„Die Arbeit ist mein Lebenselixier“

Menschen / 02.01.2020 • 21:50 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Bereits seit 2002 spielt Fritz Wepper den Bürgermeister in der Serie „Um Himmels Willen“. dpa
Bereits seit 2002 spielt Fritz Wepper den Bürgermeister in der Serie „Um Himmels Willen“. dpa

Fritz Wepper über den Dauerbrenner „Um Himmels Willen“ und warum er keine Krimis mehr schaut.

Berlin Fritz Wepper gehört zu den populärsten deutschen TV-Stars. Nun ist der 78-Jährige in neuen Folgen der Erfolgsserie „Um Himmels Willen“ (ab 7. Jänner, 20.15 Uhr, ARD) zu sehen. Bereits seit 2002 spielt Wepper den schlitzohrigen Bürgermeister Wolfgang Wöller, der im Dauerclinch mit den Nonnen des bayerischen Klosters Kaltenthal liegt.

 

Herr Wepper, Sie spielen in der 2002 gestarteten Serie „Um Himmels Willen“ seit der ersten Folge Bürgermeister Wöller. Was reizt Sie immer noch an dieser Rolle?

Wepper Wenn ich Verabredungen eingehe, dann halte ich die auch ein – so wie hier. Außerdem macht es mir wirklich Spaß, ich spiele den Wöller gerne und ich bin auch gerne mit meinen Kollegen zusammen.

 

Sie haben vor einigen Monaten Ihre Ehefrau verloren und haben lange an den Folgen einer schweren Herz-Operation laboriert. Woher haben Sie in dieser Zeit die Kraft genommen weiterzuarbeiten?

Wepper Die Kraft musste einfach irgendwie da sein, weil wir die aktuelle Staffel ja fertigstellen mussten. Und eigentlich ist die Arbeit auch ein Lebenselixier für mich. Die Folgen der Operation habe ich jetzt bewältigt.

 

Sie sind jetzt 78 Jahre alt und spielten schon als Elfjähriger in Kindersendungen mit. Macht Ihre lange Karriere Sie stolz?

Wepper Stolz bin ich nicht, das ist mir zu eitel. Aber ich bin froh über diesen Werdegang, und ich liebe meinen Beruf. Ich werde öffentlich wahrgenommen, mitunter sogar wertgeschätzt, und das genieße ich.

 

Wird man Sie auch nochmal in einem größeren Film sehen?

Wepper Ich habe gerade mit einer Produzentin gesprochen, da gibt es Planungen. Aber ich rede nur über gelegte Eier.

 

Welches war in Ihren Augen die wichtigste Rolle Ihrer Karriere?

Wepper Was die Rolle meines Lebens war, kann ich gar nicht sagen, es gab so viele. Entscheidend waren für mich auf jeden Fall die Filme „Die Brücke“ und „Cabaret“. Die Rolle als Harry Klein in „Derrick“ war vielleicht nicht ganz so wesentlich, aber mit den Jahren habe ich in der Reihe viele Erfahrungen gesammelt, und der Kollege Klein ist ja auch im Lauf der Jahre älter geworden und gereift.

 

Haben Sie schon darüber nachgedacht, wie es mal mit Bürgermeister Wöller zu Ende gehen soll?

Wepper Ich denke gar nicht ans Aufhören, deshalb habe ich dazu auch keine Idee.

 

Was ist das Erfolgsrezept dieser Serie?

Wepper Die Serie ist immer auch mit der Zeit gegangen. Aktuelle Themen, die zum Teil auch politischer Natur sind, fließen ein, ob es nun um Migranten geht oder andere aktuelle Stoffe. Das spiegelt sich jeweils im Alltag des Bürgermeisters wider oder in dem des Ordens, und es kommt zu Konflikten zwischen der himmlischen und der weltlichen Macht.

 

Zum Auftakt der neuen Staffel geht es gleich mal um Fluch und Segen der modernen Medien. Nutzen Sie Facebook und Ähnliches?

Wepper Mit den sozialen Medien habe ich nichts am Hut, ich habe die immer schon abgelehnt, und die Entwicklung gibt mir recht. Ich habe immer schon vermutet, dass man da ausspioniert werden soll, damit will ich nichts zu tun haben. Ich nutze „WhatsApp“, das ist ja aber nur eine nachrichtliche Ebene.

 

Mögen es die Fans, wenn in „Um Himmels Willen“ aktuelle Themen eingeflochten werden?

Wepper Das kommt bei meinen Begegnungen mit Fans in dem Sinne nicht zur Sprache. Wenn ich am Morgen nach der Ausstrahlung einer Episode beim Bäcker Zuschauer treffe, dann sagen die mir oft, es habe ihnen sehr gut gefallen. Tatsache ist: Die Leute empfinden unsere Serie als Entspannung. Bei uns können sich die Zuschauer dann zurücklehnen, und das genießen sie. 

 

Also geht es darum, heile Welt zu verbreiten?

Wepper Ich finde nicht direkt, dass wir heile Welt verbreiten, es gibt in der Serie ja auch Konflikte. Aber bei uns geht das gewaltfrei vonstatten. Ich habe ja früher auch in Krimis mitgewirkt, aber ich muss schon sagen: Diese Welt hat sich ja sehr drastisch verändert. Ich habe neulich mal einen Krimi eingeschaltet und gleich wieder ausgemacht, denn da schwammen drei abgeschlagene Köpfe in einem Brunnen in Italien. Das ist nicht nach meiner Gesinnung, und ich glaube, dass viele Menschen ähnlich denken.

 

Bürgermeister Wöller ist in der Serie der Gegenspieler der Nonnen von Kloster Kaltenthal. Wie halten Sie es mit der Religion?

Wepper Für mich ist Glaube sehr wichtig. Ich bin evangelisch getauft und bete jeden Tag. Darüber hinaus habe ich mich eingehend mit der buddhistischen Lehre beschäftigt und von einem japanischen Zen-Meister in der Meditation anleiten lassen, ich praktiziere regelmäßig. ski