„Ich werde oft um Rat gefragt“

Menschen / 20.12.2019 • 22:25 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Hans Sigl alias Martin Gruber öffnet ab Jänner wieder seine Praxis inmitten der Tiroler Bergwelt. ZDF/Roland Defrancesco
Hans Sigl alias Martin Gruber öffnet ab Jänner wieder seine Praxis inmitten der Tiroler Bergwelt. ZDF/Roland Defrancesco

TV-Star Hans Sigl über seine Rolle als Bergdoktor, das Erfolgsrezept der Serie und die Sehnsucht nach Heimat.

München Er ist Deutschlands beliebtester Fernseharzt: Bergdoktor Martin Gruber, gespielt von Hans Sigl. Bis zu sieben Millionen Zuschauer fiebern mit, wenn der smarte Mediziner den Alltag als Arzt und sein turbulentes Familienleben unter einen Hut kriegen muss. Von 2. Jänner an sind neue Folgen der im Tiroler Kaisergebirge angesiedelten Filmreihe zu sehen.

 

Herr Sigl, lieben Sie die Berge?

Sigl O ja, das ist schon meine Landschaft, die Berge sind meine Heimat. Sie geben mir Kraft und Ruhe, sie fordern mich heraus und beruhigen mich. Ich bin in den Bergen aufgewachsen und seit fast 20 Jahren drehe ich in den Bergen. Der Wilde Kaiser ist mein Favorit.

 

Darf’s im Urlaub trotzdem mal der Strand sein?

Sigl Unbedingt, schon allein, weil ich wahnsinnig gerne tauche. Ich bin nicht nur ein Berg-, sondern auch ein Wassermensch.

 

Der Bergdoktor begeistert immer noch bis zu sieben Millionen Zuschauer. Wie kommt’s?

Sigl Das ist mittlerweile eine lange Liebesbeziehung zwischen der Serie und den Zuschauern, die uns ins Herz geschlossen haben. Die Leute lieben einfach die emotionalen Geschichten, die wir ihnen anbieten, glaube ich, gerade im Zeitalter von Mord und Totschlag, mit denen sie sonst so im Fernsehen konfrontiert werden. Ich glaube, das Publikum liebt auch die Figuren, allen voran vielleicht den von mir gespielten Arzt, der niemals sein Glück finden wird, aber medizinisch ziemlich weit vorne ist (lacht).

 

Welchen Anteil am Erfolg hat die tolle Alpenlandschaft, die da immer sehr malerisch in Szene gesetzt wird?

Sigl Einen großen Anteil, ganz klar. Man schaut als Zuschauer natürlich lieber auf eine imposante Berglandschaft als auf einen tristen Hinterhof in einer grauen Stadt. Insofern ist das Bergmassiv des Wilden Kaisers ein ganz wichtiger Kollege, der uns allen immer wieder Stabilität und Kraft verleiht, um es mal so zu formulieren.  

 

Verbreiten Sie mit Ihrer Serie auch ein bisschen Heile-Welt-Stimmung?

Sigl Das glaube ich nicht, ganz im Gegenteil: Bei uns geht es ja häufig um Krankheit und Tod, da stehen also nicht gerade die heitersten Themen im Mittelpunkt.

 

Aber der von Ihnen gespielte Doktor Martin Gruber ist doch zu gut um wahr zu sein, oder?

Sigl Klar, das ist ein Arzt, wie ihn sich viele wünschen. Gerade in einer Zeit der medizinischen Zweiklassengesellschaft und von Ärztemangel auf dem Land ist Martin Gruber auch ein Wunschbild, das viele Patienten von einem Mediziner haben. Das aber hat nichts mit der unreflektierten Verbreitung von Heile-Welt-Stimmung zu tun, sondern ist ein Gegenentwurf zu einer medizinischen Realität, die für viele sehr schmerzhaft ist.  

 

Werden Sie auf der Straße um medizinischen Rat gebeten?

Sigl Nein, ich glaube das ist mit Dr. Brinkmann von der „Schwarzwaldklinik“ ausgestorben, dem verstorbenen Kollegen Klausjürgen Wussow soll das ja öfter passiert sein. Was ich aber feststelle ist, dass mich manche Zuschauer regelrecht für einen Vertrauten halten, weil ich so oft im Wohnzimmer bei ihnen zu Gast bin. Da werde ich dann völlig unerwartet mit sehr persönlichen Geschichten konfrontiert und oft auch um Rat gefragt.

 

Nervt Sie das?

Sigl Nein, das nervt mich nicht, überrascht mich aber manchmal.

 

Sie sind dieses Jahr fünfzig geworden – ein Einschnitt in Ihrem Leben?

Sigl Sagen wir mal so, ich bin echt froh, fünfzig geworden zu sein, und empfinde eine große Ruhe und Gelassenheit, außerdem fühle ich mich topfit. Wenn man in seinen Vierzigern steckt, hat man ja ein bissel Bammel vor der Fünfzig, aber ich muss sagen: Es tut überhaupt nicht weh, und ich finde es sogar ziemlich cool, fünfzig zu sein. Es fühlt sich gut an.

 

Noch keine Zipperlein im Anmarsch?

Sigl Im Gegenteil, ich fühle mich topfit und habe vor Kurzem sogar meine Ernährung umgestellt, um das Gewicht wieder zu verlieren, das ich mir für den Thriller „Flucht durchs Höllental“ draufpacken musste. Ich habe Zucker, Alkohol und Kohlenhydrate weggelassen und so 20 Kilo verloren. Das kommt auch dem Bergdoktor zugute (lacht).

 

Und wie lange möchten Sie ihn noch spielen? Es gab Gerüchte, dass Sie ans Aufhören denken.

Sigl Das waren in der Tat haltlose Gerüchte, ich habe so etwas nie gesagt. Ans Aufhören denke ich noch lange nicht. Gut, den 60. Geburtstag werde ich wahrscheinlich nicht als Bergdoktor erleben, aber eine Weile möchte ich das schon noch machen. maw

„Der Bergdoktor“ läuft immer donnerstags um 20.15 Uhr im ZDF, ab 8. Jänner mittwochs um 20.15 Uhr im ORF2.