Kinofilm: Enkel für Anfänger

Menschen / 12.02.2020 • 13:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Viktor (Bruno Grüner) wird von Gerhard (Heiner Lauterbach) Mut zugesprochen. STUDIOCANAL/WOLFGANG ENNENBACH

VN-Interview. Heiner Lauterbach (66), deutscher Schauspieler

Berlin Mit weit über 100 Titeln zählt Heiner Lauterbach (66) heute zu den Topschauspielern im deutschen Sprachraum. In seinem neuesten Kinofilm „Enkel für Anfänger“ verkörpert er den homosexuellen Arzt Gerhard, der sehr zurückgezogen lebt, seit sein Partner gestorben ist. Als auch sein Hund stirbt, läuft ihm Karin, eine alte Freundin, über den Weg. Sie animiert ihn, es ihr gleichzutun und ein Enkelkind anzunehmen. Gerhard macht das und bekommt den perfekten Enkel, der ihm neuen Lebensmut gibt.

Sie werden im April 67. In „Enkel für Anfänger“ heißt es, 67 sei das neue 40. Richtig?

LAUTERBACH Ich weiß nicht, aber wir alle kennen ja den ganzen Käse, der immer zitiert wird, wie: Man ist so alt, wie man sich fühlt. Man ist heute als älterer Herr wahrscheinlich fitter als früher, weil wir ja keinen Krieg erlebt haben und ein gutes Leben führen konnten. Doch es scheint mir nicht so wichtig, steinalt zu werden. Viel wichtiger ist, wie man alt wird. Was nützt es, 120 zu sein, wenn man davor 40 Jahre im Rollstuhl gesessen hat? Altern ist halt ein normaler Prozess, der zum Leben gehört. Die Alternative, also nicht alt zu werden, ist aber auch nix. Sagen wir demnach so: Ich fühle mich heute so alt, wie ich bin.

Ihre Rolle in „Enkel für Anfänger“ ist für Sie ungewöhnlich: einsam, depressiv, homosexuell . . .

LAUTERBACH Das stimmt nicht ganz. In „Vatertage – Opa über Nacht“ habe ich sogar schon mal einen homosexuellen, auf Mykonos lebenden Urgroßvater gespielt. Generell kommt es mir immer auf die Qualität der Rolle an, was stark mit der Qualität des Drehbuchs zusammenhängt. Im jetzigen Fall: Ein alter Misanthrop, dem erst der Partner und dann auch der Hund gestorben ist, und der dann von einem kleinen Kind „gebrochen“ wird – das war schon ein großer Reiz für einen Schauspieler.

Wie gut kennen Sie Kinder?

LAUTERBACH Genauso gut wie Menschen. Kinder sind ja auch Menschen. Ich verstehe mich aber nicht automatisch mit Kindern gut, denn wenn sie unerzogen sind, sind sie mir ein Gräuel. Frech dürfen sie aber sein. Es gibt eine gewisse Art von Frechheit, für die ich sie knuddeln könnte. Ich kann Menschen großartig finden – und abscheulich, wenn sie mir auf die Socken gehen. Ich bin ein Menschenfreund und ein lieber Kerl …

Wie viele Kinder haben Sie selbst?

LAUTERBACH Drei, und ich liebe sie. Sie können auch ganz schön frech sein, aber sie sind in Ordnung.

Sie waren Synchronsprecher für Hollywood-Stars. Sind Sie einem  begegnet?

LAUTERBACH Ich war bei „Wetten, dass…?“ zu Gast und auf dem Weg zur Toilette kam mir John Malkovich entgegen. Ich stellte mich vor und sagte: „Ich habe dich in ‚Tod des Handlungsreisenden’ synchronisiert!“ Er schaute mich an und meinte: „Ah, du bist das?“ Er erzählte mir, dass ihm Regisseur Volker Schlöndorff erzählt hatte, er habe keinen typischen Synchronsprecher, sondern einen bekannten Schauspieler engagiert.

Ihre Biografie betitelt sich „Nichts ausgelassen“. Ein Hinweis, dass Sie Ihr Leben zu sehr genossen haben?

LAUTERBACH Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Die Dinge sind einfach passiert. Man kann nichts revidieren. Gut, vielleicht hätte ich meine „wilden Zeiten“ verkürzen können. Immerhin bin ich zur rechten Zeit aufs Land übersiedelt, denn in der Großstadt wäre ich wohl weiterhin nachts durch die Gegend gezogen.

Was halten Sie von Großeltern?

LAUTERBACH Sie sind eine tolle Institution. Ich bin im Vorjahr Opa geworden und habe zu meinem Sohn Oscar gesagt: „Ich freue mich immer, mit Kleinkindern zu tun zu haben, die ich nicht erziehen muss. Denn wenn, muss man sie gut erziehen, damit später nicht Vollidioten aus ihnen werden!“

Und wie ist Opa Heiner dann in der Praxis?

LAUTERBACH Tja, da wird links eine Playstation und vorne ein Fernseher stehen, rechts ein Handy liegen, und es wird immer viel Schokolade geben. Ich habe meine Kinder eh gewarnt: „Wenn ein Enkel zu mir kommt, wird er verzogen.“

Sind Sie ihnen ein strenger Vater?

LAUTERBACH Viktoria und ich erziehen sie nach der Methode „good cop, bad cop“. Wenn ich von einem Dreh nach Hause komme, ist es nicht so, dass ich ihnen alles erlaube. Viktoria und ich teilen uns das gut auf, fast traumwandlerisch. LH