„Habe noch immer Bock auf Lena“

Menschen / 13.11.2019 • 22:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ulrike Folkerts ermittelt in ihrem 70. Fall als Kommissarin Lena Odenthal. AP
Ulrike Folkerts ermittelt in ihrem 70. Fall als Kommissarin Lena Odenthal. AP

Interview mit Ulrike Folkerts zu ihrem Jubiläum als „Tatort“-Kommissarin Lena Odenthal.

Berlin Sie ist Deutschlands dienstälteste „Tatort“-Kommissarin: Seit 30 Jahren ermittelt Ulrike Folkerts als Lena Odenthal in und um Ludwigshafen. Zum Jubiläum wird am kommenden Sonntag der Krimi „Tatort: Die Pfalz von oben“, dessen Story an die Kultfolge „Tod im Häcksler“ aus dem Jahr 1991 anknüpft ausgestrahlt – die Fortsetzung ist zugleich Lena Odenthals 70. Fall.

 

Frau Folkerts, seit 30 Jahren ermitteln Sie als „Tatort“-Kommissarin Lena Odenthal, und schon seit 2009 hängt eine ihrer typischen Lederjacken im Museum Deutsche Kinemathek. Ist Lena museumsreif?

Folkerts Das finde ich gar nicht. 30 Jahre sind natürlich ein Wahnsinn. Ich hatte zu Beginn ja keine Ahnung, was das für eine große Sache wird, ich habe einfach mal angefangen. Aber mittlerweile bin ich irre stolz, dass ich das schon so lange mache. Und ich habe immer noch richtig Bock auf Lena. 

Wie lange wollen Sie noch als Lena weitermachen?

Folkerts Ich werde auf jeden Fall weitermachen. Normalerweise geht eine Polizistin glaube ich mit 67 in den Ruhestand. Dann habe ich also noch neun Jahre, und dann können wir ja noch mal reden (lacht).

Gab es in den 30 Jahren auch schon Momente, in denen Sie keine Lust mehr hatten und aufhören wollten?

Folkerts So richtig aufhören wollte ich nie. Ich war nur zwischendurch mal traurig, weil es uninteressante Stoffe waren oder austauschbar – das hätte auch ein Kommissar aus sonstwo spielen können. Da war ich frustriert.

Werden Sie als Schauspielerin manchmal zu sehr mit der Rolle im „Tatort“ identifiziert?

Folkerts Ich werde sehr mit dem Charakter und dem Image identifiziert, das Lena hat. Aber zuletzt durfte ich einige Male ausbüxen, ich habe mit großer Freude ein Pilcher-Drama und einen Katie-Fjorde-Film gedreht. Ich kann Filmteams und Regisseure komplett damit überraschen, dass ich noch was anderes draufhabe.

 

Nach zehn Jahren beim „Tatort“ haben Sie sich 1999 als homosexuell geoutet. Wie kam es zu diesem Entschluss?

Folkerts Das war durch die Yellow Press an die Oberfläche gekommen. Für mich gab es nur die Flucht nach vorne und offen zu sagen: So ist es, und was machen wir jetzt damit?

Und dann?

Folkerts Die Presse hat sich ja darauf gestürzt als wäre ich ein Mensch mit drei Beinen, wirklich absurd. Aber der SWR hat mir sofort den Rücken gestärkt. Insgesamt ist die Branche leider nicht so tolerant, wie sie immer tut. Sie müssen sich nur mal überlegen, wer sich outet – das tut fast niemand, weil es offensichtlich nicht gut ist. Produzenten besetzen nicht unbedingt Schwule und Lesben in Liebesfilmen.

Wäre der „Tatort“ in der Verantwortung, da mehr zu tun?

Folkerts Das deutsche Fernsehen hat generell noch viel nachzuholen. Wir leben in einer Multikulti-Gesellschaft, es gibt unterschiedlichste Lebensformen, all das spielt im TV kaum eine Rolle. Wenn man sich nur mal anschaut, wie wenige Menschen in Filmen einen Migrationshintergrund haben. Und der „Tatort“ hätte zumindest die Chance, das bunter zu mischen und die Realität zu zeigen. ski