Vom Mordopfer zur Ermittlerin

Menschen / 13.05.2022 • 16:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Mein Weg war eher langsam. Wichtig war, immer dranzubleiben, bis ich dort bin, wo ich hin wollte.“ Hier eine Szene aus „Was hat uns bloß so ruiniert“.
„Mein Weg war eher langsam. Wichtig war, immer dranzubleiben, bis ich dort bin, wo ich hin wollte.“ Hier eine Szene aus „Was hat uns bloß so ruiniert“.

Vielleicht fühlt es sich so an, doch im falschen Film ist Julia Koch bestimmt nicht.

Wien „Ich bin ohne Fernseher aufgewachsen. Das könnte auch ein Grund sein, warum ich, seit ich denken kann, Schauspielerin werden wollte.“ Julia Koch ist in Altach groß geworden und war schon als Kind viel „unterwegs“. „Ich war ständig draußen. Wir spielten Völkerball, Verstecken oder waren im Rhein baden. Wenn ich dann doch mal vor einem Fernseher saß, hat mich das, was ich da zu sehen bekam, neugierig gemacht.“ Mit 6 Jahren nahm Tante Ingrid sie mit nach Zürich. Das Musical Cats stand auf dem Programm. „Ich war fasziniert und bin nach der Vorstellung in der Hoffnung sitzen geblieben, die kommen nochmal raus.“ Beim Krippenspiel im Kindergarten gab sie die Maria, beim Theater-Casting in der Volksschule wollte sie unbedingt die Hauptrolle. Die Vorstellung, Schauspielerin zu werden, blieb jedoch einige Jahre ein heimlicher Wunsch. Erst mit dem Umzug nach Wien wurde ihr Traum konkreter.

Schritt für Schritt

Nach ihrer Ausbildung an der Akademie spielte Koch erste Hauptrollen in der Wiener Off-Theater-Szene, machte Werbung und sprach Sprechrollen. Dann wollte sie zum Film. „Ich wusste aber nicht wie und habe mich nicht wirklich getraut.“ 2010 zog sie für ein halbes Jahr nach Los Angeles und holte sich neben weiterem Schauspielunterricht, was sie dafür brauchte. „Dort habe ich gelernt, wie dieses Business funktioniert.“ Zurück in Wien setzte Koch Schritt für Schritt um, was sie gelernt hatte. 2010 bekam sie die erste Rolle beim Film, weitere folgten. „Zuerst war ich das Mordopfer, dann die Verdächtige, danach die Mörderin und jetzt die Ermittlerin.“ 2020 spielte Koch im Vorarlberger Landkrimi „Das letzte Problem“ ihre bisher größte Rolle neben Karl Markovics. Seit Mai dreht sie mit ihm die Forstsetzung der ORF-ARTE-Koproduktion. Diesmal als weibliche Hauptrolle. Diese hat Markovics als Drehbuchautor und Regisseur für sie geschrieben. „Davon hätte ich nicht zu träumen gewagt. Obwohl – eigentlich habe ich genau davon immer geträumt. Es ist ziemlich verrückt.“

An ihrem Beruf reizt sie das Experiment. „Als Darstellerin verkörpere ich Menschen, die ich nicht bin, lebe das Leben von anderen, lasse dabei aber immer Teile meiner eigenen Identität einfließen. Es ist aufregend zu erfahren, wer und was man alles ist.“ In ihrer Freizeit ist sie auch Schreibende. Worte inspirieren sie nicht nur als Schauspielerin. „Ich steh’ auf Sprache. Schreiben ist eine weitere Leidenschaft.“ Als Darstellerin und Schreibende entdeckt sie sich immer neu. „Ich bin sehr glücklich über die konstante Veränderung und Entwicklung und schätze den Luxus der Freiheit, die damit einhergeht.“ TON

„Zuerst war ich Mordopfer, dann Verdächtige, danach Mörderin und jetzt Ermittlerin.“

Am Set von „Aufnahmen einer Wetterkamera”.
Am Set von „Aufnahmen einer Wetterkamera”.
Ein Schritt nach dem anderen: Kinorollen sind ein weiteres Ziel.
Ein Schritt nach dem anderen: Kinorollen sind ein weiteres Ziel.
„Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der ich nicht den Wunsch hatte, Schauspielerin zu werden.“Marcus Josef Weiss
„Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der ich nicht den Wunsch hatte, Schauspielerin zu werden.“Marcus Josef Weiss
Am Set von „Roads Not Taken“.
Am Set von „Roads Not Taken“.
Für den kommenden Vorarlberger Landkrimi dreht Koch derzeit in Vorarlberg. PETER WINDHOFER
Für den kommenden Vorarlberger Landkrimi dreht Koch derzeit in Vorarlberg. PETER WINDHOFER

Zur Person

Julia Koch

Geboren in Höchst, 42 Jahre

Wohnort Wien

Ausbildung Open Acting Academy – Konservatorium für Schauspiel

Beruf Schauspielerin

Kontakt www.juliakoch.at