“Eine tolle Herausforderung”

Menschen / 14.12.2022 • 21:50 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Anna Maria Mühe stand mit 17 Jahren erstmals vor der Kamera, seitdem war sie in zahlreichen TV- und Kinofilmen zu sehen. AFP
Anna Maria Mühe stand mit 17 Jahren erstmals vor der Kamera, seitdem war sie in zahlreichen TV- und Kinofilmen zu sehen. AFP

Anna Maria Mühe über ihre Rolle als Bestatterin in der Thrillerserie “Totenfrau”.

Berlin Sie zählt zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Films und stammt aus einer namhaften Künstlerfamilie: Anna Maria Mühe, Tochter der früh verstorbenen Schauspieler Jenny Gröllmann und Ulrich Mühe. In dem von Netflix und ORF koproduzierten Sechsteiler „Totenfrau“ spielt die 37-Jährige eine Bestatterin, die in einem Begräbnisinstitut tief in den Bergen arbeitet. Als ihr Ehemann vor ihren Augen getötet wird, startet sie einen brutalen Rachefeldzug gegen die Schuldigen.

 

Frau Mühe, in der neuen Serie „Totenfrau“ spielen Sie eine Bestatterin. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Mühe Ich hatte die Möglichkeit, eine Bestatterin für einen Tag zu begleiten, und durfte lernen, wie das Prozedere abläuft. Sie hat mich behutsam an die einzelnen Arbeitsschritte herangeführt, und das war eine tolle Hilfe für die Figur.

 

Waren Sie gleich davon begeistert, als Sie hörten, dass Sie eine Bestatterin spielen sollen?

Mühe Das war gar nicht das erste, was ich gehört habe. Ich kannte auch das Buch vorher nicht, auf dem die Serie basiert, es war vor allem in Österreich ein Bestseller, und dort ist Bernhard Aichner ein sehr bekannter Autor. Als erstes habe ich gehört, dass es um eine Frau geht, die auf der Suche nach dem Mörder ihres Mannes sozusagen einmal durch den Wolf gedreht wird – und das fand ich interessant.

 

Der Ehemann der Bestatterin wird vor ihren Augen getötet und sie nimmt Rache an den Schuldigen. Die Rolle als Rächer, der rot sieht, war früher Männern vorbehalten…

Mühe Es ist immer noch etwas Neues, dass eine Frau eine solche Rolle spielt, und das war für mich das Besondere an dieser Frauenfigur. Anfangs sitzt sie bequem in ihrem Nest. Aber dann wird sie durch den Tod ihres Mannes gezwungen, stark und mutig zu werden, und sie entwickelt ein unglaubliches Durchsetzungsvermögen. Ich liebe es, wenn eine Figur einen Wandel durchleben darf.

 

Warum fällt die Rache an den Schuldigen teilweise so extrem gewalttätig aus?

Mühe Ich als Anna finde das natürlich absolut verwerflich – aber als Schauspielerin finde ich es eine tolle Herausforderung. Das Motiv der Rache ist im Film immer faszinierend, weil es den Zuschauer zwingt sich zu fragen: Wie weit würde ich eigentlich gehen und was würde ich tun? Ich hatte drei Monate lang Stunttraining, um mich auf die ganzen Kämpfe vorzubereiten, die innerhalb der Serie stattfinden und die lange vorher mit meinen Kollegen und mir durchchoreographiert wurden.

 

Gedreht wurde in den Bergen in Österreich, die Bestatterin düst mit dem Motorrad über die Serpentinen. Sind Sie das selber?

Mühe Nein. Ich habe keinen Motorradführerschein.

 

Sie sind Berlinerin, leben im quirligen Prenzlauer Berg. Wie haben Sie sich in der Abgeschiedenheit des Hochgebirges gefühlt?

Mühe Ich finde es auf dem Land immer schön, aber mehr für einen erholsamen Urlaub als für das alltägliche Leben. Ich bin eine richtige Großstadtpflanze und lebe gerne in der Stadt.

 

Die Serie ist eine Netflix-Produktion. Spielt es für sie als Schauspielerin eine Rolle, ob Sie für einen Streamingdienst oder lineares Fernsehen drehen?

Mühe Ich als Schauspielerin mache da keinen Unterschied, meine Vorbereitung ist stets gleich, egal ob ich Kino mache, TV oder Streaming. Und dass bei Netflix potentiell die halbe Welt die neue Serie sehen kann, darüber mache ich mir keine Gedanken, das ist außerhalb meiner Vorstellungskraft (lacht).

 

Wie wichtig sind die Zuschauerzahlen für Sie?

Mühe Für mich als Schauspielerin ist die Zuschauerquote weniger wichtig und ich finde die Quotendiskussion auch wahnsinnig schwierig. Es gibt sehr viele tolle Projekte, die aber nicht so viele Zuschauer erreichen, wie sie eigentlich verdient hätten.

 

Was streamen Sie selber?

Mühe Ich habe vor kurzem die großartige Dramaserie „Succession“ über einen amerikanischen Medienmogul und seine Familie angesehen. Wie unsympathisch da alle Figuren sind, aber trotzdem bleibt man als Zuschauer dran und fängt an sie zu verstehen – das ist wirklich sehr gelungen. Aber wir in Deutschland und Europa machen auch sehr gutes Fernsehen, gute Serien für die Streamingdienste, gute Kinofilme. Wir müssen uns eigentlich nicht hinter Amerika verstecken, nur weil die im Zweifelsfall mehr Geld für ihre Produktionen haben. ski

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.