Österreichische Sprache inzwischen voll inhaliert

Menschen / 01.11.2019 • 20:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Lilian Klebow alias Penny Lanz vom „Soko Donau“-Team arbeitet zum ersten Mal mit den Leipziger Kollegen zusammen.  ORF/Satel Film/Petro Domenigg
Lilian Klebow alias Penny Lanz vom „Soko Donau“-Team arbeitet zum ersten Mal mit den Leipziger Kollegen zusammen.  ORF/Satel Film/Petro Domenigg

Schauspielerin Lilian Klebow über Ralf Bauer, Humor und „Soko Donau“-Drehs.

Wien Ein besonderer Einsatz für das „Soko Donau“-Team: Am 2. November (20.15 Uhr) strahlt ORF 1 den ersten Crossover-Fall „Der vierte Mann“ aus. Das Wiener Team geht gemeinsam mit den Kollegen von „Soko Leipzig“ auf Spurensuche. Es geht um Verstrickungen Österreichs mit dem SED-Regime in der DDR. Natürlich ist dabei auch Lilian Klebow als Penny Lanz wieder am Ermitteln. Am Donnerstag hatte sie übrigens Geburtstag (Nummer 40), und im kommenden Jahr feiert sie ihr 15-Jahre-Jubiläum in der populären Serie.

Erinnern Sie sich noch, wie Sie zu dieser Rolle gekommen sind?

Und ob! 15 Jahre ist das her? Schockierend, aber wahr. Ich war mit meinem damaligen Freund Hary Prinz beim Filmfestival in Locarno, als ein Anruf meiner Agentin kam: „In den Bavaria-Studios in München findet ein Casting für eine österreichische Serie statt. Du sollst dich vorstellen!“ Beim Checken erfuhr ich, dass es sich um die Rolle einer 42-jährigen Frau handelte, ich war aber erst 23, 24 Jahre alt. Klar fragte ich mich: Was soll das? Aber ich ging hin, auch, weil mein Vorsprech-Partner Ralf Bauer war. Der schöne Ralf Bauer! Ich war ganz aufgeregt. Wir spielten gemeinsam zwei Szenen.

Und?

Dann hörte ich lange nichts. Ein Jahr später wurde das Casting von Judith Doppler in Wien übernommen, und ich wurde neuerlich hinbestellt. Diesmal war keine 42-Jährige mehr gefragt. Wir waren vier junge Frauen dort, eine Blonde – also ich, eine Schwarze, eine Brünette und eine Rote. Wir spielten mit vier verschiedenen Männern. Ich hatte mir vorher überlegt: Was zieh ich an? Ich entschied mich für dunkelblaue Jeans, weil die meiner Meinung nach einer Polizistenuniform nahe kamen. Und ich bereitete mich wie eine Wahnsinnige auf meine Szene vor. Drei Wochen später wieder ein Anruf meiner Agentin: „Setz dich. Du hast die Rolle!“ Eine schöne Meldung an einem eher traurigen Tag, denn meine über alles geliebte Oma war gerade gestorben.

Sie kommen aus Bayern, haben Sie sich hier schnell akklimatisiert?

Meine bayerische Herkunft machte es leichter. Denn üblicherweise ist ja der deutsche Humor ein ganz anderer, der österreichische wird mehr aus der Hüfte geschossen. Am Anfang war auch ich ein bisschen überfordert, habe mich bei Scherzen oft gefragt: Meinen die das auch so? Inzwischen habe ich jedoch die österreichische Sprache voll inhaliert. Oft wundern sich heute Menschen: „Was, du bist Deutsche?“ Das ist für mich ein Riesenkompliment.

Was können Sie über die Crossover-Folge vom 2. November erzählen?

Sehr spannend, weil ein Stück Zeitgeschichte. Wir feiern ja heuer auch das 30-Jahre-Jubiläum des Mauerfalls. Damals gab es in Wien eine Kommunistin namens Rudolfine Steindling, auch die „rote Fini“ genannt. Sie hantierte zwischen Wien und der DDR mit einer Milliardensumme. Die Handlung ist an diese Affäre angelehnt. Es waren wahnsinnig schöne Begegnungen mit den „Soko Leipzig“-Kollegen. Denen kann ich nur Rosen streuen.

15 Jahre „Soko Donau“, da gab es gewiss denkwürdige Erlebnisse. An welche erinnern Sie sich besonders gut?

Da fällt mir zum Beispiel eine Folge ein, die ich drehte, als meine Tochter Charlie gerade vier Monate alt war. Der Autor hatte sich etwas Ungewöhnliches ausgedacht. Penny wird angeschossen und erlebt die fünf Phasen des Sterbens. Ich trug eine Sprengweste am Körper, alle Sicherheitsmaßnahmen waren getroffen, aber ich hatte dennoch große Angst. Meine Mutter stand mit Charlie im Arm am Set und ich betete: „Lieber Gott, lass nichts Böses passieren. Ich bin ja gerade erst Mama geworden!“ Wie schön und erleichternd, dass ich, nachdem alles gut vorbeigegangen war, die Kleine wieder in die Arme schließen konnte.

Noch eine spezielle Erinnerung?

Ja, da war mein Sohn Sonny Alessio gerade vier Monate alt. Die Folge hieß „Parallelwelten“, ich wurde laut Drehbuch in ein Paralleluniversum gezogen, wo ich mich selbst traf. Als koksende Nachtclubsängerin. Also eine Doppelrolle. Das waren sehr absurde Situationen, und auch hier war ich besonders glücklich, nachher mein Kind in die Arme nehmen zu dürfen. Und noch einen Tag vergesse ich nie, als nämlich Dietrich „Dietz“ Siegel seine Abschiedsszene als Polizeichef Oberst Otto Dirnberger drehte. „Dietz“ war mir immer mehr gewesen als nur ein Kollege, er war einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben, der mir auch schauspielerischen Schliff beibrachte. Gern erinnere ich mich an die Momente, wo er sagte: „Klebow! Nicht lustig! Noch einmal!“ An besagtem Tag hatte ich mich kaum beruhigt, da merkte ich, dass auch andere Tränen in den Augen hatten. Ja, in dieser Abschiedsszene gab es wirklich viele echte Tränen.

Momentan drehen Sie an Staffel 15. Was hat sich geändert?

Unser Ensemble ist durch die Wechsel neu und anders zusammengewachsen. Durch Brigitte Kren und Michael Steinocher kamen völlig neue Farben ins Spiel, es gibt nun sehr viele unterschiedliche Figuren.

Aber Steinocher verlässt das Team, jetzt kommt der ehemalige „Soko Kitzbühel“-Cop Andreas Kiendl dazu?

Wir beide haben einst im selben Haus in Wien-Ottakring gewohnt und waren auch gemeinsam bei vielen Castings. Er bringt einen ganz anderen Typ Mann ins Spiel. Ich freue mich sehr auf ihn, und  – so viel darf ich verraten – auch Penny Lanz freut sich sehr.

Als zweifache Mutter ist das Schauspielerleben für Sie sicher nicht mehr so einfach?

Ach, wenn es nach meinem Herzen ginge, hätte ich am liebsten fünf Kinder. Durch meine Tochter und meinen Sohn habe ich mein Leben neu zu leben begonnen, das war eine tiefe Veränderung. Man verfängt sich nicht mehr in den Eitelkeiten dieses Berufs. Schwanger sein und Kinder kriegen, das ist das Schönste, was mir passiert ist. Ich bin ein richtiges Muttertier geworden. Ludwig Heinrich