Warum Sonja Baldauf aus Doren 13 Ukrainerinnen zur Untermiete hat

Menschen / 25.04.2022 • 05:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Warum Sonja Baldauf aus Doren 13 Ukrainerinnen zur Untermiete hat
Das Handy hilft Sonja Baldauf (61), wo die Sprachbarrieren zu groß werden. Bilder: VN/Steurer

Sonja Baldauf und ihre Schwester stellten der Caritas ihr Elternhaus in Doren für Kriegsvertriebene zur Verfügung.

Doren Nicht weit vom Ortskern steht das Haus der Baldaufs. Ein Kind stellt noch schnell die Schultasche ab, dann geht es gemeinsam mit Schwester und Mutter in den Nahversorger einkaufen. Im oberen Stock sitzen drei Generationen zweier Familien beieinander. Verbunden sind die 13 Frauen und Kinder im oberen Stock des Hauses jedoch nicht über Familienbande, sondern über die Fluchtgeschichte.

Das Haus in Doren ist Sonja Baldaufs tatsächliche und nun auch für 13 Ukrainerinnen die vorübergehende Heimat.
Das Haus in Doren ist Sonja Baldaufs tatsächliche und nun auch für 13 Ukrainerinnen die vorübergehende Heimat.

Bislang nutzten vor allem Sonja Baldauf und ihre Tochter das Elternhaus mit dem großen Garten, wenn sie im Land sind. Sie selbst lebt sonst in Wien, die Tochter in der Schweiz. Der obere Stock war ungenutzt, seitdem die letzten Mieter vergangenes Jahr auszogen, ihre Mutter lebt schon länger bei Schwester Rosa in Innsbruck. Mit dem Kriegsausbruch war für die beiden Schwestern schnell klar, sie wollten ihre Heimat den Kriegsvertriebenen zur Verfügung stellen. “Ich war schon soweit, dass ich in Wien schaute, welches Zimmer könnte ich hergeben”, erinnert sich Baldauf. Ihre Schwester Rosi wandte sich an die Caritas, diese nahm das Angebot in Doren an.

Drei Generationen fanden in Doren Unterschlupf.
Drei Generationen fanden in Doren Unterschlupf.

Baldaufs mussten nur ihre persönlichen Gegenstände aus den Räumen entfernen. “In jedem Zimmer war ja unsere Geschichte drinnen”, erklärt die 61-Jährige. Die ist nun auf dem Dachboden. Quasi nur die Betten blieben in den Zimmern. Große Unterstützung erfuhren Baldaufs auch von den Nachbarn. Diese halfen mit einem Bett, Spielsachen bis hin zu Verbandskasten mit allem aus, was hilfreich erschien. Mitte Februar kamen die erste Familien in Doren an. Ihre Geschichten bewegen die Unternehmerin. “Eine Familie kommt direkt von der russischen Grenze. Ihr Bus wurde beschossen, als sie flohen”, berichtet sie über die Erlebnisse ihrer Schützlinge.

Im Garten haben die Gäste ihren eigenen eingezäunten Bereich - ebenfalls aus Sicherheitsgründen.
Im Garten haben die Gäste ihren eigenen eingezäunten Bereich - ebenfalls aus Sicherheitsgründen.

Insgesamt ist Baldauf voll des Lobes für die Caritas. “Die machen alles super”, betont die Unternehmerin. Die Caritas sorgte für neue Matrazen, Kühlschrank, Herd und auch dafür, dass alles für die Kinder so sicher wie möglich wird. Die Caritas zäunte auch einen Teil des Gartens für die Ukrainer ab, nicht dass ein Kind beim Teich spielt. “Da kamen Fachleute, die nicht pfuschten und unsere Ansprüche auch respektierten”, freut sich Baldauf. Selbst für neue Schlösser sorgte sie, so dass jeder einen eigenen Schlüssel hat. Und auch der Mietvertrag ist schnell und leicht kündbar für beide Seiten.

Sonja Baldauf fertigte außerdem neue Vorhänge für ihre Untermieter an.
Sonja Baldauf fertigte außerdem neue Vorhänge für ihre Untermieter an.

Auch ansonsten ist die Caritas die hauptsächliche Ansprechstelle der neuen Untermieter. Sie haben auch Verwandte im Land, die nach Möglichkeit dazuschauen. Denn die Kommunikation ist die einzige Herausforderung. Baldauf kann kein Russisch, ihre Untermieter weder Deutsch noch Englisch. Meist hilft der Übersetzer am Handy, um die Anfangsprobleme aus dem Weg zu räumen. Die Mülltrennung lebt man in der Ukraine anders als in Vorarlberg, weiß Baldauf nun.

Baldauf ist nicht blind für die Herausforderungen, denen sich die Ukrainerinnen stellen müssen. Da sie die Sprache nicht können, ist Arbeiten schwierig. “Sie sind immer am Handy und informieren sich über die Lage in ihren Gemeinden”, fällt der Dorenerin auf. “Die warten, dass es dort wieder gut wird. Sie wollen doch auch wieder nach Hause können.”