VN-Fahrbericht: Einfach nur Carrera

Mobilität / 07.09.2019 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Auch in der jüngsten 911-Generation schmückt sich die Einsteiger-Variante wieder mit dem schlichten Namenszusatz Carrera.

Wenn eine Baureihe bei 385 PS und 450 Newtonmeter Drehmoment beginnt, wirkt der Begriff „Basismodell“ ein wenig deplatziert. Für die aktuelle, erst im Jänner des heurigen Jahres vorgestellte und somit achte Generation der ewigen Sportwagen-Ikone 911 startet der Ausbau nun erst einmal nach unten, bevor es demnächst auch am oberen Ende mit den hitzigen GT-Versionen weitergeht.

Porsche hat sich aber alles andere als lumpen lassen: 385 PS und 450 Newtonmeter sind eine ansehnliche Mitgift, dazu reichen die Stuttgarter die gleiche Ausstattung wie im 65 PS stärkeren Carrera S. Das 10,9 Zoll große Multimedia-Display und der Wet-Modus für sensible Kraftausübung bei schlechten Straßenverhältnissen sind serienmäßig an Bord, ebenso die achtgängige Doppelkupplungs-Automatik.

Auch gegen Aufpreis nicht erhältlich sind lediglich die mitlenkende Hinterachse und die aktive Chassis-Kontrolle. Äußerlich bleiben die Unterschiede auf diskretere Mischbereifung mit 19 Zoll vorne und 20 Zoll hinten sowie die einrohrigen Auspuffblenden beschränkt. Für den Schmerz, dass es keine echten Röhren sind, wären 3.201,77 Euro das geeignete Gegenmittel: Zu diesem Preis steht eine Sportabgasanlage mit metallenen Endrohren in der Aufpreisliste.

Die Fahrfreude im Carrera kommt auch ohne die nicht zu kurz, selbst akustisch nicht – und der kernige Klang schwächelt subjektiv auch gegenüber dem des S-Modells nicht. Der 3-Liter Boxer mit Doppelturbo im Heck ist ebenfalls derselbe, für die reduzierte Leistung wurden allerdings kleinere Turbolader verbaut. Mit einer entschärften Software wäre der Effekt vermutlich auch erzielbar gewesen – die gewohnt eifrige Tuning-Branche hätte den Code aber wohl rasch geknackt.

Die 385 Pferde traben, auch ganz gleich wie im Carrera S, sehr linear an. Es gibt praktisch kein spürbares Turboloch, auch kein Abreißen im höheren Drehzahlbereich – das Potenzial eines Biturbos mit der Harmonie eines Saugmotors. Beherrschbarkeit von hohen Leistungen ist seit je her eine 911-Tugend, die auch der Carrera mit Leichtigkeit übernimmt. Kraft und Handling bleiben bis an den Grenzbereich in Balance – obwohl der 911 durchaus vermittelt, dass die Musi an der Hinterachse spielt. In engen Kurvenfolgen wird die zum zuverlässigen Bewegungsmelder, selbst wenn die Stabilitätskontrolle nicht per Knopfdruck karenziert wurde.

Wer sich auf das eigene Talent ohne elektronische Hilfen einlässt, bekommt ausreichend Übungspotenzial. Sogar mit besonderem Echtheits-Bonus: Die Absenz der Vierrad-Lenkung macht sich kaum in weniger Wendigkeit, sondern sogar mit eventuell zuverlässigerem Feedback an Kurvenein- und -ausgang bemerkbar.Wer es lieber in klassischen Kennzahlen hat: 4,2 Sekunden fallen für den Spurt auf die erste Hundertermarke an, weitere 10 vergehen bis zur zweiten, die dritte geht sich knapp nicht aus – bei 293 km/h endet der Spaß. Frischluftfreunde werden im Carrera Cabriolet mit gleicher Leistungsausbeute bedient, müssen dafür allerdings knapp 18.000 Euro mehr ansparen als für das Coupé. Porsche rechnet dennoch mit einem Mix von 60:40 zugunsten der offenen Variante. Stefan Pabeschitz

Fakten und Daten

Motor/Antrieb 3,0 Liter Biturbo-Boxer, 385 PS (283 kW) bei 6500 U/min, 8-Gang Automatik Fahrleistung/Verbrauch 0-100 km/h 4,2 Sek. (Cabriolet 4,4 Sek.), Höchstgeschwindigkeit 293 km/h Preis 127.657 Euro (Cabriolet 145.822 Euro) Preis 127.657 Euro (Cabriolet 145.822 Euro)