Demokratie braucht Polit-Satire

Menschen / 23.01.2020 • 22:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Robert Palfrader hofft, dass es sein neuer Film „vom Osten in den Westen schafft“ und er bald auch in Vorarlberg anläuft. vn/lerch
Robert Palfrader hofft, dass es sein neuer Film „vom Osten in den Westen schafft“ und er bald auch in Vorarlberg anläuft. vn/lerch

Robert Palfrader würde sich mehr davon im öffentlichen Fernsehen wünschen.

Hard Er hatte, wie er sagt, Hunderte verschiedener Jobs, bevor er sich mit der Satire-Sendung „Wir sind Kaiser“ in die Öffentlichkeit spielte. Vielseitig ist Robert Palfrader auch als Künstler unterwegs. Theater, Film, Fernsehen: Doch zuhause ist sein Herz auf der Kabarettbühne. Dieser Tage gastierte er mit seinem Soloprogramm „Allein“ auf der stilsicher restaurierten „Österreich“.

 

Wie gefällt Ihnen denn das Motorschiff „Österreich“?

Palfrader Es gefällt mir sehr, es ist ein herrliches altes Schiff.

 

Wäre es auch einem Kaiser gerecht geworden?

Palfrader Das glaube ich nicht. Zu wenig Klimbim, zu wenig Samt, zu wenig Gold …

 

Und doch ist ein Kaiser an Bord, Robert Heinrich I. Was gibt Ihnen diese Rolle?

Palfrader Ich habe dieser Rolle viel zu verdanken. Ich bin damit einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden und habe dadurch beruflich viele Chancen erhalten. Entsprechend glücklich und dankbar bin ich, dass ich die Figur darstellen durfte. Leider wird es nur noch zwei Folgen geben, danach wird sie abgesetzt.

 

Haben Sie das Gefühl, auf diese Rolle festgelegt zu sein?

Palfrader Nein, spätestens nach der Serie „Braunschlag“ hatte sich das erledigt. Ich mache nebenbei ja noch zahlreiche andere Sachen: Filme, Theater und vor allem Kabarett, etwa mit Thomas Maurer und Florian Scheuba. Wir „Staatskünstler“ kommen übrigens am 9. Mai 2020 nach Vorarlberg, und wenn die Vorarlberger brav Karten kaufen, machen wir vielleicht zwei Abende. Es würde uns wahnsinnig freuen.

Nochmals zum Kaiser: Gab es in der Sendung auch Gäste, die Ihren Humor nicht vertragen haben?

Palfrader Ja, das kam vor, aber relativ selten. Man muss auch auf solche Situationen vorbereitet sein.

 

Sie sind ein sehr vielseitiger Künstler. Was tun Sie am liebsten?

Palfrader Am liebsten ist mir die Kabarettbühne. Da ist mein Herz zuhause. Derzeit bin ich mit meinem Soloprogramm auf Tournee. Besonders oft spiele ich in Bayern. Ich drehe aber auch gerne. Jetzt zum Beispiel läuft im Kino der Film „Alles wird gut“, wo ich mir die besondere Herausforderung umgehängt habe, auf Italienisch zu drehen und das mit nur rudimentären Grundkenntnissen dieser Sprache. Mit dem Film hat sich mein Italienisch deutlich verbessert. Ich kann noch keine Konversation über präkolumbianische Kultur führen, aber das könnte ich auf Deutsch auch nicht.

 

Wie politisch muss jemand sein, der politisches Kabarett macht?

Palfrader Als der Florian Scheuba und ich uns Gedanken über das zweite Kabarettprogramm gemacht haben, haben wir uns fünf Tage ins Südtirol zurückgezogen und gehirnt, worum es da gehen kann. Nach diesen fünf Tagen war die Conclusio, dass wir auch privat hochpolitische Menschen sind und es gar nicht anders geht, als Politisches auf die Bühne zu bringen.

 

Glauben Sie, dass das, was Kabarettisten sagen, bei den politischen Akteuren Wiederhall findet?

Palfrader Ich glaube, dass die deutsche Sprache zu primitiv ist, um auszudrücken, wie wurscht ihnen das ist, was wir machen.

 

Wird auch den deutschen Kollegen aufs Programm geschaut?

Palfrader Ja, natürlich. Wir schauen sogar ein bisschen eifersüchtig nach Deutschland, weil es dort jede Menge politische Satire im Fernsehen gibt. Die haben wir in Österreich nicht mehr, seit es unsere Sendung „Wir sind Staatskünstler“ nicht mehr gibt. Das heißt nicht notwendigerweise, dass ich fordere, wir drei sollten wieder eine Sendung bekommen, aber irgendjemand sollte es machen, weil ich politische Satire für eine gesunde Demokratie für unerlässlich halte.

 

Zurück zum Film: Sie spielen in „Alles wird gut“, einem Remake von „Adams Äpfel“, einen alkoholabhängigen, kleptomanisch veranlagten ehemaligen Skistar, der vom Pfarrer wieder auf den rechten Weg geführt wird. Könnten Sie sich so etwas im richtigen Leben vorstellen?

Palfrader Ich hoffe, dass ich nie in die Verlegenheit komme, die Hilfe eines Pfarrers in Anspruch nehmen zu müssen, weil ich Atheist bin und nicht glaube, dass jemand, der an einen unsichtbaren Freund im Himmel glaubt, mir bei irgendeinem Problem helfen würde können. Wobei ich sagen muss: Ich bin in ein römisch-katholisches Privatgymnasium gegangen, und da gab es einen Pater, der mein Leben nachhaltig geprägt hat und dem ich bis heute noch dankbar dafür bin. Ich wäre nicht der Mensch, der ich heute bin, wenn es diesen außergewöhnlichen Geistlichen nicht gegeben hätte.

 

Sie halten Ihr Privatleben ziemlich bedeckt. Geschieht das mit Absicht?

Palfrader Ja, meine Frau hat von Anfang an gesagt, wenn sie etwas nicht will, dann mit mir auf irgendwelchen Fotos oder in irgendwelchen Gazetten aufzutauchen. Ich finde, es geht auch wirklich niemanden etwas an. Ich gebe mit diesem Interview eh schon sehr viel von mir preis.

 

Sammeln Sie Jö-Punkte?

Palfrader: Ja, ich sammle sie, und spende sie dann.