Max Frisch-Preis an Michael Köhlmeier

Kultur / 09.06.2026 • 19:37 Uhr
Max Frisch-Preis an Michael Köhlmeier
Der Max Frisch-Preis ist einer der renommiertesten und höchstdotierten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum.VLK/Hassiepen

Würdigung seiner bedeutende Rolle in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

Zürich Die Stadt Zürich zeichnet den Vorarlberger Schriftsteller Michael Köhlmeier mit dem Max Frisch-Preis 2026 aus. Der mit 40.000 Franken dotierte Preis wurde am Sonntag, 7. Juni, im Rahmen einer öffentlichen Feier im Schauspielhaus Zürich übergeben. Damit würdigt die Stadt, auf Empfehlung der Max Frisch-Stiftung, einen Autor, der seit mehr als vier Jahrzehnten zu den prägenden Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur zählt.

Köhlmeier, 1949 in Hard geboren, hat ein Werk geschaffen, das sich kaum auf eine Form festlegen lässt. Es umfasst Romane, Erzählungen, Essays, Gedichte, Nacherzählungen antiker Mythen und biblischer Stoffe, Hörspiele und Reden. Gerade diese Beweglichkeit, die Lust am Erzählen und zugleich das Beharren auf moralischer Genauigkeit machen ihn zu einem Autor, der weit über Österreich hinaus gelesen wird. Die Jury nennt ihn einen „kühnen Erzähler und leidenschaftlichen Denker”, dessen Bücher „mal raumgreifend, mal schmal, immer aber über Wahrheit, Moral und die Gefährdungen unserer demokratischen Kultur” nachdenken.

Diese Begründung trifft einen Kern von Köhlmeiers Schreiben. Seine Literatur sucht nicht den Rückzug ins Private, auch wenn sie oft von Biografien, Familiengeschichten und existenziellen Entscheidungen ausgeht. Immer wieder öffnet sie sich auf größere historische und gesellschaftliche Zusammenhänge. Der 2007 erschienene Roman „Abendland”, der es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffte, entwirft ein Panorama des 20. Jahrhunderts, in dem politische Umbrüche, kulturelle Prägungen und persönliche Verstrickungen ineinandergreifen.

Literarisches Gesamtwerk

Im selben Jahr wurde Köhlmeier mit dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur geehrt, der sein literarisches Gesamtwerk auszeichnet. In seinem 2025 erschienenen Roman „Die Verdorbenen”, der auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand, richtet Köhlmeier den Blick auf die Natur des Bösen und auf Zonen, in denen moralische Gewissheiten brüchig werden. Die Laudatio hielt der deutsche Schriftsteller, Essayist und Übersetzer Karl-Heinz Ott, ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.

Neben Köhlmeier wurde auch der Max Frisch-Förderpreis vergeben. Er geht an Ozan Zakariya Keskinkılıç und ist mit 10.000 Franken dotiert. Mit ihm ehrt die Stiftung eine Stimme der jüngeren Generation, die sich kritisch und künstlerisch mit gesellschaftlichen Strukturen auseinandersetzt.

Der Max Frisch-Preis geht auf einen Stipendienkredit zurück, der zum 70. Geburtstag Max Frischs eingerichtet wurde. 1996 wurde daraus auf Anregung der Max Frisch-Stiftung der heutige Preis. Ausgezeichnet werden Autorinnen und Autoren aus dem deutschsprachigen Raum, deren Arbeit in künstlerisch kompromissloser Form Grundfragen demokratischer Gesellschaften berührt. Er wird alle vier Jahre vergeben und ist insgesamt mit 50.000 Franken dotiert. Zu den bisherigen Trägerinnen und Trägern zählen Tankred Dorst, Jörg Steiner, Ralf Rothmann, Barbara Honigmann, Robert Menasse, Maja Haderlap und Jonas Lüscher.