„Der Sepp“ ist tot: Filmbranche trauert

Menschen / 12.02.2020 • 22:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In der Branche nannten alle den humorvollen und manchmal auch grantelnden „Bayern mit Leib und Seele“ liebevoll „Sepp“. apa/dpa/hase
In der Branche nannten alle den humorvollen und manchmal auch grantelnden „Bayern mit Leib und Seele“ liebevoll „Sepp“. apa/dpa/hase

Der deutsche Regisseur Joseph Vilsmaier ist mit 81 Jahren gestorben.

München Mit umständlichen Höflichkeiten wollte sich Joseph Vilsmaier nicht aufhalten. „Ich bin der Sepp“, stellte er sich gerne vor. Herzlich, bodenständig, geradeheraus, voller Energie und mitunter auch mal grantelnd – so kannten und liebten ihn Freunde und Kollegen. Am Dienstag ist der Regisseur und Produzent im Alter von 81 Jahren in München gestorben.

Größter Erfolg: „Schlafes Bruder“

Erst mit fast 50 Jahren hatte sich Vilsmaier als Regisseur erprobt: 1988 inszenierte er „Herbstmilch“, einen eindrucksvollen Kinofilm über das harte Leben der niederbayerischen Bäuerin Anna Wimschneider. Sein größter internationaler Erfolg war die Literaturverfilmung „Schlafes Bruder“ nach einem Roman des Vorarlbergers Robert Schneider. Der Film wurde fast zur Gänze im Garneratal oberhalb von Gaschurn gedreht. Seine Weltaufführung ging 1995 ebenfalls in Gaschurn über die Bühne. Das Drama wurde sogar für die Golden Globes nominiert. Die deutschen Hoffnungen auf einen Oscar im Jahr 1996 erfüllten sich nicht, dafür gab es den Österreichischen Filmpreis. Nicht minder erfolgreich und mit vielen Preisen überhäuft war auch der Streifen „Comedian Harmonists“ über das weltberühmte Vokalensemble aus Berlin. Auch Niederlagen musste er einstecken, etwa die Kritiken an seinem Bergsteigerdrama „Nanga Parbat“.

Seine letzte Regiearbeit konnte er noch verwirklichen. Es war der Kinofilm „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ mit Michael Bully Herbig und Hape Kerkeling. „Joseph, mein lieber Freund, ich werde Dich so sehr vermissen! Dein mitreißendes Lachen, Dein herrliches Schimpfen, Deine einzigartigen Geschichten, Deine schier endlose Energie, Deine Spitzbübigkeit, Dein großes Herz, einfach Alles!“, verabschiedete sich Herbig auf Instagram und Facebook.

Vilsmaier hinterlässt die drei erwachsenen Töchter Theresa, Janina und Josefina. Seine Ehefrau, die tschechische Sängerin und Schauspielerin Dana Vávrová, spielte in vielen seiner Filme mit. Als sie 2009 mit nur 41 Jahren an Krebs starb, war er untröstlich.

Zum Beruf des Regisseurs war Vilsmaier über Umwege gekommen. Er arbeitete als Techniker und musizierte in einer Jazzband. 1961 kam zum Film, erst als Materialassistent, später als Kameramann.