Wie Brigitte Pregenzer das Leben pflegt

Menschen / 14.01.2022 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wie Brigitte Pregenzer das Leben pflegt
Selbstversorgerin Brigitte Pregenzer hegt und pflegt ihr Gemüse im eigenen Garten.

Buchautorin und Hildegard-Kennerin Brigitte Pregenzer über die Kunst, das richtige Maß zu finden.

Dornbirn „Fasten öffnet Türen nach innen“ – das ist gleich zu Beginn in Brigitte Pregenzers neuem Fastenbuch „Die Hildegard Fastenwoche“ zu lesen. Die Dornbirnerin sieht die freiwillige Reduktion als einen wichtigen Gegenpol zu einem Leben in Fülle, durch das man den Überblick verlieren könne. „Außerdem sind wir auch in anderen Lebensbereichen extrem geworden. Es gilt, überall an die Spitze zu gelangen und alles zu optimieren“, umschreibt die Autorin den derzeit herrschenden Zeitgeist. Es gibt entweder komplette Couchpotatoes oder extreme Freizeitsportler, die sich siebenmal pro Woche quälen, gibt sie ein Beispiel aus der Freizeit.

Fasten zur Selbstbeobachtung

Die Kunst sei es, das richtige Maß zu finden. Dabei spielt für Brigitte Pregenzer Hildegard von Bingens gesamtheitliche Sicht auf den Menschen eine wichtige Rolle. Sie gilt als eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters, gründete zwei Klöster, schrieb mehrere Werke zu theologischen Fragen, zu medizinischen Anwendungen und sie komponierte zahlreiche Musikstücke. Die Äbtissin plädierte für ein freudvolles Leben nach Maß und lehnte Askese ab. Ihre Anregungen sind heute als die sogenannten sechs goldenen Lebensregeln bekannt. Diese besagen: Täglich an die frische Luft gehen und den Kontakt zur Natur pflegen. Auf gesunde Ernährung Wert legen, auf genügend Schlaf achten und ausreichende Ruhezeiten einhalten. Es bedeutet auch, eigene Interessen und Talente zu pflegen und sich in Tugenden wie Geduld, Großzügigkeit oder Nächstenliebe zu üben. „Ein- bis zweimal im Jahr sollte gefastet werden, um sich so selbst zu beobachten. Das Hildegard-Fasten ist ein sanftes Fasten. Der Körper muss lediglich Dinkel verstoffwechseln und kann sich so der Zellreinigung widmen“, erklärt die Fastenexpertin, die in vielen Fastengruppen Menschen begleitet hat. Der Fastende stärke nicht nur sein Immunsystem, er werde in der Fastenwoche geistig reger, seine Gedanken und Bedürfnisse werden wieder klarer.

Das Wissen gibt Brigitte Pregenzer weiter: Die Absolventinnen der Hildegard-Akademie im Juli 2021.
Das Wissen gibt Brigitte Pregenzer weiter: Die Absolventinnen der Hildegard-Akademie im Juli 2021.

„Es gilt, überall an die Spitze zu gelangen. Die Kunst ist es, das richtige Maß zu finden.“

Brigitte Pregenzer, Buchautorin

Für alle Sinne

Wohlverdiente Pause nach einer Wanderung in der Natur.
Wohlverdiente Pause nach einer Wanderung in der Natur.

Auf die Universalgelehrte stieß die gebürtige Schrunserin vor über 25 Jahren. „Es war ein widerspenstiger Zugang“, erinnert sich die Autorin, die mittlerweile 13 Bücher im Tyrolia-Verlag veröffentlicht hat, wie beispielsweise „Achte auf die Lebensfreude“. Anfangs konnte sie mit der Originalliteratur der Nonne aus dem 12. Jahrhundert wenig anfangen. Eine Fastenkurswoche im Tessin ebnete ihr den Weg zur Hildegard-Lehre und ein Brotbackkurs war der Eisbrecher. Das Dinkelbrot verpasste dem Leben der Dornbirnerin eine Wendung. „Es sprach mich mit allen Sinnen an. Es nährte mich geistig und körperlich“, erzählt die passionierte Köchin, die ihr Gemüse im Garten zieht. Auf leisen Sohlen zogen dann auch Hildegards Gewürze, wie etwa Galgant und Bertram, in die Küche der 65-Jährigen. Ihre Leidenschaft fürs Kochen gibt sie auch in der Praxis weiter.

Die passionierte Köchin gibt Kochkurse im In- und Ausland – hier ein Abschluss­essen in Dresden.
Die passionierte Köchin gibt Kochkurse im In- und Ausland – hier ein Abschluss­essen in Dresden.

Da die Hildegard-Beraterin ihr angeeignetes Wissen weitergeben wollte, gründete sie 2008 die Hildegard-Akademie, die derzeit aus aktuellem Anlass Pause macht. Diese Akademie widmet sich der Lebenspflege. Das ist ein Achtsamsein und ein Bewusstwerden speziell der alltäglichen Dinge. „Ich habe vor Kurzem einen Romanesco gekauft. Den könnte ich einfach kochen und essen. Aber ich freue mich über seine außergewöhnliche Form, bereite ihn liebevoll zu und esse ihn mit Freude“, führt Pregenzer weiter aus. Ihr Lebensmotto „Pflege das Leben, wo du es triffst“ drückt die Dankbarkeit für Selbstverständliches aus.

Freude und Dankbarkeit an Alltäglichem zu empfinden, das zieht sich durch Pregenzers Leben.
Freude und Dankbarkeit an Alltäglichem zu empfinden, das zieht sich durch Pregenzers Leben.

Zur Person

Brigitte Pregenzer

Hildegard-Expertin, Autorin

Alter 65

Wohnort Dornbirn

Familie zwei erwachsene Töchter

Laufbahn Tourismus, Verlags- und Medienarbeit, Hildegard-Beraterin

Hobbys Bewegung in der Natur, Gartenarbeit, Kochen, geselliges Beisammensein, Lesen

Lebensmotto Pflege das Leben, wo du es triffst

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