Tod eines Ex-Papst ist Neuland für Vatikan

Menschen / 29.12.2022 • 11:46 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Tod eines Ex-Papst ist Neuland für Vatikan
Benedikt XVI. bei einer Audienz im Jahr 2005. Was im Falle eines Ablebens des 95-Jährigen in der katholischen Kirche geschehen wird, ist nicht bekannt. Canva, APA/AFP/VINCENZO PINTO

Wie das Drehbuch zum Tod des emeritierten Pontifex Benedikt XVI. aussehen könnte, ist unklar – kein Wunder, schließlich trat mehr als 700 Jahre lang kein Papst zurück.

Vatikanstadt Im Vatikan ist detailreich geregelt, was zu tun ist, wenn ein Papst stirbt. Allerdings beziehen sich fast alle Vorschriften – etwa des Konklaves zur Wahl eines neuen Katholikenoberhauptes – auf den Tod eines amtierenden Papstes.

Wie aus dem Vatikan zu hören ist, hat Papst Franziskus den Ablauf nach dem Tod seines Vorgängers geregelt und mit dem Zeremonienmeister abgesprochen. Öffentlich gemacht wurde der Plan bisher aber nicht.

Ein Porträtbild vom emeritierten Papst Benedikt XVI. steht hinter Andachtskerzen im Paderborner Dom.  <span class="copyright">APA/dpa/Lino Mirgeler</span>
Ein Porträtbild vom emeritierten Papst Benedikt XVI. steht hinter Andachtskerzen im Paderborner Dom. APA/dpa/Lino Mirgeler

Laut der von Johannes Paul II. verfassten Apostolischen Konstitution “Universi Dominici Gregis” von 1996 müsste der Kardinalvikar von Rom die Bevölkerung über den Tod des Papstes unterrichten. Inzwischen aber gehen Experten davon aus, dass der Heilige Stuhl eine Presseerklärung herausgeben wird. Etliche weitere Vorschriften, etwa über die Fortführung der Amtsgeschäfte, müssen beim Tod von Benedikt nicht angewandt werden, weil ja Franziskus im Amt ist und es daher keine Sedisvakanz – also keinen unbesetzten Papststuhl – gibt.

“Die Beerdigung für einen Papst emeritus ist die Beerdigung für den Bischof emeritus von Rom”, sagte der Kirchenhistoriker Alberto Melloni. Ganz beispiellos wäre die Situation im Falle von Benedikt XVI. nicht. Denn Diözesen weltweit hätten sich bereits damit befasst, wie pensionierte Bischöfe zu ehren seien, sagte Melloni. Weil Benedikt einmal Staatsoberhaupt war, würde seine Trauerfeier wahrscheinlich aufwendiger ausfallen.

Normalerweise organisieren die Kardinäle nach dem Tod eines Papstes Trauerfeierlichkeiten für neun Tage – dass dies auch bei Benedikt so lang sein wird, ist unwahrscheinlich. Ziemlich sicher soll der gebürtige Bayer aber eine Beisetzung als Papst im Petersdom ähnlich wie seine Vorgänger bekommen. Den Trauergottesdienst dürfte Franziskus selbst zelebrieren, soweit er das wegen seines Knieleidens kann.

Der amtierende und der emeritierte Papst bei einem Treffen im Juni 2017. <span class="copyright">AFP PHOTO / OSSERVATORE ROMANO</span>
Der amtierende und der emeritierte Papst bei einem Treffen im Juni 2017. AFP PHOTO / OSSERVATORE ROMANO

Damit diese mehr Zeit für die Anreise hätten und um den einstigen Status Benedikts als Papst zu würdigen, würde sein Leichnam vermutlich über mehrere Tage im Petersdom aufgebahrt. So war das auch bei früheren Päpsten. Noch in Erinnerung geblieben sind die langen Schlangen von Pilgern, die sich tage- und nächtelang angestellt hatten, um nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. 2005 diesen zu ehren.

Spannend wird werden, welche politischen Würdenträger zu der Beerdigung anreisen. Benedikt war zwar als Pontifex das Oberhaupt des Kirchenstaates; durch die jüngsten Entwicklungen rund um jahrzehntelange Missbrauchsskandale legte sich aber ein Schatten über das Leben und Wirken des früheren Papstes. Dies könnte manchen Politiker veranlassen, nicht nach Rom zu reisen. Viele Kardinäle – vor allem jene, die Benedikt selbst während seines Pontifikats in das Kardinalskollegium geholt hatte – dürften kommen.

Wie die Nachrichtenagentur Adnkronos berichtete, hatte Benedikt schon 2020 angegeben, dass er in der Krypta des Petersdom beigesetzt werden will. Als genauen Platz wählte er die erste Grabstelle von Johannes Paul II. in der Papstgruft; dort lag der beliebte Pole, bis die sterblichen Überreste nach seiner Seligsprechung 2011 in eine Kapelle im rechten Seitenschiff der Peters-Basilika gebracht wurden.

Präzedenz-, aber kein Einzelfall

Der Geschichtsprofessor Christopher Bellitto von der Kean University im US-Staat New Jersey sagte, die ungewöhnliche Entscheidung von Benedikt, als Papst zurückzutreten, würde sich wahrscheinlich auch auf den Ablauf nach dessen Tod auswirken. Benedikt hatte 2013 seinen Rückzug bekanntgegeben. Nicht nur sein Titel, Papst emeritus, sondern auch sein Entschluss, weiterhin das weiße Papstgewand zu tragen, waren eine Neuerung für die katholische Kirche. Der Rücktritt eines Papsts werde künftig weniger ungewöhnlich sein, vermutete Bellitto.

“Die Schlagzeilen werden lauten: “Ein Papst bestattet einen anderen””, teilte Bellitto in einer E-Mail mit. “Das stimmt nicht. Um es klar zu machen: Benedikt ist der frühere Papst.” APA, AP

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