Jede Herberge ein Unikat

Menschen / 21.12.2022 • 17:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Richard Scherrer bei der Eröffnung der Ausstellung. Die Krippen werden immer auch mit kirchlichem Segen versehen.
Richard Scherrer bei der Eröffnung der Ausstellung. Die Krippen werden immer auch mit kirchlichem Segen versehen.

Die Krippenausstellung von Richard Scherrer im LKH Feldkirch hat Tradition.

Übersaxen Eigentlich sollten die Ausstellungsstücke morgen, Freitag, abgeräumt werden. Doch Richard Scherrer (57) wird seine Krippen im Foyer des Landeskrankenhauses Feldkirch über Weihnachten hinaus dort belassen. Sie sollen Patienten, die an diesen besonderen Tagen nicht zu Hause sein können, zur Freude gereichen, denn er weiß: „Die Krippen gefallen den Leuten.“ Und so manche Herberge verlässt mit dem Patienten das Spital. Seit elf Jahren erfreut der Pflegeassistent zur Adventzeit die Menschen, die sich im Haus aufhalten, mit handgefertigten Krippenkreationen, die während der Herbstmonate in seiner Werkstatt in Übersaxen entstehen.

Krippen in Laternen

Ab September gehören die Abende von Richard Scherrer dem Krippenbau. Die Liebe dazu entdeckte er bereits mit 12. Nach dem Besuch eines Krippenbaukurses ließ ihn die Leidenschaft nicht mehr los. Es ist die Kreativität, die ihn fasziniert. „Ich arbeite nicht nach Plan, sondern einfach drauflos“, erzählt Scherrer. Auf diese Weise kann er seiner Fantasie freien Lauf lassen, und entsprechend vielfältig nehmen sich die Ergebnisse aus. So entstehen neben traditionellen heimatlichen auch orientalische, Krippen in Laternen oder antiken Amphoren. Die kleinen Wurzel- und Rahmenkrippen eignen sich sogar als Wandschmuck. Zum Einsatz kommen nur Naturmaterialien. Richard Scherrer sammelt während des ganzen Jahres bei Spaziergängen und Wanderungen, was ihm in die Finger kommt. Alte Holzschindeln, Wurzelstöcke, Lärchenrinde, dürre Äste, Kleinpflanzen und Moos: Was sich zur Ausgestaltung einer Krippe eignet, wandert in den Rucksack, wird nach Hause getragen und in liebevoller Kleinarbeit verwertet. „Durchschnittlich 25 Arbeitsstunden stecken in jeder Krippe“, verrät Scherrer. Keine davon ist ihm zu viel. Die Freude, die er mit seinen Krippen bei Patienten und Besuchern des LKH Feldkirch verbreitet, ist ihm Dankbarkeit genug.

Ausgleich zur Arbeit

Zudem beschert ihm dieses Hobby einen willkommenen Ausgleich zu seiner Tätigkeit als Krankenpfleger, die er schon mehr als 36 Jahre ausübt. Zum einen ist Richard Scherrer als Pflegeassistent in der urologischen Ambulanz zugange, zum anderen OP-Assistent. Zum Pflegeberuf kam der gelernte Tischler über das Bundesheer. Beim Militär leistete er Sanitätsdienst. „Die Arbeit hat mich sofort angesprochen“, erinnert er sich. Von da an war der Weg zur Pflegeausbildung praktisch vorgezeichnet.

Selbstredend wird auch bei den Scherrers eine Krippe aus der Hand des Hausherrn stehen. Was an Krippen von der Ausstellung im Landeskrankenhaus Feldkirch übrigbleibt, verstaut der Krippenbauer sorgfältig, um sie im nächsten Jahr zu reaktivieren, mit anderen Details versehen versteht sich, denn jede seiner Herbergen ist und bleibt ein Unikat. VN-MM

„Ich arbeite nicht nach Plan, sondern einfach drauflos. So lasse ich meiner Fantasie freien Lauf.“

Seine Arbeit als Pflegeassistent erfüllt ihn genauso wie das Krippenbauen. KHBG
Seine Arbeit als Pflegeassistent erfüllt ihn genauso wie das Krippenbauen. KHBG
Fast alles an den Krippen besteht aus Naturmaterialien. Vieles davon hat Richard Scherrer gesammelt.
Fast alles an den Krippen besteht aus Naturmaterialien. Vieles davon hat Richard Scherrer gesammelt.
Die Ausgestaltung des Stalls, in dem Jesus vor langer Zeit zur Welt gekommen ist, hat auch bei Richard Scherrer viele Facetten.
Die Ausgestaltung des Stalls, in dem Jesus vor langer Zeit zur Welt gekommen ist, hat auch bei Richard Scherrer viele Facetten.

Zur Person

Richard Scherrer

Alter 57

Wohnort Übersaxen

Laufbahn Tischlerlehre, Militärdienst, Pflegeausbildung

Familienstand verheiratet, 2 Kinder

Hobbys Wandern, Biken, Akkordeonspielen

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