Vom Lieben und vom Loslassen

Menschen / 28.01.2022 • 17:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In seinem Studio schneidet und vertont Niko Mylonas seinen neuen Film „Loslassen“. HRJ
In seinem Studio schneidet und vertont Niko Mylonas seinen neuen Film „Loslassen“. HRJ

Niko Mylonas hat wieder einen Film gedreht. Ein weiterer ist geplant.

FELDKIRCH Neun Minuten dauert Niko Mylonas‘ neuer Film „Loslassen“. Neun Minuten, die berühren. Schon darum, weil das Thema jeden Menschen betrifft.

Der Null-Budget-Streifen des 66-jährigen Feldkircher Filmemachers handelt von einer Aussprache zwischen einem Mann und seiner toten Frau: „Frank und Lisa hatten sich als junge Brautleute ein Versprechen gegeben: Wenn einer von ihnen stirbt, werden sie sich an ihrem Lieblingsplatz, einem Aussichtspunkt auf einem Berg, treffen“, erklärt Mylonas den Inhalt des von ihm verfassten Drehbuchs. „Dann starb Lisa an Krebs. Seither geht Frank jeden Tag zu diesem Ort und wartet auf sie. Endlich, am zehnten Jahrestag ihres Todes, erscheint sie ihm.“ Es folgt ein emotionaler Dialog, in dem Lisa ihren Mann bittet, sie loszulassen, während er dem Leben mit ihr nachtrauert. Erst als ein elfjähriges Mädchen auftaucht, das auch Lisa heißt, begreift Frank die Bedeutung von Liebe und Loslassen.

Gedreht wurde den ganzen Tag des 17. Oktober 2021, mit den Schauspielern Christian Urban (Frank) und Anna Maier (Lisa) sowie den Laiendarstellern Simon Ruff (Franks Freund Stefan) und Linn Ruff (elfjährige Lisa). Drehort war der Aussichtspunkt Obera Boda am Wanderweg, der von Fraxern auf die Hohe Kugel führt.

„Loslassen“

„Es war gar nicht so einfach, dort oben zu drehen“, sagt Mylonas. Das Kamera-Equipment musste auf den Berg hinauf geschleppt werden. Das Gelände wurde abgesperrt, denn der Obere Boda ist wegen der traumhaften Sicht aufs Rheintal ein von Wanderern stark frequentierter Ort. Das Wetter spielte zum Glück mit: blauer Himmel, Sonnenschein, später Nebel überm Tal.

Derzeit wird das etwa achtstündige Filmmaterial auf neun Minuten geschnitten und vertont. Den fertigen Streifen wird Mylonas für Wettbewerbe in Europa und den USA einreichen. Veröffentlicht wird „Loslassen“ auf YouTube.

Niko Mylonas hat seine Leidenschaft für den Film bereits als Kind entdeckt. Er stammt aus Horisti, einem Dorf im Nordosten Griechenlands. „Mit sechs Jahren habe ich im Dorfkino dem Vorführer bei seiner Arbeit zugeschaut und die Filmschnipsel aufgesammelt.“ 1965, er war neunjährig, wanderten seine Eltern mit ihm und dem jüngeren Bruder nach Vorarlberg aus.

16 Spielfilme

Mit dem Filmen begann er während seiner Ausbildung zum Krankenpfleger. Er dokumentierte chirurgische Eingriffe. Dann entstanden Spielfilme mit Geschichten, die das Leben scheibt. In den vergangenen 20 Jahren produzierte er insgesamt sechs Dokumentationen und 16 Spielfilme und erhielt zahlreiche Preise. Sein bislang aufwendigster Streifen ist „Golden Board“ – ein Ländle-Agenten-Thriller, der 2019 in Vorarlberger Kinos gezeigt wurde. Mit den Erlösen aus den Filmvorführungen hat Mylonas Hilfsprojekte, darunter die VN-Sozialaktion „Ma hilft“ und „Stunde des Herzens“ unterstützt. Sobald „Loslassen“ im Netz steht, geht Niko Mylonas sein nächstes Projekt an: Eine Dokumentation über Kinder, die am KAT6A-Syndrom (ein seltener Gendefekt) leiden. „Den Film werde ich der KAT6A Foundation Austria für ihr Forschungsprogramm schenken“, sagt Mylonas. Warum er sich solcher Themen annimmt, begründet er so: „Weil ich sehr dankbar bin, dass ich eine gesunde Familie habe und es uns gut geht.“ Ein Leben abseits von „Kamera läuft“ gibt es für Mylonas nicht mehr. Er ist ja schon dabei, seinen Enkeltöchtern Sophia (9) und Ines (6) das Filmemachen beizubringen. HRJ

„Ich bin sehr dankbar, dass ich eine gesunde Familie habe und es uns gut geht.“

Dreharbeiten zum Spielfilm „Golden Board“, der 2019 in Vorarlberger Kinos lief. HRJ
Dreharbeiten zum Spielfilm „Golden Board“, der 2019 in Vorarlberger Kinos lief. HRJ
Ein Hobby des Filmemachers ist Grillen, auch im Winter.
Ein Hobby des Filmemachers ist Grillen, auch im Winter.
Mylonas gibt Regieanweisungen für eine „Golden Board“-Szene, gedreht im Russmedia-Gebäude. HRJ
Mylonas gibt Regieanweisungen für eine „Golden Board“-Szene, gedreht im Russmedia-Gebäude. HRJ

Zur Person

Niko Mylonas

Geboren 6. August 1955

Wohnort Feldkirch

Berufe Pensionierter Krankenpfleger, Filmemacher

Familie verheiratet mit Brigitta, ein Sohn (Daniel), zwei Töchter (Manuela, Beate), drei Enkel (Sophia, Ines, Lea)

Hobbys Astronomie, Grillen auf seiner Terrasse, auch im Winter

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