Karrieren, Kurioses und viel Nagellack

Menschen / 09.05.2022 • 21:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jo Gerner (Wolfgang Bahro), der derzeit bekannteste GZSZ-Protagonist, ist schon seit 1993 dabei. RTL/Pascal Bünning
Jo Gerner (Wolfgang Bahro), der derzeit bekannteste GZSZ-Protagonist, ist schon seit 1993 dabei. RTL/Pascal Bünning

Die RTL-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ wird am 11. Mai 30 Jahre alt und feiert in Spielfilmlänge.

Köln „Vergiss es, das ist nichts für mich.“ Das sagte Schauspieler Wolfgang Bahro im Jahr 1993 wenige Monate nach dem Start über die neue RTL-Serie namens „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Jetzt feiert die täglich ausgestrahlte Vorabendserie ihren 30. Geburtstag – mit einer Jubiläumsfolge in Spielfilmlänge am Donnerstag (12. Mai, 19.40 Uhr). Ein Überblick über Karrieren, Kurioses – und Nagellack-Verschleiß am Set.

TV-Erfahrung sammeln

„GZSZ „-Urgestein Wolfgang Bahro schwänzte damals fast das Casting. Als der Schauspieler angefragt wurde, wollte er gar nicht zu „GZSZ“. „Es gab am Set in der Mehrheit sehr viele gut aussehende Models, die aber alle nicht schauspielern konnten. Das war eher Laientheater. Auch am Set sah es anders aus als heute: Wenn man die Tür zuschlug, wackelte die ganze Dekoration“, erinnert sich Bahro im dpa-Interview. Schnell sagte er seiner Agentin: „Vergiss es, das ist nichts für mich.“ Die überredete ihn aber zum Casting. Als er danach das Weite suchen wollte, stand schon der Produzent vor ihm – mit einem Paar Schuhe für die Rolle des „charmanten Schlitzohrs“ Jo Gerner. Bahro hörte auf seine Agentin, die ihm zur Zusage riet, um TV-Erfahrungen zu sammeln. Nach zwei Monaten könne er immer noch aufhören. Der Rest ist bekannt: Seit dem 1. Februar 1993 (Folge 185) ist der 61-Jährige als Gerner zu sehen. Seine Rolle ist mittlerweile eine Serienlegende.

Prominente Gastauftritte

Beim Gastauftritt von Gerhard Schröder gab es einen Zuschauer-Rekord. Am 22. Juni 1998 schauten 6,73 Millionen Menschen die 1500. Folge – das war damals Rekord! Weitere prominente „GZSZ“-Gäste waren unter anderen Thomas Gottschalk, Hape Kerkeling und eine Band, die 1994 durch ihren Auftritt sogar einen Hype auslöste: die niederländische Boygroup „Caught in the Act“ („Love is Everywhere“). Die beste Einschaltquote fuhr „GZSZ“ am 24. Juni 2002 mit Folge 2500 ein, 7,14 Millionen sahen zu.

„GZSZ „-Stars sangen 1998 und 2003 die meistverkauften Hits des Jahres. Ende der 90er wurde „GZSZ“ zur gefeierten Jugendserie, die Schauspieler sammelten Bravo Ottos und wurden zu Teeniestars, die plötzlich sogar Lieder rausbrachten. „Mir war das fast peinlich, dass das so ein Schema wurde“, erinnert sich Bahro. Aber die Hits stürmten die Charts. Oliver Petszokat („Oli P.“) landete gleich zwei Nummer-eins-Hits, seine Debüt-Single „Flugzeuge im Bauch“ war nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) die am meisten verkaufte deutschsprachige Single 1998. Auch Jeanette Biedermann und Yvonne Catterfeld starteten durch „GZSZ“ als Sängerinnen durch. Catterfelds Nummer-eins-Hit „Für dich“ war 2003 ebenfalls die meistverkaufte deutschsprachige Single des Jahres.

25.800 Kostümteile

Einem RTL-Sprecher zufolge stehen am Set in Potsdam insgesamt 25.800 Kostümteile zur Verfügung, darunter 480 Paar Schuhe, davon 400 Paar Damenschuhe. Auch in der Maske gibt es einen Verschleiß. Dort werden an den Drehtagen, die übrigens größtenteils zwischen 7 Uhr und 18.45 Uhr stattfinden, jährlich durchschnittlich 8000 Wattestäbchen und 23 Kilo Dreckpuder verbraucht, ein bis zwei Liter Kunstblut, sechs Liter Nagellack und zehn Liter Nagellackentferner.

Jo Gerners Ausstiegsstory steht schon – zumindest in Bahros Kopf. RTL kündigt an, dass es in der Jubiläumsfolge für Gerner einige „lebensgefährliche Situationen“ zu überstehen gilt. Ein Serientod wäre aber nicht nach Bahros Geschmack. „Ich würde mir beim Ausstieg wünschen, dass Gerner mit seiner Jacht in Richtung Sonnenuntergang fährt. Dann explodiert die Jacht, man sieht aus dem Meer ein Periskop herauskommen und weiß, dass Gerner mit einem U-Boot die Flucht gelungen ist. Da denkt sich der Zuschauer dann: ‚Er hat es also wieder geschafft. . .‘.“