„Sehe mich als Romantiker“

Menschen / 15.12.2019 • 22:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Woody Allen war 24 Mal für einen Oscar nominiert. Viermal erhielt er die  Auszeichnung. AP
Woody Allen war 24 Mal für einen Oscar nominiert. Viermal erhielt er die  Auszeichnung. AP

Der neue Woody-Allen-Film „A Rainy Day in New York“ läut derzeit in den Kinos.

Paris US-Regisseur Woody Allen hat einen neuen Film gemacht. „A Rainy Day in New York“ ist eine romantische Komödie um den Studenten Gatsby, der mit seiner Freundin ein Wochenende in der US-Ostküstenmetropole verbringen will. Der Erfolgsregisseur sprach mit der Deutschen Presse-Agentur in Paris. 

 

Wie geht es Ihnen derzeit?

Allen Ich fühle mich immer ängstlich und verletzlich. So war es, als ich fünf Jahre alt war, später mit 35 und 55 und auch jetzt mit 84. Wie soll ich mich fühlen? Ich habe das Gefühl, dass ich aus diesem Raum hinausgehen und tot umfallen könnte, und niemand wäre überrascht. „Na ja, er war 84 Jahre alt, was erwartest du denn?“

 

Trotz Ihres Alters drehen Sie weiterhin regelmäßig Filme. Wie leicht fällt Ihnen das noch?

Allen Ich hatte schon immer Probleme mit meiner Arbeit. Aus meiner Sicht fühlt es sich immer gut an, wenn man gerade schreibt und castet und vorbereitet. Aber wenn man es dann tatsächlich macht und filmt und dann sieht, was man gemacht hat, dann ist es immer wieder enttäuschend. Denn in deinem Kopf funktioniert alles ideal, aber im wirklichen Leben hast du nicht die Schauplätze, die du brauchst, und nicht das Geld, das du brauchst. Du machst deine eigenen Fehler, bekommst nicht die Schauspieler, die du willst oder die Requisiten und Spezialeffekte.

 

Wird es einen Zeitpunkt geben, zu dem Sie sagen: „Ich höre mit dem Filmemachen auf, ich spiele weiter Klarinette, und das war‘s“?

Allen Wenn ich ein besserer Musiker wäre, könnte ich das tun, aber ich bin ein Amateurmusiker und nicht gut.

 

Was bedeutet es jetzt in Ihrem Leben, Filme zu machen?

Allen Eigentlich arbeite ich und mache Filme, weil es Leute gibt, die sie finanzieren. Wenn sie morgen zu mir sagen würden: „Wir wollen deine Filme nicht finanzieren“, würde ich sehr gerne für das Theater schreiben und keine Filme machen oder Bücher schreiben.

 

Bekommen Sie das Geld für einen Film nun eher in Europa als in den USA?

Allen Ich nehme es von überall, wo ich es bekommen kann. Ich habe auch Geldgeber in Europa gehabt. Der Unterschied ist, dass ich in den USA zwar Geld bekommen kann, aber sie wollen mehr Mitspracherecht. In Europa ist es anders. Sie sagen: „Wir sind Banker. Du machst den Film.“

 

„A Rainy Day in New York“ ist wieder einmal eine romantische Komödie. Da Sie schon häufiger in diesem Genre gedreht haben: Würden Sie sich als Romantiker bezeichnen?

Allen Ich habe mich immer schon als Romantiker gesehen. Aber man ist nie objektiv gegenüber sich selbst. Dass ich jetzt nicht mehr in meinen Filmen mitspiele, liegt daran, dass ich zu alt bin, um die romantische Hauptrolle zu spielen.

 

Im Film spielt der Student Gatsby Poker. Haben Sie jemals Poker oder irgendein anderes Spiel gespielt, um sich etwas hinzu zu verdienen?

Allen Ich habe früher Poker gespielt – genau aus diesem Grund. .

 

Sind Sie ein guter Spieler?

Allen Ich war ein sehr guter Spieler, weil ich keinen Humor hatte. Die anderen haben zum Vergnügen gespielt. Sie haben Spaß gehabt, aber ich habe gespielt, als hinge mein Leben davon ab. Und auf diese Weise habe ich eine große Menge Geld gewonnen.

 

Heute sehen sich weniger Menschen Filme im Kino an, vielmehr Streaming ist sehr beliebt. Was halten Sie davon?

Allen Für mich ist das sehr schade. Denn in meiner Jugend war es eine der großen Freuden im Leben, ins Kino zu gehen: mit deinem Date am Samstagabend, mit deiner Familie am Sonntagnachmittag, die Schule zu schwänzen und stattdessen ins Kino zu gehen. Das Kino war einfach alles. Und jetzt sehe ich, wie meine Töchter mit einem Laptop im Bett sitzen und sich etwas ansehen. Das ist nicht dasselbe. Für mich ist der langsame Zerfall der Kinos eine traurige Sache.