmal in ein fremdes Handy geguckt. Ich würde das nie wieder machen, und ich würde es auch niemandem empfehlen. Meine Erkenntnis war und ist, dass ich Menschen doch viel lieber persönlich kennen lerne. Ich finde, für das Handy gilt das Postgeheimnis. Und zu jeder Beziehung gehört eben doch Vertrauen.

ELYAS M’BAREK Ich gucke weder in fremde Handys noch lass’ ich jemanden in meines reingucken.

FLORIAN DAVID FITZ Mir persönlich ist in diesem Zusammenhang noch nie Schlimmes passiert.

 

Vom „Fack ju Göhte“-Team erwartet man eine aufgeweckte Komödie, wird durch den Verlauf allerdings oft auch in eine „Dramödie“ versetzt.

FITZ Naja, in erster Linie ist es einfach sehr lustig. Meine Tante hat mir nach der Premiere geschrieben, dass sie sich nicht erinnern kann, wann sie das letzte Mal so gelacht hat. Das Interessante ist, dass das Lachen nicht verhindert, dass es manchmal auch ziemlich bitter wird. Man darf die Leute nicht unterschätzen, sie können lachen und eine Sekunde später haben sie eine Träne im Auge.

M’BAREK Auf jeden Fall ist „Das perfekte Geheimnis“ politisch ebenso unkorrekt wie „Fack ju Göhte“.

HERFURTH Alles in allem ist der Film sehr lustig, vielleicht ein bisschen erwachsener als „Fack ju Göhte“. Mit „erwachsener“ meine ich, dass sich Menschen unfreiwillig entblättern und dass damit auch gesellschaftliche Fragen gestellt werden.

FITZ Es gibt ja ganz verschiedene Arten von Gelächter. Befreiendes, erleichterndes, schadenfrohes, überraschtes und sogar berührtes. Wie gesagt, es ist für uns besonders interessant, wenn man die Reaktionen in einem vollen Kinosaal erlebt.

 

Gibt es Momente der Handlung, die Sie selbst besonders berührt haben?

HERFURTH In der Auseinandersetzung zwischen mir und meinem Film-Ehemann Elyas M’Barek und in der Frage, ob man danach noch einmal zueinander findet, lagen sehr starke Momente. Und in vielen Szenen ging mir der Charakter, den Florian David Fitz zu spielen hat, sehr nahe.
M’BAREK Das waren auch für mich die Momente, die ich als sehr stark empfand.

FITZ Beim Drehen hatte ich ja ganz klar die Perspektive meiner Figur, aber, wie schon gesagt, beim Anschauen im Kinosaal sieht man auf einmal noch ganz andere Dinge.

HERFURTH Da muss ich Florian recht geben. Wir haben beim Filmen in einer einzigen, extra gebauten Kulisse so viel Zeit verbracht und miteinander geredet, doch jetzt, unter Publikum, fällt einem erst auf, wie viel sich verändert hat. Zum Beispiel im Tempo. Alles wirkt in der fertigen Fassung viel zugespitzter.

 

Was tut sich bei Ihnen in nächster Zukunft?

HERFURTH Ich schneide gerade den Kinofilm „Wunderschön“, den ich inszeniert habe.

FITZ Ich schreibe gerade das nächste Drehbuch. Betitelt sich „Oskars Kleid““ und handelt von einem Vater, dessen Sohn vielleicht nicht sein Sohn ist.

M’BAREK Mein nächster Film „Nightlife“ kommt im Februar mit Frederick Lau, der auch in „Das perfekte Geheimnis“ mitwirkt.