Eingetaucht in die Welt des Museums

Menschen / 07.11.2022 • 20:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ausstellungen entstehen in Teamarbeit: Das Abstimmen von Details gehört auch dazu.VN/Paulitsch (4),
Ausstellungen entstehen in Teamarbeit: Das Abstimmen von Details gehört auch dazu.VN/Paulitsch (4),

Petra Zudrell begleitet das Stadtmuseum Dornbirn in die Zukunft.

Dornbirn Das Stadtmuseum Dornbirn feierte vor Kurzem seinen 25. Geburtstag. Zu diesem Jubiläum stellte das Team vier Tage lang Veranstaltungen mit Führungen und Workshops auf die Beine. Doch auch wenn es kein Jubiläum gibt, wird im Stadtmuseum geplant und ausgestellt. Verantwortlich dafür ist seit 2017 Petra Zudrell, die Leiterin des Museums.

Wird sie nach ihrem Herzensprojekt gefragt, antwortet die 53-Jährige spontan: „Die Ausstellung ,Wem gehört das Bödele?‘, die wir zusammen mit dem Angelika Kauffmann Museum in Schwarzenberg gemacht haben, war ein Abenteuer.“ Knapp sechs Wochen nach der Ausstellungseröffnung stand im März 2020 alles still und das Team des Stadtmuseums wurde aktiv. „Wir haben die Idee mit dem Lieferservice aufgegriffen“, erinnert sich Petra Zudrell. Während der Corona-Lockdowns stellten sie Bödelepakete mit den gefragten Decken zu. Diese wird übrigens pünktlich zur Weihnachtszeit neu aufgelegt. Die Bödele-Einnahmen beweisen, dass das Angebot gut angekommen sei, schildert die Museumsleiterin, die auch die Zukunft des Museums im Blick hat.

Generalthema Erben

Pünktlich zum 25-jährigen Bestehen startete das Museum in eine Neukonzeptionsphase. So wird das Thema „Erben & Vererben“ das Museum in die Zukunft begleiten. „Ich finde, dass dieses Thema bewegt. Unsere Aufgabe ist es zu zeigen, wie beispielsweise Grundbesitz historisch gewachsen ist“, erklärt die Museumsexpertin, die in ihrer Freizeit gerne liest. Zum neuen Ausstellungsthema gehört auch belastendes und „belastetes Erbe“: Für Herbst 2023 plant das Stadtmuseum eine Ausstellung zum Erbe des Nationalsozialismus in Dornbirn.

Das Rüstzeug für ihren Job hat sich die in Dornbirn Wohnhafte schon sehr früh geholt. Sie ist in Hohenems aufgewachsen, ihr Studium hat sie quer durch Europa geführt, und ihr Akademikertraining hat sie im Jüdischen Museum absolviert. Die Museumsexpertin war für Ausstellungsrecherche und die Organisation von Tagungen zuständig. Faszinierend daran war für die Germanistin das wissenschaftliche Arbeiten und gleichzeitig das attraktive Aufarbeiten von Themen für das Publikum. „Durch die sofortige Rückmeldung des Publikums gab es einen lebendigen Austausch. Da habe ich Museumsblut geleckt“, erzählt die Kulturwissenschaftlerin, die in ihrer Freizeit gerne in ihrem Garten werkt. Seit 2009 kuratierte sie die jährlichen Ausstellungen des Angelika Kauffmann Museums in Schwarzenberg. „Diese Tätigkeit war für mich ein Trittbrett in die Museumswelt“, schildert die Museumsexpertin. In ähnlicher Funktion war sie auch im Vorarlberg Museum tätig.

Bezug zu Land und Leuten

Ihre aktuelle Arbeit als Museumsleiterin umfasst nicht mehr das Kuratieren von Ausstellungen. Die Arbeitstage sind mit Verwaltungsaufgaben, Kommunikation, Geldauftreiben etc. gefüllt. Das Kuratieren vermisst Petra Zudrell zwar, aber „ich bin froh, dass ich gute Leute habe, die das machen“. Wichtig ist der zweifachen Mutter, dass sie Ausstellungen mit Bürgerbeteiligung macht. Das Arbeiten in Vorarlberg beschreibt sie mit „unbezahlbar“. „Wenn man einen Bezug zur Stadt hat und Land und Leute kennt, ist das unvergleichlich“, schildert Zudrell, die gerne das „Museum der Unschuld“ in Istanbul besuchen möchte. Über das Museum schrieb sie zwar ihre Abschlussarbeit in Curating an der ZHdK in Zürich, das aber damals noch gar nicht eröffnet war. Es ist das Museum zum gleichnamigen Buch von Orhan Pamuk, das auch von ihm selbst geschaffen wurde. VN-PAG

„Wenn man einen Bezug zur Stadt hat und Land und Leute kennt, ist das unvergleichlich.“

Organisieren und Verwalten gehören zu den Hauptaufgaben Zudrells.
Organisieren und Verwalten gehören zu den Hauptaufgaben Zudrells.
Bei der 25-Jahr-Feier stellte Petra Zudrell die neue Ausstellung zum Thema Erben vor. Stadtmuseum Dornbirn
Bei der 25-Jahr-Feier stellte Petra Zudrell die neue Ausstellung zum Thema Erben vor. Stadtmuseum Dornbirn
Das zur Sonderausstellung „Ware Dirndl“ dazugehörende T-Shirt mit originalem Rhomberg-Muster wurde ausschließlich in Vorarlberg hergestellt.
Das zur Sonderausstellung „Ware Dirndl“ dazugehörende T-Shirt mit originalem Rhomberg-Muster wurde ausschließlich in Vorarlberg hergestellt.

Zur Person

Petra Zudrell

Wohnort Dornbirn

Geboren 1969

Ausbildung: Studium Germanistik und jüdische Studien in Wien, Berlin, Potsdam und Jerusalem; Dissertation über Max Nordau; „Postgraduate Program in Curating“ an der Zürcher Hochschule für Künste (ZHdK)

Familie verheiratet mit Jürgen Thaler (Leiter des Franz Michael-Felder-Archivs), zwei Töchter

Hobby Garten und Gartenarbeit, Museumbesuche, Reisen, Lesen

Lebensmotto No risk, no fun

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