Von Mammuts, Zeitketten und Aha-Effekt

Menschen / 23.10.2022 • 17:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Elvira Flora hat mit den Kindern auf der riesigen Vorarlbergkarte Platz genommen. Gemeinsam erkunden sie die Talschaften. Karin Nussbaumer
Elvira Flora hat mit den Kindern auf der riesigen Vorarlbergkarte Platz genommen. Gemeinsam erkunden sie die Talschaften. Karin Nussbaumer

Elvira Flora und Claudia Schwarz veröffentlichten das Mitmachsachbuch „Vorarlberg erzählt“.

Bregenz Mit dem Tag des ersten bundesweiten Lockdowns kehrte im Vorarlberg Museum Stille ein. Keine Schritte hallten mehr durch die hohen Räume, keine gedämpfte Gesprächsfetzen wehen vorbei, kein Kinderlachen – einfach nichts. Von einem Tag auf den anderen von 162 auf null, nimmt man die durchschnittliche Anzahl bei einem Jahresaufkommen von rund 50.000 Besuchenden.

Corona-Projekt

Mit der Stille kam aber auch die Langeweile, zumindest vorerst, denn bekanntlich ist das „Warten im Nichts-Tun“ die Inspiration für Neues. Den beiden Museumspädagoginnen und Kulturvermittlerinnen Elvira Flora und Claudia Schwarz ging es jedenfalls so, denn sie nutzten die Zeit, um ein Buch zu schreiben. „Vorarlberg erzählt“ lautet der Titel des im Tyrolia Verlag erschienenen Kindersachbuches, das von der großen Geschichte unseres kleinen Landes erzählt. „Wir erzählen die Geschichte anhand der Gegenstände im Museum“, sagt Schwarz, die in Lustenau zu Hause und Mutter eines Sohnes ist. So führte einer der ersten Wege die Autorinnen auch in die „Wunderkammer“, im Alltag Depot genannt, wo insgesamt 160.000 Objekte gelagert werden. „Nur ein kleiner Teil, wie der riesige Mammutzahn, ist in der Ausstellung zu sehen“, erklärt Flora, Mutter von zwei Töchtern.

Zeitkette zum Veranschaulichen

Kinder, die bereits Workshops im Museum besucht haben, erleben beim Durchblättern des Buches unmittelbar einen Aha-Effekt. Die anderen, wenn sie das Museum besuchen. Die Zeitkette, die gleich am Anfang des Buches abgebildet ist, erkennen sie sofort wieder. Gemeint ist der Faden mit zahlreichen Perlen in unterschiedlichen Farben. „Wir veranschaulichten die Spanne von der Urzeit bis ins Heute“, erklärt Flora, die diese Art des Begreifbar- und Erlebbarmachens aus der Montessori-Pädagogik kennt. „Jede Kugel steht für 100 Jahre“, setzt die 44-Jährige fort. „Die erste Kugel datiert den frühesten menschliche Knochenfund in Vorarlberg, die letzte das 21. Jahrhundert, also die Zeit, in der wir jetzt leben.“

So erkennen die Kinder schon auf den ersten Blick, dass die Zeitabstände immer kürzer werden. Dazu verwenden die beiden Pädagoginnen eine zehn mal fünf Meter große Vorarlbergkarte, auf der die Kinder die Talschaften mit ihren Fundorten erwandern können. Apropos wandern: Viele Fundorte haben die beiden Pädagoginnen selbst aufgesucht und für die Illustrationen fotografiert.

Das 96 Seiten dicke Buch ist auch ein Mitmachbuch, weil es neben kurzen Erzählgeschichten aus dem Leben von damals auch Aufgaben und Ratespielen sowie Such-, Wimmel- und Ausmalbildern enthält. „Unser Ziel war und ist es, das gilt auch für die Workshops, dass die Kinder verstehen, wer sie sind, und dass das auch ihre Geschichte und ihre Wurzeln sind“, sagt Schwarz, die gemeinsam mit ihrer Kollegin bewusst alle Sinne aktiviert und begreifbar machen, was für Kinder oft unbegreifbar ist.

Kein Wunder, dass die Workshops ausgesprochen beliebt sind. Und mit dem Buch kommt noch ein neues Format mit dem Namen „Tandem“ dazu. „Es handelt sich um zwei Termine“ erklären die beiden, „zum einen kommen wir als Autorinnen mit unserem Buch in die Klassen, zu anderen kommen die Schüler zu uns ins Museum.“ Darauf freuen sich die beiden schon, weil es ein noch intensiveres Erleben der Geschichte Vorarlbergs ermöglicht.

Übrigens sprühen die beiden vor Ideen und man darf gespannt sein, was noch von ihnen kommen wird. Gewiss ist auf jeden Fall: Was kommt, wird ebenfalls Geschichte werden und hoffentlich, wenn die Zeitkette noch viel länger ist, Kindern immer noch Freude machen. CRO

Wir veranschaulichen die Spanne von der Urzeit bis ins Heute mit einer bunten Zeitkette.

Claudia Schwarz erzählt, dass das Einfädeln an der Fädelmaschine im 19. Jahrhundert eine typische Kinderarbeit war.
Claudia Schwarz erzählt, dass das Einfädeln an der Fädelmaschine im 19. Jahrhundert eine typische Kinderarbeit war.
Die Montessori-Pädagogik diente als Vorlage für die Materialien, die die Kulturvermittlerinnen in ihren Workshops verwenden.
Die Montessori-Pädagogik diente als Vorlage für die Materialien, die die Kulturvermittlerinnen in ihren Workshops verwenden.
Claudia Schwarz (l.) und Elvira Flora freuen sich auf die Buch-Präsentation am Sonntag, 6. November, um 11 Uhr. Daniel Furxer
Claudia Schwarz (l.) und Elvira Flora freuen sich auf die Buch-Präsentation am Sonntag, 6. November, um 11 Uhr. Daniel Furxer

Zur Person

Elvira Flora

Alter 44 Jahre

Familie verheiratet, zwei Töchter

Wohnort Schwarzach

Beruf Museumspädagogin und Kulturvermittlerin

Ausbildung Volksschullehrerin, Montessori-Ausbildung, Achtsamkeitslehrerin, Kräuterpädagogin

Hobbys Singen, Musik, gerne in der Natur unterwegs

Claudia Schwarz

Alter 44 Jahre

Familie verheiratet, ein Sohn

Wohnort Lustenau

Beruf Museumspädagogin und Kulturvermittlerin

Ausbildung Studium der Pädagogik in Innsbruck, Volksschullehrerin

Hobbys mit der Familie unterwegs, Reisen

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