Passion für schnelles Altmetall

Menschen / 10.01.2022 • 18:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wenn es nötig ist, fertigt Roman Wolff fehlende Teile selbst an.
Wenn es nötig ist, fertigt Roman Wolff fehlende Teile selbst an.

Bei Motorradtechnik Wolff in Hard wird alten Maschinen neuer Glanz verliehen.

hard Versteckt verbirgt sich in Hard ein Tor in eine längst vergangene Zeit. Eine Zeit, in der die Haare lang, die Röcke kurz und das Wort Freiheit ganz großgeschrieben wurde. In den 60er- und 70er- Jahren des vergangenen Jahrhunderts fasste besonders ein Ding den Geist seiner Zeit in sich zusammen: das Motorrad. Leidenschaft, Unabhängigkeit und Spaß.

Der Zahn der Zeit soll sichtbar sein

In diesen Jahren war Roman Wolff, seines Zeichens Kfz-Meister und Chef bei Motorradtechnik Wolff, noch nicht geboren. Geträumt von der eigenen Werkstatt habe der 44-Jährige jedoch recht früh. Seit nunmehr fünf Jahren ist sie Realität. Der Oldtimerfan hat sich selbstständig gemacht, repariert und restauriert alte Motorräder. Faszinierend sei die Liebe zum Detail, die Geschichte und das einzigartige Fahrgefühl, sagt Wolff über seine Zweiräder. „Handwerkliches Geschick, Geduld, Improvisationstalent und ein guter Lehrmeister sind wichtig, wenn man diesen Beruf ausüben möchte“, weiß der HTL-Absolvent. Am besten würde man von jenen lernen, die damals in einer Werkstatt gearbeitet haben. Diese Mechaniker sind mittlerweile, wie die Zweiräder, in die Jahre gekommen. „Das hinterlässt Spuren, und genauso soll es auch sein. Heutzutage spricht man von einer sogenannten Patina-Restauration. Die Bikes werden zwar technisch neu macht, aber äußerlich sollen die Gebrauchsspuren zu sehen sein“, beschreibt Wolff den Trend der letzten Jahre. Retro ist gefragter denn je, viele Hersteller setzen wieder auf das Design der Epoche, in der das Zweirad Massentauglichkeit erlangte.

Das Restaurieren eines Oldtimers ist mit viel Aufwand und Kosten verbunden. Abgesehen von der Passion für altes Eisen liegen die Hauptgründe, warum die Kunden zu ihm kommen, für Wolff auf der Hand: „Meist hat das Motorrad einen ideellen Wert. Es ist ein Erbstück oder ein unerfüllter Jugendtraum. Manchmal auch eine Wertanlage.“ Der grundsätzliche Zweck, das Fahrzeug als Fortbewegungsmittel, sei zweitrangig. Die Bewegung eines sechzig Jahre alten Fahrzeugs sei ganz speziell. „Meist sind es ,Rüttelplatten‘, man merkt jede Vibration“, weiß der Harder aus Erfahrung. „Aber genau um dieses Fahrgefühl geht es.“ Viele Vorarlberger teilen diese Meinung, die Szene im Ländle erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Zahlreiche Oldtimertreffen und Teilemärkte belegen das. Roman Wolff ist regelmäßig auf diesen Veranstaltungen anzutreffen.

Verbot von Verbrennern

Was er machen würde, wenn der Verbrennungsmotor vor dem Aus stünde? „Wahrscheinlich in einem Oldtimermuseum arbeiten und mich um den Fuhrpark kümmern“, antwortet Roman Wolff und lacht. Mit Elektromotorrädern habe er keine Berührungspunkte. Elektrisch betrieben sind nur seine ferngesteuerten RC-Autos, die er selbst baut. Für sein großes Hobby nimmt er sogar Urlaub, um an Rennen teilzunehmen. Auf die Frage, ob er für diese Freizeitbeschäftigung nicht zu alt sei, antwortet er schmunzelnd: „Nein, dort bin ich meist eher einer der jüngeren Teilnehmer im Feld.“ VN-HED

„Früher wurde bei der Produktion auf Qualität und Langlebigkeit geachtet, heute ist es oft nur die Rentabilität.“

Wie ein Uhrwerk. Ein zerlegter Motor wird neu aufgebaut.
Wie ein Uhrwerk. Ein zerlegter Motor wird neu aufgebaut.
Klein, aber fein – bei Motorradtechnik Wolff werden Zweiradträume Wirklichkeit.
Klein, aber fein – bei Motorradtechnik Wolff werden Zweiradträume Wirklichkeit.
Sichtbar stolz präsentiert der Kfz-Meister seine Zweiradwerkstatt.
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Arbeit gibt es genug, die Oldtimerszene im Ländle freut sich über stetig wachsende Beliebtheit.

Arbeit gibt es genug, die Oldtimerszene im Ländle freut sich über stetig wachsende Beliebtheit.

Roman Wolff scheut keine Herausforderung, in diesem Fall eine Vincent Black Shadow, Baujahr 1946.
Roman Wolff scheut keine Herausforderung, in diesem Fall eine Vincent Black Shadow, Baujahr 1946.

Zur Person

Roman Wolff

Geboren 7.9.1978

Ausbildung Kfz-Meister

Hobbys RC-Modellrennsport, klassische Motorräder, Freunde

Familie ledig

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