Geburtstag im “goldenen Wüstenkäfig”

Menschen / 04.01.2023 • 21:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Spaniens Altkönig Juan Carlos wird 85.

Madrid Seit dem Heimatbesuch von Juan Carlos vor mehr als sieben Monaten haben die Spanier kein einziges Wort mehr von ihrem skandalumwitterten Altkönig gehört. Man weiß zum Beispiel nicht, wie das frühere Staatsoberhaupt im Exil im Wüstenemirat Abu Dhabi Weihnachten verbracht hat. Und auch nicht, wie der vor zweieinhalb Jahren verbannte Vater von König Felipe VI. heute, Donnerstag, seinen 85. Geburtstag begehen wird.

Auch wenn Juan Carlos in Abu Dhabi laut Medien von unermesslichem Luxus umgeben sein soll wird er zum dritten Mal infolge einen traurigen Geburtstag im „goldenen Wüstenkäfig“ erleben, wie mehrere Zeitungen schrieben.

Der Hauptgrund: Eine Rückkehr in die Heimat gilt vorerst als ausgeschlossen. Obwohl in Spanien inzwischen alle Ermittlungen wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten gegen ihn eingestellt wurden, wollen Felipe (54)  und dessen Gattin Letizia (50), Juan Carlos‘ Ehefrau Sofía (84) und der größte Teil der Königsfamilie den Ex-Monarchen Berichten zufolge weiterhin so weit wie möglich auf Distanz halten.

Als Volksheld verehrt

Doch wie konnte der Mann, der fast 40 Jahre lang Spaniens Staatsoberhaupt war, so tief fallen? Lange galt er in seiner Heimat als Volksheld. In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre hatte er neben Politikern wie Adolfo Suárez dafür gesorgt, dass der Übergang von der Diktatur (1939-1975) des „Generalísimo“ Francisco Franco zur Demokratie nahezu reibungslos verlief. 1981 konnte er sogar eine Putschistengruppe mit einer resoluten Rede zur Aufgabe bewegen, wofür er als „Retter“ der Demokratie gefeiert wurde. Doch dann kam das Jahr 2012. Nur weil er in der Nacht auf dem Weg zur Toilette stürzte und sich die Hüfte brach, erfuhren die Spanier in jenem April, dass ihrem König auf dem Höhepunkt einer schlimmen Wirtschaftskrise wirklich nichts Besseres eingefallen war, als im afrikanischen Botsuana Elefanten zu töten.

Ein Aufschrei der Empörung ging durchs Land. Unter anderem auch deshalb, weil Juan Carlos wenige Monate zuvor die Bürger in seiner Weihnachtsansprache zur Sparsamkeit aufgerufen hatte. Medien erinnerten damals daran, dass ein Safari-Jäger in Botsuana für die Jagdlizenz 25.000 Euro und für jeden abgeschossenen Elefanten 20.000 Euro zahlen müsse. Dass Juan Carlos 2012 noch Ehrenpräsident des spanischen Zweigs der Umweltschutz-Organisation WWF war, heizte die Stimmung gegen den Monarchen damals zusätzlich an.

2014 Abschied vom Thron

Emotional und auch gesundheitlich schwer angeschlagen, nahm Juan Carlos am 19. Juni 2014 Abschied vom Thron. Ruhe kehrte damit aber keineswegs ein. Weitere Skandale im privaten Bereich sowie finanzielles Fehlverhalten setzten dem „rey emérito“, dem emeritierten König, weiterhin schwer zu. Da darunter auch das Ansehen des Königshauses immer mehr litt und die Rufe nach einer Abschaffung der Monarchie immer lauter wurden, verließ Juan Carlos am 3. August 2020 in seine Heimat.

Offiziell tat er das freiwillig. In Spanien gilt es aber als offenes Geheimnis, dass er von Sohn Felipe und der linken Regierung alternativlos ins Exil geschickt wurde.

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