Tanzpionierin im Montafon

Menschen / 12.10.2022 • 17:23 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Iris Onnen findet im Tanzen Erfüllung. Diedrich Onnen
Iris Onnen findet im Tanzen Erfüllung. Diedrich Onnen

Tanzlehrerin Iris Onnen (59) brachte den zeitgenössischen Tanz ins Montafon.

Schruns Iris war ungefähr fünf Jahre alt, als sie im Fernseher das erste Mal in ihrem Leben Schwanensee sah, das weltberühmte Ballett zur Musik von Tschaikowski. Nach der Sendung lief das kleine Mädchen voller Begeisterung zu seiner Mutter und meinte: „Mama, ich werde Tänzerin. Ich brauche ein Kleid.“ Tage später zog Iris aus dem Kleiderschrank das Hochzeitskleid ihrer Mutter hervor. „Ich habe es mit der Schere auseinander geschnitten und mir dann den Tüllrock angezogen und getanzt.“ Wenn dem Kind langweilig war oder das Wetter schlecht war, schob es im Wohnzimmer die Stühle und den Tisch beiseite und tanzte zur Musik, die im Radio lief.

Wie ein Tiger im Käfig

Als Elfjährige machte sie ihren Eltern, die selbstständige Gastronomen in Schruns waren, klar, dass sie keinesfalls im Gastgewerbe arbeiten möchte. „Ich wusste, dass ich beruflich etwas mit Bewegung machen musste. Denn ich merkte, dass mir Bewegung guttat.“ Der Tanz bekam einen immer größeren Stellenwert in ihrem Leben. Ab 12 ging Iris einmal wöchentlich zum Ballettunterricht. Ab 14 nahm sie Tanzunterricht bei einer Lehrerin, die sich auf zeitgenössischen Tanz spezialisiert hatte. Ihr Weg zur Tanzpädagogin verlief jedoch nicht geradlinig. Zunächst absolvierte die Schrunserin die Handelsschule. Danach begann Iris bei einem Arzt als Ordinationsgehilfin zu arbeiten.

„Ich konnte gut mit den Patienten, aber die Büroarbeit war nicht meins.“ Sie fühlte sich in der Ordination eingesperrt. „Ich kam wir wie ein Tiger in einem Käfig vor.“ Die mangelnde Bewegung machte ihr zu schaffen. „Ich war quirlig und merkte, dass ich das Thema Tanz aufgreifen musste.“ Sie meldete sich zur Aufnahmeprüfung am Konservatorium Wien an. Iris wollte dort eine Ausbildung zur Tanzpädagogin machen und dann ihr Wissen und ihre (Tanz)Kunst in ihrer Heimat Montafon weitergeben. „Ich fand es wichtig, dass junge Menschen im Tal die Möglichkeit haben, zeitgenössischen Tanz zu lernen. Tanz ist ja auch Auseinandersetzung mit sich selbst.“ Sie bestand die Aufnahmeprüfung auf Anhieb. Die Ausbildung sagte der jungen Frau zu. Aber sie brach diese nach einem Jahr ab, weil sie ein Kind erwartete. „Ich war nicht traurig darüber. Mein Sohn David versöhnte mich mit der Welt. Ich war mit dem Kind glücklich.“ Iris schenkte zwei weiteren Kindern das Leben. „Ich genoss das Muttersein sehr.“ Aber mit Anfang 30 kam bei ihr der Wunsch auf, die Tanzausbildung abzuschließen. Die Mutter begann wieder zu studieren, nebenbei unterrichtete sie Erwachsene in zeitgenössischem Tanz und nahm an Tanz-Workshops und -kursen in Wien, Linz, Zürich und Bozen teil. „Die Ausbildung war anstrengend, aber es war mir wichtig, auch fürs Tal. Der Tanz fehlte im Montafon.“ Immer mehr Schülerinnen und Schüler scharten sich um die selbstständige Tanzlehrerin, die nun auch Jugendliche und Kinder unterrichtete. „Die Arbeit mit den jungen Menschen beflügelte mich. Es entstand viel Interaktion.“ Iris verfolgte eine Vision. Sie wollte, dass der Tanzunterricht an der Musikschule Montafon verankert wird, damit er einen festen Platz hat im Tal und für alle Menschen zugänglich ist. Nach mehreren Anläufen erreichte sie ihr Ziel. Seit 2009 hat die Musikschule Montafon eine eigene Tanzabteilung.

„Anfangs hatten wir 160 Schüler, heute sind es 200“, zeigt die Tanzlehrerin auf, dass das Angebot in der Region sehr gut angenommen wird, vor allem von Mädchen. Iris geht in dem, was sie tut, auf. „Es ist mein Traumberuf.“ Auch privat tanzt die 59-Jährige gerne. „Es erfüllt mich. Wenn ich auf einem Fest bin, gehe ich auf die Tanzfläche.“ Die Wegbereiterin des zeitgenössischen Tanzes im Montafon lebt ihr Ich aber nicht nur beim Tanzen aus. Auch auf anderen Gebieten ist sie talentiert. „2010 fing ich zu malen an. Wenn ich mich beim Tanzen verausgabt habe oder wenn schlechtes Wetter ist, greife ich zum Pinsel.“ In Sachen Kunst ist Iris experimentell unterwegs. „Ich bemale Teefilter.“ Morgen, bei der Kunstnacht in Schruns, kann man ihre Werke beim Frisör Sprenger in Schruns bewundern. Dass ihre Kreativität facettenreich ist, zeigt auch ihr neuester Coup: Iris brachte mit „Rosi Rund und Rainer Riese“ ein witziges Buch heraus. Die Autorin erklärt, wie dieses Buch entstanden ist: „Beim Tanzunterricht mit Kindern fiel mir auf, dass die Kleinen auf Reime besonders gut ansprechen. Ich habe dann selbst welche gedichtet und den Kindern die Bewegungsabläufe in Reimform beigebracht. Die Reime habe ich gesammelt und jetzt in Buchform herausgebracht.“ Das humorvolle Buch ist für Eltern gedacht, die ihre Kinder auf spielerische Art in Bewegung bringen möchten, und für Pädagogen, die in Kindergärten, Volksschulen und Tanz- und Musikschulen tätig sind und nach einem Buch aus der Praxis für die Praxis suchen. Es ist erhältlich in der Buchhandlung im Silvretta-Center in Schruns oder unter Iris.Onnen@gmx.de. VN-KUM

Iris Onnen drückt sich auch über ihre Bilder aus.
Iris Onnen drückt sich auch über ihre Bilder aus.
In der Natur holt sich Iris Onnen die Kraft für den Alltag.
In der Natur holt sich Iris Onnen die Kraft für den Alltag.
Kinder zu unterrichten macht der Tanzlehrerin besonders viel Spaß.
Kinder zu unterrichten macht der Tanzlehrerin besonders viel Spaß.

Zur Person

Iris Onnen

Geboren 11. September 1963 in Bludenz

Wohnort Dornbirn

Familie verheiratet, drei Kinder

Hobbys Wandern, Malen, Lesen

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