„ Der Favorit hat endlich olympisches Gold gewonnen“

Menschen / 04.10.2022 • 19:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Die Vorarlberger Wissenschaftlerin Monika Ritsch-Marte freut sich mit „meinem Mentor“.

Innsbruck Sie ist selbst eine hochdekorierte Wissenschaftlerin und als solche ein wissenschaftliches Aushängeschild Vorarlbergs. 2008 wurde sie für ihre Leistungen in der Physik mit dem Wissenschaftspreis des Landes ausgezeichnet. Damals hatte die Höchsterin Monika Ritsch-Marte einen ganz speziellen Laudatio-Redner im Landhaus. Und zwar den frisch ernannten Nobelpreisträger Anton Zeilinger. Die 61-Jährige hat sich riesig gefreut, dass der gebürtige Oberösterreicher die weltweit höchste Anerkennung für seine wissenschaftlichen erhalten hat.

Preis für Österreich

„Der Toni hat diese tolle Auszeichnung völlig verdient gewonnen. Er hätte sie schon früher verdient gehabt. Es ist wie wenn der große Favorit bei der Olympiade nach mehreren Anläufen endlich die ihm zustehende Goldmedaille gewinnt“, findet die gebürtige Höchsterin einen blumigen Vergleich aus der Welt des Sports.

An der Med-Uni

Gerne räumt Ritsch-Marte ein, dass Zeilinger ihr Mentor war, auch wenn sie nie längere Zeit direkt mit ihm zusammenarbeitete, sich ihre wissenschaftlichen Wege jedoch immer wieder kreuzten. „Er ist ein Experimentalphysiker, ich komme von der theoretischen Physik“, erklärt Ritsch-Marte, die jetzt an der medizinischen Universität Innsbruck in der Forschung tätig ist. Die Auszeichnung mit dem Nobelpreis sei nicht nur eine große Anerkennung für Zeilinger selbst, sondern auch für Österreich, besteht für die Vorarlbergerin kein Zweifel.

Über den Tellerrand

Als Präsident der österreichischen Akademie der Wissenschaften habe er genauso seine Spuren hinterlassen, wie als charismatische Persönlichkeit, die sich über alles Mögliche Gedanken macht. „Toni ist einer, der immer über den Tellerrand hinausblickt und sich für allerhand andere Dinge interessiert“, beschreibt die Vorarlbergerin den neuen Nobelpreisträger. Der Nachfolger Zeilingers in der Akademie der Wissenschaft wurde übrigens der ehemalige Bildungsminister Heinz Faßmann.

Bezüglich Zeilingers Vielseitigkeit erwähnt Ritsch-Marte unter anderem eine dreitägige Veranstaltung mit Vertretern der Tourismuswirtschaft, die der nunmehrige Nobelpreisträger durch seine Anwesenheit bereicherte.

„Anton ist ein Naturereignis“, sagt sie mit Bewunderung. „Mit seinen Haltungen und Meinungen hält er nicht zurück. Er ist eine pointierte Persönlichkeit.“

Mit Anton Zeilinger halten Monika Ritsch-Marte und ihr Mann regelmäßig Kontakt. Langweilig sei es bei diesen Begegnungen nie, erzählt die Wissenschaftlerin schmunzelnd und attestiert dem frischgebackenen Nobelpreisträger auch eine Portion Humor. VN-HK

„Anton ist ein Naturereignis. Einer, der mit seinen Haltungen und seiner Meinung nicht zurückhält.“

Chronologie

Wichtige Lebensstationen von anton zeilinger

Zeilinger zählt zu den renommiertesten österreichischen Wissenschaftern. Der Quantenphysiker hat in seiner Karriere bahnbrechende Beiträge zu den Grundlagen der Quantenphysik geliefert.

20. Mai 1945 in Ried im Innkreis geboren

1955 Umzug nach Wien

1971 Promotion an der Universität Wien

1986 Erstmalige Beschreibung des „GHZ-Zustands“ (Verschränkung von drei Teilchen)

1990 Universitätsprofessor an der Universität Innsbruck und Vorstand des Institutes für Experimentalphysik

1997 Erstes geglücktes Experiment der Teleportation von Lichtteilchen

1998 Universitätsprofessor an der Universität Wien und Vorstand des Institutes für Experimentalphysik

1999 Erstes geglücktes Experiment zur abhörsicheren Übermittlung von Schlüsseln

2001 Aufnahme in den Orden „Pour le Merite“

2001 Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst

2003 Gründung des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der ÖAW

2007 Verleihung der neu geschaffenen Isaac-Newton-Medaille des britischen Institute of Physics

2010 Verleihung Wolf-Preis

2013-2022 Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

2014 Aufnahme in die National Academy of Sciences (NAS) der USA

2017 Erstes quantenverschlüsseltes Videotelefonat

2017 Verleihung John-Stewart-Bell-Preis

2019 Verleihung Micius-Preis

2022 Auszeichnung mit dem Nobelpreis für Physik

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