“Wir haben keine Angst vorm Scheitern”

Menschen / 10.11.2022 • 21:52 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Ein eingespieltes Team: Axel Prahl (l.) und Jan Josef Liefers ermitteln seit 20 Jahren gemeinsam beim Münster-„Tatort“. dpa
Ein eingespieltes Team: Axel Prahl (l.) und Jan Josef Liefers ermitteln seit 20 Jahren gemeinsam beim Münster-„Tatort“. dpa

Interview mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl zu 20 Jahre Münster-„Tatort“ und die Mischung aus Krimi und Komik.

Belrin Sie ermitteln in einer eigenen Liga – und das seit nun schon 20 Jahren: Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) sind das mit Abstand populärste „Tatort“-Team, das kultige Duo aus Münster erreicht mit seinen komödiantisch getönten Krimis regelmäßig höchste Einschaltquoten. In der Jubiläumsfolge „Ein Freund ein guter Freund“ am kommenden Sonntag müssen die beiden ungleichen Ermittler den Mord an einem Anwalt klären – es ist der 42. gemeinsame Fall für das Duo, das am 20. Oktober 2002 sein Debüt gab.

 

Herr Prahl, Herr Liefers, seit 20 Jahren spielen Sie die Tatort-Ermittler Thiel und Boerne. Was mögen Sie an Ihrer jeweiligen Rolle am meisten?

Prahl Dass sie schon so lange lebt und ihr, trotz des sehr gefährlichen Berufs, noch nichts zugestoßen ist. Aber eins möchte ich an dieser Stelle auch nochmal klarstellen: Professor Dr. Dr. Karl Friedrich Boerne ist kein Ermittler, auch wenn er es sicherlich gerne wäre. Er ist Rechtsmediziner.

Liefers Hallo?! Ein Rechtsmediziner ermittelt auch! Ohne Boernes Erkenntnis-Wasserfall wäre Thiel vertrocknet, wie seine Büropflanzen. Aber natürlich, der Professor verrichtet seine Arbeit still und bescheiden abseits des Rampenlichts (lacht).

Ulrich Noethen soll die Boerne-Rolle damals abgelehnt haben, weil er vom Konzept des Münster-„Tatorts“ nicht überzeugt war. Waren Sie beide gleich von der Idee angetan, Krimi und Komik zu mischen?

Liefers Mag sein, dass die Vorstellungen, was man unter guter Unterhaltung versteht, zu dieser Zeit auseinanderliefen. Ulrich und ich wechselten damals Mitte der 90er Jahre zeitgleich vom Theater in die Freiberuflichkeit und haben zwei Jahre in der Detektivserie „Die Partner“ zusammen gespielt. Ich kenne ihn lange und finde ihn klasse. Mit verschiedenen Anpassungen bin ich gerne eingesprungen. Die Aussicht, mit Axel nicht einfach nur einen weiteren Tatort nach altbewährtem Muster abzuliefern, sondern die Krimikomödie wiederzuentdecken, war für mich der größte Reiz, mitzumachen.

 

Hätten Sie geglaubt, dass daraus eine solch langjährige Erfolgsgeschichte werden würde?

Liefers Es hätte auch ganz schnell vorbei sein können. Erfolgsgeschichten kann man leider nicht allein schreiben, dafür braucht es 13 bis 14 Millionen Fans.

 

Sind Sie beide stolz darauf, zu einem Tatortteam zu gehören, das von einem Quotenrekord zum nächsten eilt?

Prahl Stolz? Dazu bin ich viel zu bescheiden…

Liefers Ich denke da nicht so drüber nach. Aber ich freue mich jedes Mal!

 

Was ist das Erfolgsgeheimnis des Münster-Tatorts? An schräger Komik haben sich ja auch schon andere Tatort-Teams bemüht, aber mit weniger Erfolg.

Prahl Dafür braucht es eigentlich nur drei Dinge: Treue Fans, treue Fans und treue Fans. Jetzt aber mal Spaß beiseite: Wenn ich im Entferntesten eine Ahnung hätte, wie es zu diesem Erfolg gekommen ist und was man dafür tun muss, hätte ich mir das sofort patentieren lassen.

Liefers Sich von anderen zu unterscheiden, ist schon mal ein guter Plan, aber eben auch riskant. Risikobereitschaft und keine Angst vorm Scheitern zu haben, das hilft. Es muss aber noch vieles mehr passen, und am Ende braucht man auch noch einen Teelöffel Feenstaub.

 

Haben Sie immer noch so viel Spaß wie am Anfang, als Sie manchmal vor lauter Lachen nicht mehr weiterdrehen konnten?

Prahl Auf jeden Fall, sonst würden wir das beide, denke ich, nicht mehr machen.

Liefers Ja, absolut. Man muss sich das jetzt aber nicht so vorstellen, dass wir uns rund um die Uhr nur beömmeln. Gibt schon auch Tage, da artet es in Arbeit aus. Ich mag am liebsten die, wo Axel viel rennen muss …

 

Herr Liefers, zu den Merkmalen des „Tatort“ aus Münster gehören Boernes ungehörige Sprüche gegenüber seiner kleinwüchsigen Assistentin „Alberich“. Sprechen Sie solche Szenen mit ChrisTine Urspruch vorher ab, um sie nicht zu verletzen?

Liefers ChrisTine war und ist hier für mich das Maß aller Dinge. Da nicht alle Sprüche, die auf ihre Kosten gehen, immer im Drehbuch stehen, sondern manchmal auch improvisiert sind, hat sie für mich das alleinige Vetorecht. ChrisTine ist eine kluge und zauberhafte Kollegin, weder Boerne noch ich könnten ihr je ernsthaft wehtun.

 

Haben Sie beide sich schon mal Gedanken gemacht, ob Sie in 20 Jahren immer noch als „Tatort“-Duo ermitteln wollen?

Prahl Die Vorstellung, dass ich den Herrn Professor im Rollstuhl über den Domplatz in Münster schiebe, klingt in der Tat verlockend.

Liefers Wie willst du das machen, du hast mit deinem Rollator genug zu tun. Falls Boerne einen Rolli nötig hat, dann fährt der von allein, getrieben von erneuerbaren Energien wie Luft und Liebe. ski

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