Große Aufgaben für neuen König

Menschen / 20.09.2022 • 22:01 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eines der letzten gemeinsamen Fotos: König Charles III. mit Camilla und Queen Elizabeth II. beim Thronjubiläum. ap, afp
Eines der letzten gemeinsamen Fotos: König Charles III. mit Camilla und Queen Elizabeth II. beim Thronjubiläum. ap, afp

Charles III. steht vor vielen Herausforderungen. Datum für die Krönung steht noch aus.

London Nach dem Staatsbegräbnis für die Queen mit eigens ausgerufenem Feiertag ist für die meisten Briten am Dienstag wieder Alltag eingekehrt. Für die Königsfamilie gilt hingegen noch eine siebentägige Trauerperiode. König Charles III. flog am Dienstagmittag von einem Militärflughafen in London aus nach Aberdeen, wie der Sender Sky News berichtete. Wie seine am 8. September gestorbene Mutter ist auch der 73-Jährige dafür bekannt, gerne Zeit in dem nördlichsten britischen Landesteil zu verbringen. Anders als in der vergangenen Woche sollen die kommenden Tage für privateres Trauern und ruhigere Momente genutzt werden. Öffentliche Termine sind nicht geplant.

Doch trotz Trauerbeflaggung dürfte hinter den Palastmauern bereits emsig an Plänen für die Zukunft geschmiedet werden – etwa wegen Vorbereitungen für die Krönung des neuen Königs Charles III. und seiner Königsgemahlin Camilla. Der in royalen Dingen stets gut informierte “Telegraph” geht davon aus, dass die Krönung im nächsten Frühjahr oder Sommer stattfinden wird. Die Zeremonie werde wohl in einem sehr viel kleineren Rahmen gehalten als die Krönung seiner Mutter Elizabeth II. im Jahr 1953, so das Blatt. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass Charles die Monarchie verschlanken und den Fokus auf wenige Mitglieder an der Spitze der Königsfamilie reduzieren will.

“Dem Land eine Pause gönnen”

Die britische Kulturministerin Michelle Donelan dämpfte am Dienstag jedoch erst einmal die Hoffnungen auf ein weiteres royales Großereignis in allzu naher Zukunft. Die Staatstrauer nach dem Tod der Königin sei eben erst beendet worden, sagte sie dem Sender LBC. “Wir wollen dem Land eine Pause gönnen.” Vorläufigen Schätzungen der Regierung zufolge kamen etwa 250.000 Menschen ins Parlament, um am Sarg der Queen Abschied zu nehmen. Das wären weniger als zunächst erwartet wurden. Elizabeths Vater König George VI. hatten 1952 nach seinem Tod etwa 300.000 Menschen ihren Respekt gezollt.

Auch Geld dürfte bei den Plänen für die Krönung eine Rolle spielen. Angesichts erheblich gestiegener Energiepreise und einer Inflationsrate im zweistelligen Bereich dürfte der Palast darauf aus sein, die Kosten gering zu halten. Bereits an den üppigen Trauermärschen zum Tod der Queen hatte es vereinzelt Kritik gegeben. Allein die Kosten für den Polizeieinsatz während der elftägigen Trauerfeierlichkeiten dürften enorm gewesen sein.

Auf Charles warten noch ganz andere Herausforderungen. So dürfte auch der Kurs der Premierministerin Liz Truss in Sachen Klima- und Umweltschutz den König vor ein Dilemma stellen. Truss wettert offen gegen Solaranlagen, während sie die Atomkraft und das umstrittene Fracking preist. Charles, der sich seit langem für den Schutz von Umwelt und Klima stark macht, dürfte das nicht gefallen.

Eine weitere Baustelle hat Charles in der Familie. Trotz warmer Worte und gemeinsamer Auftritte scheint der Streit mit seinem Sohn Prinz Harry (38) und Herzogin Meghan keineswegs beigelegt. Harry hat zudem für dieses Jahr die Veröffentlichung seiner Memoiren angekündigt, die für neuen Zündstoff sorgen dürften.

Charles III. hat die längste Wartezeit auf den Thron in der britischen Geschichte hinter sich.
Charles III. hat die längste Wartezeit auf den Thron in der britischen Geschichte hinter sich.
Der damals vierjährige Charles (l.) mit seiner Mutter Queen Elizabeth II., seiner Schwester Prinzessin Anne und Prinz Philip.
Der damals vierjährige Charles (l.) mit seiner Mutter Queen Elizabeth II., seiner Schwester Prinzessin Anne und Prinz Philip.
Schon während seiner ersten Tage als neuer König wurde der 73-Jährige von den Briten bejubelt.
Schon während seiner ersten Tage als neuer König wurde der 73-Jährige von den Briten bejubelt.
König Charles III. kämpfte beim Begräbnis seiner Mutter mit den Tränen.
König Charles III. kämpfte beim Begräbnis seiner Mutter mit den Tränen.