Wohnkosten in Vorarlberg ziehen davon

Miete / 07.06.2021 • 05:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wohnkosten in Vorarlberg ziehen davon

Mietpreise sind in den vergangenen zehn Jahren um beinahe 40 Prozent gestiegen.

SCHWARZACH 9,57 Euro pro Quadratmeter und Monat hat die durchschnittliche Wohnungsmiete inklusive Betriebskosten im vergangenen Jahr in Vorarlberg betragen. Im österreichweiten Vergleich ist das ein Spitzenwert, wie den Daten zu entnehmen ist, die die Statistik Austria führt. Etwas höher war der Preis mit 9,90 Euro nur in Salzburg. Deutlich niedriger war er im Südosten der Republik: In Kärnten handelte es sich um 6,49 Euro, im Burgenland gar nur um 6,43 Euro.

Der Eindruck, dass Mieten immer teurer wird, täuscht nicht. Seit 2010 ist der durchschnittliche Quadratmeterpreis hierzulande um 39 Prozent gestiegen. „Ganz grob kann man sagen, dass der Anstieg in den vergangenen zehn Jahren zweimal größer war als die Inflationsrate“, erklärt Wolfgang Amann, geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen. Schwacher Trost: „Der Preisanstieg für Eigentum war noch einmal so groß.“

Nachfrage als Preistreiber

Für das hohe Preisniveau in Vorarlberg sieht der Experte zahlreiche Gründe. So werde zwar viel gebaut, es gebe aber auch eine beträchtliche Nachfrage: „Der wirtschaftliche Erfolg des Landes zieht Menschen an, führt zu stärkerer Zuwanderung und damit auch mehr Nachfrage auf dem Immobiliensektor als in anderen Bundesländern.“ Anderseits gebe es relativ wenige Altbauten. „In Wien sind sehr viele Gebäude vor 1945 errichtet worden und fallen damit unter die Bestimmungen des Richtwertgesetzes“, so Amann: „Das ist ein Regelwerk, das preisdämpfend wirkt. In Vorarlberg sind die meisten Häuser, in denen sich Mietwohnungen befinden, nach 1945 errichtet worden, viele erst in den vergangenen Jahren. Hier ist die Preisgestaltung frei.“

Traditionell gering ist in Vorarlberg wiederum der Anteil gemeinnütziger Wohnungen, die weniger teuer sind. Immerhin aber wächst dieser Sektor: „In den frühen 2000ern entstanden 200 bis 300 geförderte Wohnungen pro Jahr. 2017 waren es fast 800.“ Zuletzt seien es weniger als 500 pro Jahr gewesen, aber noch immer mehr als ursprünglich. Auffallend sei auch, dass solche Wohnungen zunehmend außerhalb der Städte, in kleineren Gemeinden gebaut werden: „Die Vogewosi hat mittlerweile Anlagen von Hohenweiler im Norden des Landes bis Gaschurn im Süden.“

Referenzwerte feststellen

Von Rufen nach staatlich regulierten Preisen hält der Experte nichts: „Das geht in die falsche Richtung.“ Wirkungsvoller wäre seiner Überzeugung nach ein ganz anderer Ansatz: „Es wäre sehr leicht möglich, für jede Wohnung einen Referenzwert feststellen zu lassen. Damit könnte ein Informationsgleichstand zwischen Anbietern und Interessenten hergestellt werden bzw. eine solide Grundlage für faire Preisverhandlungen.“

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.