Lisbeth Bischoff: „Harry und Meghan haben sich ins eigene Bein geschossen“

Menschen / 14.01.2020 • 18:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Harry und Meghan sorgen für Unruhe im britischen Königshaus. AFP

Adelsexpertin aus Dornbirn übt Kritik an den Megxit-Plänen.

Tanja Schwendinger

Schwarzach Der royale Rückzug von Herzogin Meghan (38) und Prinz Harry (35) versetzte nicht nur das Königshaus, sondern auch die britische Bevölkerung in Aufruhr. Adelsexpertin Lisbeth Bischoff (64) aus Dornbirn sagt, es ginge nicht darum, dass sie zurücktreten, sondern wie sie es machen.

Eine Frage vorab: Team Queen oder Team Meghan?

Eindeutig Team Queen. Die Queen ist eine Konstante innerhalb von Großbritannien, auf die man sich verlassen kann. Auch für das Volk und für das Ansehen ist sie in der unbeständigen Welt, in der wir leben, ein Fels in der Brandung. Auch wenn die Briten manchmal kritisch gegenüber dem Königshaus sind, die Queen geht für sie über alles. Die Bevölkerung ist wegen des Rückzugs sehr aufgebracht. Harry und Meghan sorgen durch ihre Entscheidung für viel Unruhe im Königshaus.

Waren Sie überrascht, dass Harry und Meghan ihre royalen Verpflichtungen abgeben?

Überhaupt nicht. Ich war von Anfang an skeptisch und gespannt, wie sich eine Amerikanerin, die freiheitsliebend aufgewachsen ist, mit dem strengen Protokoll des Königshauses zurechtfindet. Meghan muss gewusst haben, was sie erwartet, als sie in das Königshaus eingeheiratet hat. Sie ist schließlich keine 15. Was mich wundert, ist, dass sie weniger arbeiten, aber trotzdem ihre Privilegien behalten wollen. Und dann haben sie noch ihre Homepage sussexroyal.com lanciert, die komplett auf das Königshaus aufgebaut ist. Das ist seltsam.

Lisbeth Bischoff war bis zu ihrer Pensionierung für den ORF als Adelsexpertin tätig. Jetzt ist sie freie Journalistin und schreibt unter anderem Kolumnen für den Kurier.
Lisbeth Bischoff war bis zu ihrer Pensionierung für den ORF als Adelsexpertin tätig. Jetzt ist sie freie Journalistin und schreibt unter anderem Kolumnen für den Kurier.

Welche Auswirkungen hat der Rückzug auf die britische Monarchie?

Gar keine. Im Gegenteil. Harry und Meghan haben sich ins eigene Bein geschossen. Sie haben völlig an Sympathie verloren. Immer, wenn ein Mitglied des Königshauses etwas zu feiern hat, funkt Meghan dazwischen. Als Prinzessin Eugenie geheiratet hat, wurde die Schwangerschaft von Meghan bekannt gegeben. Die Trennung vom Königshaus folgte am Vorabend von Kates Geburtstag. Es scheint, als ob sie beleidigt ist, wenn sie nicht die Hauptrolle spielt. Ich finde es auch rücksichtslos, dass sie ihre Entscheidung zu einem Zeitpunkt verkünden, in der die Königsfamilie ohnehin schon mit dem Skandal rund um Prinz Andrew zu kämpfen hat. Das ist für mich schon sehr egoistisch. Es geht nicht darum, dass sie sich zurückziehen, sondern wie sie es machen.

Mit welchen Aufgaben könnten Harry und Meghan ihr Geld verdienen? Den Titel Sussex Royal haben sie sich ja bereits patentieren lassen.

Royale Titel durften bislang nicht vermarktet und kommerziell genutzt werden. Harry und Meghan haben sich die Markenrechte für zahlreiche Produkte, darunter T-Shirts, Kulis oder Sweatshirts, gesichert. Damit ließe sich viel Geld verdienen. Die Frage stellt sich nun, ob das Königshaus das auch billigt – ich glaube es kaum.

Im Krisengespräch hat die Queen die Pläne des Paares ohne nähere Angaben abgesegnet. Was kann man aus dieser Mitteilung herauslesen?

Vieles, wenn man zwischen den Zeilen liest. Harry und Meghan werden von der Queen ohne Titel erwähnt. Im Gegenteil, sie werden mit ihren Vornamen und als „Sussexes“ angesprochen. Der Titel „Königliche Hoheit“ fehlt gänzlich. Das sagt für mich alles. Die Queen drückt meiner Meinung nach dadurch ihren Unmut aus. Für mich wirkt es so, als hätte sie mit Meghan und Harry abgeschlossen.

Die Queen hat eine Übergangszeit vereinbart und möchte noch „komplexe Fragen“ klären. Welche?

Es werden noch viele heikle Themen zu lösen sein. In erster Linie muss das Finanzielle geregelt werden. Eine der Fragen wäre zum Beispiel, wer künftig für die Sicherheit aufkommen wird, wenn die beiden in Kanada leben.

Glauben Sie an eine Zukunft von Harry von Meghan?

Ganz sicher bin ich mir da nicht. Blut ist schließlich dicker als Wasser. Harry ist im Königshaus aufgewachsen, er kennt nichts anderes. Er wird erst noch feststellen müssen, was das neue Leben wirklich für ihn bedeutet.