Thronnachfolge auf den Schultern der Tradition

Menschen / 07.09.2022 • 22:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der japanische Prinz Hisahito.
              
              Imperial Household Agency of Japan/REUTERS

Der japanische Prinz Hisahito.

Imperial Household Agency of Japan/REUTERS

Er gilt als Retter des Chrysanthementhrons in Japan: Prinz Hisahito ist als Neffe des Kaisers Thronfolger.

Die über 2270 Jahre alte Kaiserdynastie in Japan kann nur mit einem männlichen Thronfolger überleben. Daher muss sich die zukünftige Braut des japanischen Kronprinzen vor der Heirat einem Gesundheitstest unterziehen, ob sie auch den nötigen Thronfolger gebären kann. Unter diesen Voraussetzungen bekommen die junge Diplomatin Masako Owada und Japans Thronfolger Naruhito schließlich im Mai 1992 vom Kaiserlichen Hofrat die offizielle Heiratserlaubnis.

Am 9. Juni 1993 geben sich Masako und Naruhito das Jawort. Das Kronprinzenpaar wird am 1. Dezember 2001 zum ersten Mal Eltern. Es ist eine Tochter: Aiko.

Trotz dieses freudigen Umstands lastet auf Masako weiterhin eine hohe Erwartungshaltung seitens des Kaiserlichen Hofamts, einen Sohn zur Welt zu bringen, der eines Tages Thronfolger werden könnte. Wäre Aiko ein Sohn, wäre für die Mutter das Leben um einiges einfacher. So aber ist ihr Bauch zu einer Staatsangelegenheit verkommen: Wölbt er sich, wölbt er sich nicht? Doch da regt sich nichts, höchstens Masakos Gemüt. Ihr schlägt der Druck, endlich einen Sohn zu gebären, schwer auf die Psyche.

Doch dann sorgt der jüngere Bruder des Thronfolgers für einen männlichen Nachkommen. Prinzessin Kiko bringt am 6. September 2006 nach zwei Töchtern Sohn Hisahito zur Welt, der einmal den Chrysanthemen-Thron erklimmen wird. Kein leichtes Los für Hisahito, denn weit und breit ist kein weiterer männlicher Nachkomme in Sicht.

Eine Verfassungsänderung zugunsten von Mädchen wurde schon zwei Mal vom Tisch gewischt.

Für König Carl XVI. Gustav von Schweden war das Thronfolgegesetz, das nach der Geburt seiner Erstgeborenen Victoria verabschiedet worden war, eine schlechte Idee. Meinte er damals lapidar: Für Mädchen sei der Job zu schwer.

Das widerlegt seit 1952 die dienstälteste europäische Monarchin, Queen Elizabeth II.: „Königin zu sein, ist ein Job fürs Leben.“

„Kein leichtes Los für Hisahito, denn es ist kein weiterer männlicher Nachkomme in Sicht.“

Lisbeth Bischoff ist Adelsexpertin und lebt in Dornbirn