Der musikalische Fleischliebhaber

Menschen / 08.04.2022 • 14:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der musikalische Fleischliebhaber
Johannes Bischof hat die ehemalige Wohnung seiner Oma zu einem Laden umfunktioniert. VN/Stiplovsek

Johannes “Der Jogi” Bischof steht für Authentizität und bewussten Konsum ein.

Bezau Wer das Geschäft von „Der Jogi“ betritt, tritt mitten in das Leben des Johannes Bischof. Echte Banjo-Klänge als Türöffnungssignal, ein Kühlschrank mit Dosen, auf denen in dezentem Rot der Kopf eines Mannes mit langem Haar und Bart abgebildet ist, antike Möbelstücke und ein Wandbild, auf dem die Muskelgruppen eines Rindes zu sehen sind, das sind nur einige Dinge, die der 36-Jährige in seinem Laden in Bezau platziert hat. Authentizität sei für ihn sehr wichtig, erklärt er. „Und ich stehe halt auch auf altes Zeug.“

Im Geschäft spiegeln sich familiäre Wurzeln, Bewusstsein für Natur und Tier und seine Leidenschaft für die Musik wider. „Das war früher die Wohnung meiner Oma“, berichtet der Bregenzerwälder, während sanfte Country-Klänge aus den Lautsprechern hinter ihm ertönen. Gemeinsam mit Freunden hat er vor einigen Jahren die Räumlichkeiten zu einem Laden umgebaut. In der ehemaligen Küche der Großmutter kocht Johannes Bischof nun unter anderem Chili und Gulasch. Das einstige Schlafzimmer seines Vaters hat er zum sogenannten Zerlegraum umfunktioniert. „Ich mache alles selber. Reifung, Ausbeinen, Zerlegung, bis alles verkaufsfertig ist“, erklärt der Metzgermeister und deutet auf ein Stück Fleisch im Kühlschrank. Verwertet werden alle Teile des Rindes. Zudem gibt es Kochanleitungen vom Chef nicht nur vor Ort, sondern auch als Videos. „Schmäh gepaart mit Fachwissen“, beschreibt der Jungunternehmer die Aufnahmen rund ums Fleisch.

Was das Thema Steaks betrifft, so macht dem Mann mit den braunen Augen, den langen, zusammengebundenen Haaren und dem krausen Bart so schnell keiner was vor. Und das, was er verkaufe, sei alles „Der-Jogi-zertifiziert“. Dabei achtet er penibel auf seinen ökologischen Fußabdruck. „Ich habe seit Jahren kein Fleisch aus der Industrie mehr konsumiert“, sagt er und ein tiefer Seufzer folgt ob seiner Gedanken an Massentierhaltung und Umweltfolgen. Für ihn hat jedes Tier seine Geschichte. So ist er in stetigem Kontakt mit den Bregenzerwälder Bauern, von denen er sein Fleisch bezieht. Wichtig sei ihm, dass die Tiere nur mit Heu und Gras gefüttert werden. So sieht für ihn der Weg zum perfekten Steak aus, das er persönlich am liebsten mit Grillgemüse, einem Glas Wein und im Beisein seiner Freundin genießt.

Während sich Johannes Bischof hobbymäßig schon seit Langem mit der Welt des Fleisches, Kochens bzw. Grillens beschäftigt, hieß es in beruflicher Hinsicht für ihn der Weg ist das Ziel. „Ich bin da eher ein Spätentwickler“, sagt er und schmunzelt. So absolvierte er Ausbildungen zum Elektriker, Installateur, startete nebenberuflich sein Geschäft, erwarb die Gastrokonzession, startete vor einem Jahr in die Selbständigkeit und legte schließlich vor zwei Wochen die Metzgermeisterprüfung ab, wie er berichtet. „Ich habe das gefunden, was mich wirklich freut“, sagt er.

Zum Ausgleich setzt der Bezauer, der gemeinsam mit seinem Kater Leopold direkt über dem Geschäft wohnt, auf die Welt der Musik. Da hört er am liebsten Klänge von John Hiatt und schlägt auch selbst die Saiten der Gitarre. Früher war der Bezauer Teil der Band „Golden Reef“ – heute geht er mit seinem Freund „Prinz Grizzley“ auf Tour. „2018 war ich zweimal mit Christoph in Amerika. Zwei Wälderbuben, die dort Country spielen, das war schon ein Highlight“, sagt er und muss lachen.

Johannes Bischof schlägt die Akkorde auf der Pedal-Steel-Gitarre, einer Mischung aus Gitarre und Zither. Speziell eben, so wie das Türöffnersignal beim Eintritt in die Welt des musikalischen Fleischliebhabers.