Meister des Dampfs

Menschen / 21.06.2022 • 17:20 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ernst Cavegn ist Lokführer und Bahnbetriebsleiter der Bregenzerwälder Museumsbahn.
Ernst Cavegn ist Lokführer und Bahnbetriebsleiter der Bregenzerwälder Museumsbahn.

Ernst Cavegn gehört zum Wälderbähnle wie der Topf zum Deckel.

Bezau Die Brandnarben an seinem rechten Arm sind sowas wie sein Kennzeichen. Ernst Cavegn selbst nennt sie Liebesküsse, die er unabsichtlich in den Kabinen der Dampfloks des Wälderbähnles mit den Heizkesseln ausgetauscht hat. „An den Narben sieht man auch, wer der Lokführer und wer der Heizer ist“, sagt der bald 61-Jährige, während er wie zum Beweis die Ärmel hochkrempelt.

Der Name Cavegn und das Wälderbähnle gehören zusammen wie der Topf und der Deckel. Das hat auch seine spätere Frau Gisella schon beim ersten Rendezvous erfahren: „Ich habe ihr gesagt, mich gibt es nur mit der Bahn“, erzählt der Reuthener und grinst. Inzwischen hilft seine große Liebe beim Verein mit und sorgt für Sauberkeit. „So etwas funktioniert nur gemeinsam“, ist er sich im Hinblick auf das nostalgische Hobby sicher.

Für Nachwelt erhalten

„Um das Ganze hier zu machen und so viele Stunden zu investieren, muss man aber schon ein bisschen verrückt sein“, sagt er und grinst. Auf eine Stellenanzeige mit Betreff „Dampflokomotivführer gesucht“ würde sich heutzutage vermutlich keiner mehr melden. Für Cavegn geht es darum, Dinge für die Nachwelt zu erhalten. Dafür investiert er seit Jahren den Großteil seiner Freizeit. Privat schraubt er auch gerne an Autos herum und hat sich seinen Traum vom Oldtimer erfüllt. Fünf Jahre lang hat er für die Restauration benötigt. Für die Pension hat er sich schon ein nächstes Projekt vorgenommen und vom Schrottplatz einen sogenannten Lastenpüffel „gerettet“, der früher bei Bahnhöfen zum Gütertransport eingesetzt wurde. „Solche Fahrzeuge müssen erlebt werden“, meint er und deutet mit der Hand in Richtung Dampflokomotive, mit der er soeben unterwegs war. An diesem Vormittag steigt weißer Rauch aus dem Schornstein der Lok auf. „Wenn es kälter ist und regnet, werden die Päpste gewählt“, scherzt er im Hinblick auf die Luftfeuchtigkeit und deren Einfluss auf die Farbe des Rauchs.

Geerbt hat Cavegn das Eisenbahn-Gen von seinem Vater, der Museumsbahn-Vereinsmitglied der ersten Stunde war. „Mein Bruder und ich haben früher immer mitgeholfen“, erzählt der Nostalgie-Liebhaber. Er selbst absolvierte im Lauf der Zeit Ausbildungen zum Heizer, Dampf- und Diesellokführer und legte im Vorjahr in Linz die Prüfung zum Betriebsleiter für Anschluss- und Nebenbahnen ab. Jetzt blickt er auf einen jahrelangen Erfahrungsschatz zurück, ist Bahnbetriebsleiter und für die Werkstätte zuständig. Das Spiel Wasser, Druck, Feuer ist sein Metier. „Ich höre auch am Gestänge oder Auspuffschlag, ob es ein Problem gibt“, erläutert er die Verbindung zwischen Mensch und Maschine. „Wenn ich etwas tue, dann zu hundert Prozent“, sagt der Lokführer. So hat er sich beruflich in seiner Firma vom Hilfsarbeiter zum Bereichsleiter hochgearbeitet, hat Bass-Gitarre gelernt, war einst mit einer Band auf Tour, hat vom Hobby-Billardspieler zum Nationalschiedsrichter avanciert.

„Ja, ich könnte einige Bücher füllen“, ist sich der Mann mit dem grauen Bart sicher. So auch vom Tag, als Hochwasser im Mai 2000 die Sporeneggbrücke zum Einsturz brachte und der Verein vor dem Ende stand. „Das war furchtbar“, blickt er zurück und sein Gesichtsausdruck wirkt kurz wie erstarrt. Lieber spricht er über Tage, an denen restaurierte Maschinen erstmals aus der Remise rollen und Kinder und deren Eltern den Museumsbahn-Akteuren ein Lächeln schenken. „Das bedeutet, dass die Arbeit nicht umsonst war.“ Für ihn ist das der größte Dank. vn-mef

„Solche Fahrzeuge müssen erlebt werden. Das ist dann ein ganz anderes Gefühl.“

Der Reuthener heizt dem Wälderbähnle zwischendurch auch ordentlich ein.
Der Reuthener heizt dem Wälderbähnle zwischendurch auch ordentlich ein.
Fahrzeuge zu restaurieren zählt ebenso zu den Hobbys des Bregenzerwälders.
Fahrzeuge zu restaurieren zählt ebenso zu den Hobbys des Bregenzerwälders.
Die Bregenzerwälder Museumsbahn ist für Ernst Cavegn ein wichtiger Lebensinhalt.
Die Bregenzerwälder Museumsbahn ist für Ernst Cavegn ein wichtiger Lebensinhalt.

Zur Person

Ernst Cavegn

ist Bahnbetriebsleiter und Lokführer bei der Bregenzerwälder Museumsbahn.

alter 60

Familie verheiratet mit Gisella

Wohnort Reuthe

Hobbies Oldtimer, Eisenbahn

Motto Ned lug lo

Im September lädt der Museumsbahn-Verein anlässlich des 120-Jahr-Jubiläums zu einem „Tag im Rhythmus der alten Zeit“. Infos unter www.waelderbaehnle.at.