Ein Leben gerettet: Vorarlberger Stammzellenspender Michael trifft Empfänger

Menschen / 18.02.2022 • 11:35 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein Leben gerettet: Vorarlberger Stammzellenspender Michael trifft Empfänger
Stammzellempfänger Povi trifft seinen Spender Michael Loutchan. GFL

Michael Loutchan hat den Empfänger seiner Stammzellen kennengelernt.

LUSTENAU Es kommt eher selten vor, dass Stammzellspender und Stammzellempfänger sich persönlich kennenlernen. Aber das kann möglich gemacht werden, sofern beide den Wunsch haben und es die Bestimmungen der jeweiligen Länder zulassen. Das war so im Fall des 37-jährigen Lustenauers Michael Loutchan, der über den Verein Geben für Leben Stammzellen gespendet und damit ein Menschenleben gerettet hat.

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Wenn seine Partnerin Valentina arbeitet, steht Michael am Herd. HRJ (4)

Michael Loutchan hat sich im November 2018, anlässlich einer vom Verein Geben für Leben bei der Firma Blum durchgeführten Typisierungsaktion, Blut abnehmen lassen. „Es war eine Spontanentscheidung. Und das, obwohl ich Angst vor Spritzen habe“, sagt er und lacht.

Zweieinhalb Jahre vergingen. Im Juni 2019 kam ein Anruf von Cemanur Kartal, Büroleiterin von Geben für Leben. „Sie fragte mich, ob ich Stammzellen spenden möchte, weil meine für einen Leukämiekranken passen würden“, erzählt Michael. „Natürlich wollte ich das tun.“

Dann ging alles schnell: Blutkontrolle beim Hausarzt, Voruntersuchung in der Klinik in Gauting (Deutschland), Aufklärungsgespräch. Der Termin für die Stammzellenentnahme war etwa drei Wochen später beim Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes in München. Michael reiste in Begleitung seiner Eltern am Abend vor dem Eingriff an. Am Morgen darauf, um acht Uhr, wurde er angezapft. Die Entnahmeprozedur dauerte drei Stunden und zehn Minuten. „Danach habe ich eine Pizza gegessen und wir fuhren heim.“

Bei einem Essen mit dem „Geben für Leben“-Team erfuhr Michael, dass der Empfänger ein Mann aus Dänemark ist: „Ich hätte gern gewusst, wie es ihm geht.“ Das ermittelte Susanne Marosch, Obfrau von Geben für Leben und Russ-Preis-Trägerin. Michael wurde mitgeteilt, dass es dem Mann gut geht. Mehr nicht. Ein Datenaustausch zur Kontaktaufnahme erfolgte erst zwei Jahre nach der Stammzellspende. Das ist die Regel. „Gleich beim ersten Mailkontakt schrieb mir Povi ausführlich und bedankte sich x-mal.“ Dem 67 Jahre alten Dänen wurden am 5. Juli 2019 in einem Krankenhaus in Kopenhagen Michaels gesunde Stammzellen transplantiert. „Er hat sie zu 100 Prozent angenommen“, freut sich der Spender. Im Laufe des Mailverkehrs fragte Michael einmal, ob Povi ihn treffen möchte. Die Antwort war, das würde ihm sehr viel bedeuten.

Ende Jänner war es so weit: Michael und Povi verabredeten sich zu einem Mittagessen in Innsbruck. Povi reiste mit seinem Zwillingsbruder und dessen Frau aus Flachau (Salzburg) an, wo sie gerade Ski-Urlaub machten, Michael nahm seine Partnerin und die zwei Kinder mit nach Tirol.

„Unsere Begegnung war sehr emotional. Als Povi ankam, hat er mich gleich umarmt“, erinnert sich Michael sichtlich bewegt. „Ich hatte keinen Augenblick das Gefühl, dass ein fremder Mann vor mir steht.“ Beim Essen bemerkte Povi, die gespendeten Stammzellen müssten sehr gut sein, denn mittlerweile sei er gesund.

Großes Glück

Angespornt, Stammzellen zu spenden, wurde Michael durch Sohn Mattia (7) und Tochter Viola (4): „Sie sind gesund. Das ist ein großes Glück.“ Mit den Kindern und seiner italienischen Partnerin Valentina bewohnt er ein eigenes Haus in Lustenau.

Nachdem beide berufstätig sind, er als Produktionstechniker bei Blum, Valentina als Übersetzerin, versorgen beide abwechselnd Haushalt und Kinder. So bleibt ihm kaum Zeit für seine Hobbys Mountainbiking und Skifahren. Das ist ihm wurscht: „Das Wichtigste ist die Familie.“ HRJ

„Unsere Begegnung war sehr emotional. Als Povi ankam, hat er mich gleich umarmt.“

Spielsachen aufräumen gehört zur Tagesordnung im Haus Loutchan.
Spielsachen aufräumen gehört zur Tagesordnung im Haus Loutchan.
Valentina und Michael sind ein gut eingespieltes Paar.
Valentina und Michael sind ein gut eingespieltes Paar.

Zur Person

Michael Loutchan

Geboren 17. Mai 1984

Beruf Produktionstechniker

Freizeit Mountainbiking, Skifahren

Familie in Partnerschaft mit Valentina, Sohn Mattia (7), Tochter Viola (4)