„Jungen Musikern fällt nichts Neues ein“

Menschen / 04.02.2020 • 21:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Volksmusik-Ikone Heino sprach mit den VN über seine Klassik-Tour, sein Alter und die Veränderung im Schlager.

Bregenz Ohne Heino (81) wäre die Schlager- und Volksmusikwelt kaum denkbar. Mit Hits wie „Blau blüht der Enzian“ oder „Die Schwarze Barbara“ wurde Heino zum großen Volksmusik-Star. In seiner knapp 60-jährigen Karriere erfand er sich mehrmals neu. Mit Rammstein stand er zwischenzeitlich in Wacken statt im Musikantenstadl auf der Bühne. Nun schlägt die Schlager-Legende mit seiner Klassik-Tournee leisere Töne an. Ans Aufhören will der 81-Jährige aber noch nicht denken.

 

Sie haben mit klassischer Musik begonnen, bevor Sie zur Volksmusik gewechselt sind. Sie kehren also zu Ihren Wurzeln zurück. Warum?

Heino Ich habe in den 60er-Jahren mit Klassik begonnen und ich habe mir vorgenommen, mit Klassik aufzuhören. Im Laufe meiner Karriere habe ich vier musikalische Perioden durchlaufen: Volksmusik, Schlager, Rock und Klassik. Jetzt bin ich in einem Alter, in dem ich nochmal gepflegt und schön singen möchte.

 

Das heißt, das wird Ihr letztes musikalisches Projekt sein?

Heino Das weiß ich nicht. Wenn die Tournee losgeht bin ich fast 82. Wenn mich der liebe Gott lässt, wird mir bestimmt wieder etwas einfallen (lacht). Ich bin noch fit und agil und ich möchte noch ein bisschen bleiben. Wenn ich jetzt Erfolg mit dieser Tournee habe, bin ich nicht abgeneigt, 20 weitere Konzerte draufzupacken. Ich singe lieber auf Konzerten, anstatt zu Hause zu sitzen und aus dem Fenster zu schauen.

 

Zu Ihrem 80. Geburtstag hatten Sie bereits Ihre Abschiedstournee angekündigt. Warum haben Sie sich entschieden, doch weiterzumachen?

Heino Das ZDF hat zu meinem Geburtstag eine Doku über mich gemacht. Ich habe mir gedacht, wenn sie eine gute Einschaltquote hat, dann mache ich weiter. Am Ende haben sie knapp drei Millionen Menschen gesehen, und das an einem Dienstagabend. Das war sensationell und gab mir den Mut weiterzumachen. Ich wusste, dass mich die Leute noch sehen wollen. Warum sollte ich dann aufhören? 

 

Tourneen verlangen einiges ab. Wie halten Sie sich fit?

Heino Ich trinke abends mal ein oder zwei Gläschen Wein, dann ist aber auch genug. Ich schlafe sehr lange und trinke viel Wasser, das hat mir mein Arzt geraten. Hin und wieder muss man dann auch mal zum Doktor und alles durchchecken lassen. Bis jetzt war glücklicherweise noch alles in Ordnung.

 

Was können Sie über das Programm ihrer Klassik-Tour verraten?

Heino Ich spiele im Grunde die ganze musikalische Palette: Von Blau blüht der Enzian bis hin zur Schwarzen Barbara. Dazu kommen Werke von Schubert, Bach, Tschaikowski und Mozart sowie rockige Songs. All das werde ich in einem klassischen Gewand mit einem 30-köpfigen Orchester und Yury Revich präsentieren – das wird ein wunderbarer Klangkörper. Erst vor Kurzem habe ich mich entschlossen auch ein Charlie Chaplin-Medley zu singen. Viele wissen gar nicht, dass Chaplin Welthits geschrieben hat. Ich freue mich sehr, gemeinsam mit Yury auf der Bühne zu stehen. Er ist ein hervorragender Violinist. Als wir uns das erste Mal getroffen haben, waren wir sofort auf derselben Wellenlänge. Mit der Klassik-Tour wollen wir zeigen, dass Jung und Alt gut zusammenpassen und Musik keine Grenzen kennt. Ich hoffe sehr, dass Menschen aller Generationen zu unseren Konzerten kommen und auch das Bregenzer Festspielhaus voll sein wird.

 

Welche Musik hören Sie privat?

Heino Ich schaue privat eher Fernsehen. Wenn ich Musik höre, hängt das immer mit meinen Projekten zusammen, die ich gerade mache. Momentan ist das Klassik.

 

Der Schlager boomt und immer mehr junge Schlagermusiker mischen bei den Charts ganz vorne mit. Wie gefällt Ihnen diese Musik?

Heino Da bin ich eher enttäuscht. Es ist momentan nichts auf dem Markt, von dem ich glaube, dass es Zukunft haben wird. Wenn ich mir so manche Schlagershows ansehe, merke ich, dass jungen Musikern nichts Neues mehr einfällt. Sie singen teilweise Hits von anderen Sängern, die schon 40 Jahre alt sind. Das muss ich nicht haben.

 

Wie sehen die kommenden Monate bei Ihnen bis zum Tourbeginn aus?

Heino Wir finalisieren gerade die Produktion „Heino live aus Linz“. Danach werde ich mit Yuri Revich eine CD zusammenzustellen, die zur Tour passt. Dann geht es ab ins Studio. Das Haus Kramm-Heino ist immer in Bewegung (lacht).

„Ich trinke abends mal ein oder zwei Gläschen Wein, dann ist aber auch genug.“

„Heino goes Klassik“ mit Stargast Yury Revich: 5. Dezember 2020, Festspielhaus Bregenz. Tickets unter v.ticket.at oder www.oeticket.com