Eine Legende auf Skiern

Menschen / 15.02.2022 • 17:23 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Ehrung für 70 Jahre Ski Club Arlberg: Präsident des SCA Josef Chodakowski, Rudi und sein Sohn Franz-Josef Mathies, Anton Dönz (Ortsvorsteher von Stuben a.A.).Mathies
Ehrung für 70 Jahre Ski Club Arlberg: Präsident des SCA Josef Chodakowski, Rudi und sein Sohn Franz-Josef Mathies, Anton Dönz (Ortsvorsteher von Stuben a.A.).Mathies

Ski- und Bergguide Rudi Mathies ist auch mit 90 Jahren noch begeisterter Skifahrer.

Klösterle Vor vier Wochen feierte Rudi Mathies seinen 90. Geburtstag. Der agile Pensionist aus Stuben am Arlberg kann auf ein sehr bewegtes Leben mit vielen außergewöhnlichen Begegnungen zurückblicken. Auch im hohen Alter fährt er noch mit Begeisterung Ski: „Wenn es irgendwie möglich ist, bin ich mit den Skiern unterwegs. Bei der Skischule Zürs habe ich vor rund sieben Jahren aufgehört. Seither bin ich nur noch mit Freunden unterwegs. Dies sind vielfach ehemalige Wintergäste, die ich mitunter seit Jahrzehnten kenne.“

Mit Pferden unterwegs

Dabei lag dem gebürtigen Klostertaler das Skifahren anfangs überhaupt nicht, obwohl schon sein Großvater Anton Mathies der erste Skilehrer in Zürs und am Bödele und auch sein Vater Robert Ski- und Bergführer waren. „Wir hatten eine Landwirtschaft und eine Frächterei. Damals wurden die Gäste und auch die Lebensmittel mit Pferdeschlitten nach Zürs transportiert. Ich habe mit zehn Jahren schon mit dem Schlittenfahren begonnen.“ Überhaupt war Rudi Mathis als Kind schon das ganze Jahr über mit Pferden für landwirtschaftliche Tätigkeiten unterwegs.

Als später dann im Winter Schneefräsen und Raupenfahrzeuge aufkamen, wurden die Pferde immer weniger benötigt.

Als er 16 Jahre alt war, ging es dann auf Geheiß des Vaters in die Skischule nach Zürs. Einen Hass habe er zunächst gehabt, erzählt Rudi Mathis, denn er hatte keine Ahnung vom Skifahren. Anfangs musste er Kinder auf einen Hügel bei der Trittkopf-Talstation bringen und sie hinunterfahren lassen. In seiner ersten Saison startete er täglich in Stuben auf der ehemaligen Ross-Strecke auf Skiern mit Fellen, abends fuhr er auf Skiern zurück. Anschließend half er noch im Stall: „Im Frühjahr war ich dann so richtig fit“, erinnert er sich.

Jüngster Skilehrer

Die Begeisterung fürs Skifahren entdeckte er dann eigentlich aus Langeweile: „Früher wurden die Skilifte zu Mittag abgestellt. Ich habe dann am Übungslift ohne Anleitung das Skifahren ausprobiert und bekam immer mehr Mumm.“ In der zweiten Saison war es für den jungen Mann auch einfacher, denn er konnte bei seinem Großonkel, gegen Mithilfe in dessen Sportgeschäft gratis wohnen. Es folgte die Ausbildung zum Skiführer und ein Jahr später zum staatlich geprüften Skilehrer: „Ich war mit 20 Jahren der jüngste Skilehrer in der Skischule. Damals erhielt ich allerdings noch keine Bewilligung, erst mit 21 Jahren durch Volljährigkeit.“ Der Aufstieg gelang schnell: „Im Winter 1953/54 kamen erstmals Studenten der Universitäten Oxford und Cambridge zu Skiwochen nach Zürs. Da wurde ich auch von einem englischen Skiclub angefragt, ob ich die englische Olympia-Mannschaft trainieren wolle. Das hab ich natürlich gerne gemacht.“

Rudi Mathies war durchgehend in der Skischule Zürs beschäftigt. 1961 übernahm er mit der 1a die stärkste Skigruppe: „Das war eine tolle Gruppe mit internationalen Urlaubsgästen.“ Durch seine Beliebtheit kamen seine Gäste stets zurück, so kam es auch zur Gründung einer Privatgruppe. „In den 1960ern kamen viele Kanadier nach Zürs. Ein Gruppenmitglied entsprach vom Können her leider überhaupt nicht, da hab ich gesagt: You Saltsneger go home and learn to ski. Im Jahr darauf kamen alle bestens vorbereitet wieder und brachten ein „Saltsneger“-Abzeichen mit, das zum Markenzeichen der Gruppe wurde. Wir sind dann 36 Wintersaisonen lang gemeinsam gefahren und haben uns auch während des Sommers getroffen.“ Die Freundschaft besteht bis heute. Rudi Mathies ist nach wie vor sehr beliebt.

„Ich erlebe ein großes Echo von jungen Bergführern. Erst kürzlich wurde ich bei den High Zürs Skiguides aufgenommen“, sagt er voller Stolz. BI

„Wenn es irgendwie möglich ist, bin ich mit den Skiern unterwegs.“

Die Familie Mathies hat dieses Bild auch in ihrem privaten Bestand. Dieses Foto ist handschriftlich mit den Namen der damaligen Skilehrer in Zürs beschrieben.Lothar Rübelt
Die Familie Mathies hat dieses Bild auch in ihrem privaten Bestand. Dieses Foto ist handschriftlich mit den Namen der damaligen Skilehrer in Zürs beschrieben.Lothar Rübelt
Ehefrau Marianne hat Rudi Mathies in all den Jahren in sämtlichen Belangen unterstützt.BI
Ehefrau Marianne hat Rudi Mathies in all den Jahren in sämtlichen Belangen unterstützt.BI
In den Anfangszeiten des Tourismus wurden die Gäste mit Pferdeschlitten am Bahnhof Langen abgeholt und damit nach Lech Zürs gebracht.Mathies
In den Anfangszeiten des Tourismus wurden die Gäste mit Pferdeschlitten am Bahnhof Langen abgeholt und damit nach Lech Zürs gebracht.Mathies

Zur Person

RUDI MATHIES

Geboren 14. Jänner 1932

Familie verheiratet, vier Kinder, sechs Enkel, sieben Urenkel

Wohnort Stuben

Beruf Staatlich geprüfter Skilehrer und Skiführer, Bergführer, Mitglied der Lawinenkommission, 1993 erstmals Landesmeisterschaft für Special Olympics in Stuben durchgeführt (gemeinsam mit Sohn Franz-Josef)

Hobby Jagdaufseher