Die Gastgeberin

Menschen / 10.11.2020 • 21:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wie die Großdorferin Irma Renner kreativ durch die Pandemie kommt und wie sie der Ausnahmesituation auch Positives abgewinnen kann.Jens Ellensohn
Wie die Großdorferin Irma Renner kreativ durch die Pandemie kommt und wie sie der Ausnahmesituation auch Positives abgewinnen kann.Jens Ellensohn

Die Großdorferin Irma Renner über ihr kreatives Konzept auch in Coronazeiten Gastgeberin sein zu können.

gRoßdorf Die leidenschaftliche Gastgeberin Irma Renner (54) begrüßt normalerweise im Adler in Egg-Großdorf jeden Sonntag ihre Gästeschar, die aus dem ganzen Land für die kulinarischen Highlights aus der Küche von Jodok Dietrich in den schönen Bregenzerwald pilgern. In der Coronakrise war nun kreatives Umdenken gefragt. Die VN fragten bei der sympathischen Großdorferin nach wie sie sich neu ausgerichtet hat und was die Krise mit ihr gemacht hat.

 

Wie entstand Ihre Idee zum Sonntagsgasthaus? War das spontan oder geplant?

Renner Das war spontan. Bekannte von mir haben den Adler, der über längere Zeit leer stand, gekauft und wollten ihn als Wirtshaus erhalten. Allerdings haben sie nicht den passenden Pächter gefunden und bei mir nachgefragt. Ich hab mir das Gasthaus angeschaut und mich in die schönen Stuben verliebt, obwohl das ganze Inventar und die „Seele“ fehlten. Aber alleine das wunderschöne alte Täfer und der Boden sprachen für sich.

 

Wie entstand Ihr Konzept für den Adler?

Renner Hier war meine Zeit im Piemont prägend. Da ist es ganz selbstverständlich, dass ein Restaurant nur ein Menü anbietet und alle Gäste das gleiche essen, eben das, was der Koch am besten kann. Zudem konnte ich mir nicht vorstellen, jeden Tag im Wirtshaus zu stehen, da meine Töchter damals auch noch recht klein waren. Und so war es naheliegend, am Sonntag mit einem Menü aufzusperren.

 

Was haben Sie gelernt, aus welcher Branche kommen Sie?

Renner Ich bin ein absoluter Quereinsteiger in der Gastronomie. Ich habe zwar früher in der Tourismusbranche gearbeitet, meine ersten Jobs waren im Hotel Post in Bezau und in der Post in Lech, jeweils an der Rezeption. Es folgten daraufhin einige Auslandsaufenthalte, um meine Sprachkenntnisse zu vertiefen. Und dann war ich zehn Jahre lang bei Wolford tätig.

 

Haben Sie durch den ersten Lockdown Ihr Adler-Konzept angepasst?

Renner Ja sofort. Mein Konzept kommt mir da natürlich sehr entgegen. Jede Woche kontaktiere ich meine Gäste via Newsletter und bin somit sehr flexibel. Dadurch habe ich keinen Sonntag verloren. Wir haben von Anfang an ausgeliefert. Das war nur möglich mit einem tollen Team, allen voran Jodok Dietrich in der Küche, der mit dieser Situation sehr souverän umgegangen ist, und quasi Samstagnächte im Gasthaus Adler verbracht hat, damit wir frisches hausgemachtes Brot für die kulinarischen Schachteln backen konnten. Und auch Birgit Meusburger, meine Mitarbeiterin, war sofort dabei beim Ausliefern, Schachteln Stempeln zu helfen.

 

Wie haben Sie als Gastgeberin und Mutter den ersten Lockdown erlebt?

Renner Als Gastgeberin habe ich trotz der widrigen Situation sehr schöne Erfahrungen gemacht. Es war unglaublich, wie viele positive Feedbacks ich auf unsere Initiative erhalten habe. Zum Beispiel erreichten uns sehr dankbare Zeilen, viele Fotos vom gedeckten Tisch, von unseren Speisen auf dem feinsten Familienporzellan! Somit hat das Liefern den Kontakt zu meinen Gästen noch verstärkt! Ich habe es genossen, meine Töchter tagsüber zuhause zu haben, so dass viele gemeinsame Essen möglich waren, aber es war intensiv, samt Hund und Homeschooling und Job und auch anstrengend, auch für meine Töchter (lacht).

 

Sind Sie auf den zweiten Lockdown light nun gut vorbereitet gewesen?

Renner Ja, die Erfahrung vom ersten Lockdown hilft natürlich sehr. Ich weiß nun genau, welches Verpackungsmaterial Sinn macht und natürlich auch organisatorisch habe ich einiges dazugelernt. Mit Google Maps kenne ich mich nun auch besser aus (lacht).

 

Wie hat sich Ihr privates Leben durch die letzten Monate verändert?

Renner Um ehrlich zu ein, nicht sehr! Mein soziales Leben spielt sich derzeit viel im Bregenzerwald ab, da ich unter der Woche durch meine Töchter und unseren Hund ans Haus gebunden bin und am Wochenende an den Adler.

Haben Sie neue Seiten an sich kennengelernt?

Renner Nein, ich bin eigentlich mehr im Büro und auch mehr in der Adlerküche. Die Organisation und auch das Verpacken der Sonntagsmenüs ist recht zeitaufwendig. Im Prinzip ist der Aufwand größer, als die Gäste im Adler zu empfangen.

 

Wer gibt Ihnen Kraft und Halt?

Renner Meine Töchter Lena und Emilie und Cora, unsere Labradorhündin, sind eine Bereicherung.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.