“Ich hatte Vorbehalte gegen Castingshows”

Menschen / 17.08.2022 • 21:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Peter Maffay zu seinem Debüt bei “The Voice of Germany“.

Tutzing Er hat zig Millionen Platten verkauft und mit Liedern wie „Und es war Sommer“ oder „Über sieben Brücken musst du gehen“ Hits für die Ewigkeit gesungen: Peter Maffay gehört zu Deutschlands erfolgreichsten Sängern. Jetzt steigt der 72-Jährige als Juror und Coach bei der Castingshow „The Voice of Germany“ ein und sucht gemeinsam mit Rea Garvey, Stefanie Kloß und Mark Forster nach Gesangstalenten.

 

Herr Maffay, Sie sind neuer Juror in „The Voice of Germany“ – hatten Sie denn gar keine Vorbehalte gegen Castingshows?

Maffay Und ob ich die hatte! Ich habe mir vor etlichen Jahren Castingshows angeguckt und das ging damals in eine Richtung, die ich  nicht gut fand. Weil ich danach alle Castingshows in einen Topf geworfen habe, war „The Voice“ für mich zunächst kein Thema, aber mein Umfeld hat mich zum Glück davon überzeugt, dass die Dinge dort anders laufen und die Künstler den Respekt bekommen, der ihnen gebührt.

 

Wenn Sie heute jung wären, würden Sie an einer Castingshow teilnehmen?

Maffay Als ich damals anfing, gab es ja nichts Vergleichbares. Es wäre auf jeden Fall eine Möglichkeit, die ich ernst nehmen würde. Die Quintessenz ist ja die: Dieses Format hat zwar nur einen Gewinner. Aber auch wer bei „The Voice“ ausscheidet, ist ein Gewinner, weil er die Möglichkeit hat, sich einem großen Publikum zu präsentieren. Viele, die in den vergangenen Staffeln früh ausgeschieden sind, haben ihren Weg trotzdem gemacht und sind heute etablierte Künstler.

 

Ihre großen Hits kann jeder mitsingen, der schon ein gewisses Alter hat. Kennen die jungen Teilnehmer der Show diese Lieder auch?   

Maffay Es gibt ein paar Dinge, die selbst junge Leute mit mir verbinden, mehr als ich dachte. Bei den Aufzeichnungen kamen viele Künstler mit 22, 23 Jahren zu mir und sagten: „Ich bin mit Tabaluga groß geworden.“ Klar kennen diese Leute das Repertoire, das ich in 50 Jahren angehäuft habe, nicht im Detail. Aber die kennen „Eiszeit“, „Sonne in der Nacht“ und auf jeden Fall „Sieben Brücken“, das kam immer wieder.

 

Sind Sie nur bei der aktuellen Staffel als Juror bei „The Voice“ dabei oder auch in Zukunft?

Maffay Ich glaube, dass ich die Einladung zu einer weiteren Staffel ablehnen würde. Es macht mir sehr viel Spaß, aber ich habe für nächstes Jahr und die Zeit danach andere Dinge vor. Das Jubiläum 40 Jahre „Tabaluga“ wird 2023 mein Schwerpunkt sein.

 

Dieser Tage veröffentlichen Sie gemeinsam mit Ihrer Partnerin Hendrikje Balsmeyer ja auch Ihr zweites Vorlesebuch für Kinder.

Maffay Unsere kleine Tochter Anouk wollte nie gerne ins Bett. Hendrikje ist auf die Idee gekommen, ihr Geschichten zu erzählen, um ihre Bereitschaft, schlafen zu gehen zu erhöhen. Das sollte eigentlich ein Buch nur für Anouk werden, dann fanden aber Freunde wir sollten sie auch anderen Kindern zugänglich machen. Das erste Buch ist sehr gut angekommen, deshalb gibt es jetzt ein zweites.

 

Sie machen sich auch sehr für benachteiligte Kinder stark, zum Beispiel mit der Peter-Maffay-Stiftung. Liegt es an Ihrer eigenen schweren Kindheit in Rumänien, dass Ihnen die Jugend so am Herzen liegt?

Maffay Das vermute ich stark. Ich bin in einem totalitären Regime aufgewachsen und habe erlebt, wie Repression ausgeübt wurde, mein Vater wurde gefoltert. Im Alter von 14 Jahren bin ich dann innerhalb von zwei Stunden in einer anderen Welt gelandet, nämlich in Deutschland, einem Land, wo man sich frei bewegen konnte, seine Meinung äußern konnte. Für mich ist es wichtig, nicht zu vergessen, woher ich komme, und deshalb nutze ich meine Möglichkeiten gerne, um Menschen zu helfen, die Hilfestellung brauchen. ski

„Das Jubiläum 40 Jahre „Tabaluga“ wird 2023 mein Schwerpunkt sein.“