Schottland nimmt Abschied

Menschen / 12.09.2022 • 22:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
König Charles III. und seine Geschwister begleiteten den Sarg. AP
König Charles III. und seine Geschwister begleiteten den Sarg. AP

Tausende Menschen begleiteten den Trauerzug mit dem Sarg der verstorbenen Königin.

edinburgh Bevor die gestorbene Queen heute von Edinburgh nach London übergeführt werden soll, haben gestern Tausende Schotten bei einem Trauerzug Abschied von Königin Elizabeth II. genommen. König Charles III. führte in der Altstadt der schottischen Hauptstadt zu Fuß eine Prozession mit dem Sarg an. Am Morgen hatte der neue Monarch in London Beileidsbekundungen der Parlamentarier von Unter- und Oberhaus entgegengenommen. Enkel Prinz Harry würdigte die Queen erneut als Vorbild für Pflichterfüllung.

Prozession bei Sonnenschein

Während am Sonntagabend noch heftiger Regen in Edinburgh niederging, schien am Montag die Sonne. Tausende Schottinnen und Schotten säumten den Weg, als neben Charles (73) hinter dem Leichenwagen auch seine Geschwister Prinzessin Anne (72), Prinz Andrew (62) und Prinz Edward (58) schritten. Die Prozession führte von der königlichen Residenz, Palace of Holyroodhouse, zur gut einen Kilometer entfernten St.-Giles-Kathedrale, in der ein Gottesdienst stattfand. Der geschlossene Sarg sollte dort für rund 24 Stunden aufgebahrt bleiben, damit die Bevölkerung weiter Abschied nehmen kann.

Der in die royale Standarte eingehüllte Sarg war von acht Kilt tragenden Soldaten zum Leichenwagen gebracht worden. Ein Dudelsackpfeifer spielte zu Beginn, bevor die Nationalhymne erklang. Eine Garde geleitete den im Schritttempo fahrenden Wagen bis zum Ziel. Während der weitgehend stummen Prozession wurden immer wieder Kanonenschüsse zu Ehren der toten Monarchin abgefeuert.

Prinz Andrew trug als einziges der Queen-Kinder keine militärische Uniform. Die Queen hatte ihm Anfang des Jahres wegen der Verwicklung in den Missbrauchsskandal um den gestorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein alle militärischen Dienstgrade aberkannt. 

Charles und seine Frau, Königin Camilla, wurden mit Beifall empfangen, als sie Montagnachmittag mit ihrem Wagen in der Innenstadt von Edinburgh eintrafen. Tausende Menschen hatten sich schon seit den Morgenstunden entlang der zentralen Straße Royal Mile eingefunden.

Überführung des Leichnams

Charles‘ Reise nach Schottland, bei der er auch die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon empfangen und im Parlament Beileidsbekundungen entgegennehmen will, ist Teil der „Operation Spring Tide“, die Besuche von Charles als neuem König in allen vier britischen Landesteilen vorsieht. Heute ist Nordirland an der Reihe, auch ein Besuch in Wales ist geplant.

Für  heute Abend ist die Überführung des Leichnams der Queen per Flieger nach London geplant, wo die Verstorbene für mehrere Tage aufgebahrt werden soll.

Am Mittwoch führt Charles auch dort einen Leichenzug an, der vom Buckingham-Palast zum Parlament führen soll. Dort wird der Sarg auf einem als Katafalk bezeichneten Gerüst in der Westminster Hall ab 17 Uhr (Ortszeit) aufgebahrt. Zur Totenwache werden Hunderttausende Menschen erwartet. Ein konservativer Abgeordneter sprach am Montag sogar von bis zu zwei Millionen Menschen.

Bis zum Tag des Staatsbegräbnisses hat die Bevölkerung die Möglichkeit, der Queen einen letzten Besuch abzustatten und sich zu verabschieden. Das Staatsbegräbnis, ist für Montag, den 19. September, angesetzt. Die Briten erhalten dafür einen Extra-Feiertag. Bis dahin gilt Staatstrauer, offizielle Veranstaltungen und der parlamentarische Betrieb sind ausgesetzt.

Der Sarg mit Königin Elizabeth II. wird in die St. Giles Kathedrale getragen. AFP
Der Sarg mit Königin Elizabeth II. wird in die St. Giles Kathedrale getragen. AFP
König Charles III. und Camilla gestern in der Westminster Hall, wo sie Beileidsbekundungen des britischen Parlaments entgegennahmen. AP
König Charles III. und Camilla gestern in der Westminster Hall, wo sie Beileidsbekundungen des britischen Parlaments entgegennahmen. AP
Viele Tausende Schotten nahmen Anteil, als die Trauerprozession an ihnen vorbeizog. ap
Viele Tausende Schotten nahmen Anteil, als die Trauerprozession an ihnen vorbeizog. ap