Heino im VN-Interview: „Ich bin fit und agil und möchte noch ein bisschen bleiben“

Menschen / 05.02.2020 • 14:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Heino geht mir Stargeiger Yury Revich und einem 30-köpfigen Orchester auf Tour. Sie führt ihn unter anderem ins Festspielhaus Bregenz. KIRSTEN NIJHOF

Heino sprach mit den VN über seine anstehende Klassik-Tournee, seine Gesundheit und den Schlagerboom.

Tanja Schwendinger

Bregenz Ohne Heino (81) wäre die Schlager- und Volksmusikwelt kaum denkbar. Mit Hits wie „Blau blüht der Enzian“ oder „Die Schwarze Barbara“ wurde Heino zum großen Volksmusik-Star. In seiner knapp 60-jährigen Karriere erfand er sich mehrmals neu. Mit Rammstein stand er zwischenzeitlich in Wacken statt im Musikantenstadl auf der Bühne. Nun schlägt die Schlager-Legende mit seiner „Heino goes Klassik“-Tournee leisere Töne an. Ans Aufhören will der 81-Jährige aber noch nicht denken.

Sie haben mit klassischer Musik begonnen, bevor sie zur Volksmusik gewechselt sind. Sie kehren also zu Ihren Wurzeln zurück. Warum?

Ja, ich habe in den 60er-Jahren mit Klassik begonnen und ich habe mir vorgenommen, mit Klassik aufzuhören. Im Laufe meiner Karriere habe ich vier musikalische Perioden durchlaufen: Volksmusik, Schlager, Rock und Klassik. Jetzt bin ich in einem Alter, in dem ich nochmal gepflegt und schön singen möchte.

Das heißt, das wird Ihr letztes musikalisches Projekt sein?

Das weiß ich noch nicht. Wenn die Tournee losgeht bin ich fast 82. Wenn mich der liebe Gott lässt, wird mir bestimmt wieder etwas einfallen (lacht). Ich bin noch fit und agil und ich möchte noch ein bisschen bleiben. Wenn ich jetzt Erfolg mit dieser Tournee habe, bin ich nicht abgeneigt, 20 weitere Konzerte draufzupacken. Es macht mir einfach Spaß. Ich singe lieber auf Konzerten, anstatt zu Hause zu sitzen und aus dem Fenster zu schauen.

Zu Ihrem 80. Geburtstag hatten Sie bereits Ihre Abschiedstournee angekündigt. Warum haben Sie sich entschieden, doch weiterzumachen?

Das ZDF hat zu meinem Geburtstag eine Dokumentation über mich gemacht. Ich habe mir gedacht, wenn diese Doku eine gute Einschaltquote hat, dann mache ich weiter. Am Ende haben sie knapp drei Millionen Menschen gesehen, und das an einem Dienstagabend. Das war sensationell und gab mir den Mut und den Rückhalt weiterzumachen. Ich wusste, dass mich die Leute noch sehen wollen. Warum sollte ich dann aufhören? 

Tourneen verlangen einiges ab. Wie halten Sie sich fit?

Ich trinke abends mal ein oder zwei Gläschen Wein, dann ist aber auch genug. Ich schlafe sehr lange und trinke viel Wasser, das hat mir mein Arzt geraten. Hin und wieder muss man dann auch mal zum Doktor und alles durchchecken lassen. Bis jetzt war glücklicherweise noch alles in Ordnung.

Was können Sie über das Programm der „Heino goes Klassik“-Tour verraten?

Ich spiele im Grunde die ganze musikalische Palette: Von Blau blüht der Enzian bis hin zur Schwarzen Barbara. Dazu kommen Werke von Schubert, Bach, Tschaikowski und Mozart sowie rockige Songs. All das werde ich in einem klassischen Gewand mit einem 30-köpfigen Orchester und Stargast Yury Revich präsentieren – das wird ein wunderbarer Klangkörper. Erst vor Kurzem habe ich mich entschlossen, auch ein Charlie-Chaplin-Medley zu singen. Viele wissen gar nicht, dass Chaplin Welthits geschrieben hat. Ich freue mich sehr, gemeinsam mit Yury auf der Bühne zu stehen. Er ist ein hervorragender Violinist. Als wir uns das erste Mal getroffen haben, waren wir sofort auf derselben Wellenlänge. Mit der Klassik-Tour wollen wir auch zeigen, dass Jung und Alt gut zusammenpassen und Musik keine Grenzen kennt. Ich hoffe sehr, dass Menschen aller Generationen zu unseren Konzerten kommen und auch das Festspielhaus Bregenz voll sein wird.

Welche Musik hören Sie privat?

Ich schaue privat viel Fernsehen. Musik höre ich zu Hause eher selten. Wenn ich aber Musik höre, hängt das immer mit meinen musikalischen Projekten zusammen, die ich gerade mache. Momentan ist das Klassik.

Der Schlager boomt und immer mehr junge Schlagermusiker mischen bei den Charts ganz vorne mit. Wie gefällt Ihnen diese Musik?

Da bin ich eher enttäuscht. Meiner Meinung nach ist momentan nichts auf dem Markt, von dem ich glaube, dass es Zukunft haben wird. Wenn ich mir so manche Schlagershows ansehe, merke ich, dass vielen jungen Musikern nichts Neues mehr einfällt. Sie singen teilweise Hits von anderen Sängern, die schon 40 Jahre alt sind. Das muss ich nicht haben.

Wie sehen die kommenden Monate bei Ihnen bis zum Tourbeginn aus?

Wir finalisieren gerade die Produktion „Heino Live aus Linz“, meine erste Live-DVD. Danach werde ich mit Yury Revich eine CD zusammenzustellen, die zur Tour passt. Dann geht es ab ins Studio. Außerdem müssen noch einige Musiker organisiert werden. Es gibt einiges zu tun. Das Haus Kramm-Heino ist immer in Bewegung (lacht).

„Heino goes Klassik“ mit Stargast Yury Revich: 5. Dezember 2020, Festspielhaus Bregenz; Tickets unter v.ticket.at oder www.oeticket.com