„Viel arbeiten hält jung“

Menschen / 23.09.2022 • 16:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Franz Josef Huber ist seit 30 Jahren für das Archiv von F. M. Hämmerle verantwortlich.
Franz Josef Huber ist seit 30 Jahren für das Archiv von F. M. Hämmerle verantwortlich.

Franz Josef Huber (95) ist seit 81 Jahren bei F.M. Hämmerle beschäftigt.

Dornbirn Es sind alte Urkunden, Verträge, Pläne und jede Menge Kopierbücher, die sich in den Archivräumen der F.M. Hämmerle Holding in Dornbirn stapeln. Teilweise sind sie mehr als 100 Jahre alt und wurden einst zur Aufbewahrung gesammelt und dann weggelegt. Für das alteingesessene Unternehmen sind die Dokumente jedoch von großer historischer Bedeutung und es wäre viel zu schade, sie dem Verfall oder gar der Vernichtung preiszugeben. Dass dem nicht so ist, dafür sorgt Franz Josef Huber. Wie eine ordnende Hand wühlt er sich durch das Konvolut an Papier, bewertet, sortiert, geht Beleg für Beleg akribisch durch. „Die Firma ist mein Leben“, sagt er und meint damit nicht nur seine Arbeit als Archivar, die er inzwischen schon 30 Jahre ausübt, sondern auch die als Leiter der Elektrotechnik-Abteilung. Zusammengezählt kommt er auf inzwischen 81 Jahre, die er bei F. M. Hämmerle beschäftigt ist.

Seit 70 Jahren verheiratet

2021 erhielt er eine Urkunde zu seinem 80-jährigen Dienstjubiläum. Nachgefeiert wurde es wegen der Pandemiemaßnahmen erst vor Kurzem. Obwohl Huber am 30. Dezember 96 Jahre alt wird, will er als geringfügig Beschäftigter weiterarbeiten, solange es geht. „Ich bin ein beständiger Typ. Was ich einmal angefangen habe, mache ich fertig“, beschreibt er sein Credo, das ihn schon seit Jugendzeiten prägt. An einen Firmenwechsel habe er nur einmal gedacht, als er mit einem Vorgesetzten nicht konnte. Diese Kontinuität gilt auch für sein privates Leben. Mit Frau Annemarie ist er seit 70 Jahren verheiratet. In Lech, wo sich das Paar kennenlernte, haben die beiden am Tag ihrer Gnadenhochzeit ihr Ehegelübde verlängert.

Mit der Arbeit als Archivar hat der geschichtsbegeisterte Senior eine Lebensaufgabe gefunden. Oftmals braucht es bis zu drei Tagen, bis eine Seite entziffert ist. Das Papier ist vergilbt, die Schriften verblasst und manches kaum mehr zuordenbar. Dann treibt ihn der Ehrgeiz besonders an. Sein langjähriges Wissen und die Erinnerung helfen ihm. Denn wenn jemand die über 180-jährige Firmenhistorie wie seine Westentasche kennt, dann Huber. Auch weil zuvor schon sein Großvater 66 Jahre und sein Vater 45 Jahre dort gearbeitet haben.

Alt-Ems vermessen

Die Akribie scheint Franz Josef Huber angeboren zu sein. Das spiegelte sich auch in seiner zweiten großen Leidenschaft, den Burgen, wider. Einst war er federführend dabei, wie unter anderem die Burg Alt-Ems eigenhändig mit Winkelmesser, Maßband und Meterstab vermessen wurde. Zehn Jahre hat es gedauert. Als sie dann von der Firma Leica einen Theodolit zur Verfügung gestellt bekamen und die Daten überprüften, kamen sie auf dasselbe Ergebnis. „Mathematik war immer mein Lieblingsfach“, bereiten ihm die alten Gemäuer Freude. Sein Wissen über Burgen hat er in Bücher verpackt und in TV-Auftritten erzählt. Seitdem wird der Dornbirner „Burgenhuber“ genannt, der sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Die Arbeit scheint ihn tatsächlich jung zu halten. Obwohl er selbst nicht mehr jung sein möchte. „Die heutige Zeit erschreckt mich. Jeder will Chef sein und seine eigene Meinung mit Gewalt durchsetzen.“ Da fühlt er sich in „seiner Firma“ und seinem Archiv doch wesentlich wohler. CRO

„Ich bin ein beständiger Typ. Was ich einmal angefangen habe, mache ich fertig.“

Mit großer Sorgfalt geht der 95-Jährige Seite für Seite durch.
Mit großer Sorgfalt geht der 95-Jährige Seite für Seite durch.
Franz Josef Huber ist Heimatforscher mit Schwerpunkt Burgenkunde. VN
Franz Josef Huber ist Heimatforscher mit Schwerpunkt Burgenkunde. VN
Mit Ehefrau Annemarie ist der Dornbirner seit 70 Jahren verheiratet.
              
              birgit-riedmann-photography

Mit Ehefrau Annemarie ist der Dornbirner seit 70 Jahren verheiratet.

birgit-riedmann-photography

Der „Burgenhuber“ verfasste als Autor zahlreiche Bücher.
Der „Burgenhuber“ verfasste als Autor zahlreiche Bücher.
Als Autodidakt hat sich Franz Josef Huber immer wieder an den Bau neuer Gerätschaften gewagt.
Als Autodidakt hat sich Franz Josef Huber immer wieder an den Bau neuer Gerätschaften gewagt.

Zur Person

Franz Josef Huber

vulgo: „Burgenhuber“

Alter 95 Jahre, (30. Dezember 1926)

Wohnort Dornbirn

Familienstand verheiratet mit Annemarie seit 70 Jahren, 3 Kinder

Werdegang Elektrotechnik Lehre, Elektroabteilungsleiter, Betriebsleiter für Elektrotechnik, Archivar der F.M. Hämmerle Holding AG

Erfindung Feuchtigkeitsmessgerät für Stoffe

Hobbys Familie, Geschichte (speziell Burgen), Schreiben (am Computer!), Modelleisenbahn

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