Dokumentation über die unsterbliche Stimme

Menschen / 22.12.2019 • 22:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit „Pavarotti and Friends“-Konzerten war er für wohltätige Zwecke aktiv.
Mit „Pavarotti and Friends“-Konzerten war er für wohltätige Zwecke aktiv.

Pavarotti-Doku: Jedes Konzert sollte besser sein als das vorige.

rom Er starb am 6. September 2007 im Alter 71 Jahren. Aber seine Stimme bleibt unsterblich. Faktisch als Weihnachtspräsent kommt jetzt die Doku „Pavarotti“ in unsere Kinos. Ron Howard, immerhin ein zweifacher Oscar-Preisträger („Beautiful Mind“, 2002, bester Film, beste Regie), hat sie gestaltet. In bewegenden Bildern erzählt er den Weg des kleinen Volksschullehrers zum „Caruso unserer Zeit“. Nicht Caruso war aber Luciano Pavarottis großes gesangliches Vorbild, sondern der Herr Vater zu Hause in Modena: „Leider hatte er den Beruf des Bäckers gewählt. Aber es war schön, ihn wenigstens in der Kirche singen zu hören. Er hatte eine ganz fantastische Tenorstimme, besser als meine.“

„Meine Mutter war immer böse, dass er diese Fähigkeit nicht nutzte, deshalb war sie die Antriebsfeder, dass wenigstens ich Karriere als Sänger machte. ‚Du bist dafür geboren!’, hat sie gesagt. Mein Papa starb übrigens 2002, mit 90. Noch drei Tage vor seinem Tod hat er wunderbar gesungen.“ Das erzählte „Paverl“, wie er in Österreich liebevoll genannt wurde, als wir einander seinerzeit anlässlich des Erscheinens seines Albums „Ti adoro“ (das Titellied war seiner damals noch kleinen Tochter Alice gewidmet) in seinem zu jener Zeit neuen Domizil in seiner Heimatstadt trafen.

Howard, der Regisseur des Films, an sich kein großer Opernexperte, war dem Sänger nur einmal begegnet, aber es reizte ihn, „den Aufstieg eines Mannes aus einer Kleinstadt zum Megastar zu zeigen, dessen Träume, Ängste und Familienleben unter einen Hut zu bringen“. Dafür ließ er sich eine spezielle Form einfallen: „Je mehr ich über ihn erfuhr, umso mehr sah ich ihn als perfektes Beispiel dafür, wie man ein Leben mit Leidenschaft und Hingabe lebt. Ich entschloss mich, den Film wie eine Oper in drei Akten zu strukturieren, getragen von großen Arien. Die musikalische Klammer wurde, quasi als Refrain, ‚Nessun dorma’ aus ‚Turandot’, der wohl größte Crossover-Hit aller Zeiten, wobei man anmerken muss, dass Pavarotti ja insgesamt 100 Millionen Schallplatten verkauft hat.“ Unschätzbares Material erhielt das Team von seiner 34 Jahre jüngeren Witwe Nicoletta, die mit ihrer Videokamera immer wieder persönliche Interviews mit ihrem Mann filmte. Sie stellte die Aufnahmen bereitwillig zur Verfügung und erklärte dazu: „Luciano wollte seine positive Lebenseinstellung jedem vermitteln. Er glaubte, dass wir jede Minute auskosten sollten, und das hat er getan. Er war ein großer Künstler, aber er wusste, dass Talent allein nicht ausreicht. Er glaubte an Disziplin und Hingabe. Genieße, was du tust, meinte er, aber gib immer auch etwas zurück.“ LH

Er machte sich über die Welt der Oper ab und zu auch lustig.
Er machte sich über die Welt der Oper ab und zu auch lustig.
Pavarotti grüßt sein Publikum bei einem Konzert in Peking. Wild Bunch Germany
Pavarotti grüßt sein Publikum bei einem Konzert in Peking. Wild Bunch Germany