Ein Auto aus dem 3D-Drucker

Menschen / 13.01.2023 • 16:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Saša Cokić will ein Auto drucken, das auch fahren wird. VN/Rauch
Saša Cokić will ein Auto drucken, das auch fahren wird. VN/Rauch

Saša Cokić baut sich ein funktionierendes Auto aus Bambus und 3D-Druckteilen.

Kennelbach „3D-Druck war immer schon ein Hobby von mir“, erklärt Saša Cokić. „Du bist daheim und kannst kuriose Sachen machen.“ Während andere meist hilfreiche Kleinigkeiten für das Eigenheim drucken, lebt der technikaffine Kennelbacher seine Kreativität aus: Angefangen hat es mit einem Roboterkopf. „Interessant sind die Drucke, die aus mehreren Komponenten bestehen und dann zusammengebaut werden müssen“, schätzt der IT-Techniker die Puzzlearbeit. Bald hielt seine geduldige Freundin als Dankeschön ein Modellauto in den Händen.

Die Geburt einer Idee

Die grenzenlosen Möglichkeiten der Technik inspirierten einen Freund, ein Flugzeug aus dem 3D-Drucker zu erträumen. „Da sagte ich, wir bleiben mal auf dem Boden, o. k.?“, erinnert sich Cokić, und schon war die Auto-Idee geboren. Geschichten wie jene eines Vater-Sohn-Gespanns, das sich einen Lamborghini druckte und damit die Aufmerksamkeit der Autoschmiede erregte, inspirierten ihn.

Das Auto ist dem gelernten Kfz-Mechaniker, der sich nach einer Handverletzung zum Informatiker umschulte, kein unbekanntes Land. Um sich urheberrechtlich abzusichern, nahm er Kontakt mit verschiedenen Sportwagenherstellern auf. Die waren jedoch vorsichtig, also wurde der Kennelbacher schlussendlich in der Onlinegemeinschaft fündig. Von einem 3D-Designer ließ er sich im Frühjahr den Fahrzeugentwurf eines anderen Designers für den Drucker anpassen, nicht ganz ohne Startschwierigkeiten.

Kontakt zu Uhu

Doch davon ließ er sich nicht einbremsen, Cokić stürzte sich in das Projekt: „Wenn man mich fragen würde, was das Projekt kostet, müsste ich sagen: Ich bin eine Projektpfeife, ich mache einfach.“ Seitdem ist das Wohnzimmer die Werkstätte des 37-Jährigen. Meist laufen die Drucker zu Hause stundenlang, während Cokić quasi auf der anderen Straßenseite für Gebrüder Weiss arbeitet. Allein eine Tür braucht 143 Stunden, bis sie gedruckt ist. Am Abend werden die Teile zusammengeklebt. „Ich habe mit Uhu schon Kontakt aufgenommen“, verrät der Autodrucker. Er hofft, dass diese ebenso begeistert sind, wie er selbst es ist. Begeistert ist der Kennelbacher auch davon, mit welcher Engelsgeduld seine Freundin die gesamte Aktion begleitet.

Wirklich alles kann jedoch nicht aus dem 3D-Drucker kommen, wenn das Auto auch fahren soll. Da die Drucke aufgrund des Schichtsystems der 3D-Drucker Krafteinwirkungen nicht aus allen Richtungen gleich gut verkraften, müssen manche Kernelemente gegossen werden. Auch Elektromotor und Schrauben werden beispielsweise nicht Marke Eigenbau sein. Und der Rahmen selbst ist aus Bambus. „Es geht auch darum bei dem Auto, die Industrie ein bisschen aufzurütteln“, will er im Versuch herausfinden, was alles möglich sein könnte.

Oberflächenbehandlung

Nachhaltigkeit ist Cokić dabei ein Anliegen: „Wir können nicht jedes Jahr sagen, Klimawandel gibt es nicht.“ Das Druckmaterial gilt als biologisch abbaubar, was aber neue Herausforderungen mit sich bringt: „Ich habe es mit einer Wärmebildkamera getestet, ab einer Oberflächentemperatur von 55 Grad lässt sich das Material biegen wie Butter.“ Eine besondere Oberflächenbehandlung dürfte die Karosserie aber widerstandsfähiger machen. Schließlich soll das Auto nicht nur im Schatten fahren können. Die Aufhängung der Druckteile am Bambusrahmen wird die nächste große Herausforderung. Schlussendlich soll das gedruckte Auto aber auch fahren. Ein bisschen Recherche eröffnete hier tatsächlich eine Möglichkeit: Mit der richtigen Motorisierung und einer Geschwindigkeitsbeschränkung von zehn km/h dürfte selbst dies gesetzeskonform möglich werden. Trotzdem will er es vor der Testfahrt einem Sachverständigen zeigen. Glücklich ist Cokić, wenn sich am Ende ein technisches Museum für das Auto begeistern kann. VN-RAU

„Es geht bei dem Auto auch darum, die Industrie ein bisschen aufzurütteln.“

Weit über 100 Stunden fließen in so eine Autotür. Cokić
Weit über 100 Stunden fließen in so eine Autotür. Cokić
Der Roboterkopf war einer der ersten Versuche mit dem 3D-Druck.Cokić
Der Roboterkopf war einer der ersten Versuche mit dem 3D-Druck.Cokić
Saša arbeitet seit Monaten an seinem eigenen Auto und will es auch auf die Straße bringen. Cokić
Saša arbeitet seit Monaten an seinem eigenen Auto und will es auch auf die Straße bringen. Cokić

Zur Person

Saša Cokić

Alter 37 Jahre

Familienstand in einer Beziehung

Beruflicher Werdegang HTL Elektrotechnik, Ausbildung als Kfz-Mechaniker und Ausbildung zum Informatiker. Derzeit Informatiker für Gebrüder Weiss.

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