Wasserstoff und Batterie: Das sind die neuen Autos aus Japan

Mobilität / 23.10.2019 • 16:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Autonom und elektrisch: In Tokio zeigen die japanischen Hersteller, wie sie sich die Zukunft vorstellen. REUTERS

Das erwartet uns aus Fernost: Die Tokyo Motor Show gibt einen Ausblick auf die Mobilität von morgen.

Tokio Bei rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen hatten sich die japanischen Hersteller lange zurückgehalten. Damit ist jetzt Schluss. Die Elektromobilität nimmt auch im Land der aufgehenden Sonne Fahrt auf. Die Zeit scheint reif zu sein, wie die Tokyo Motor Show zeigt. Gleich mehrere Weltpremieren von bereits fertigen Fahrzeugen oder Studien, die seriennah in die Zukunft weisen, zeugen davon, dass Japan für das Stromzeitalter gerüstet ist. Wobei die Ansätze unterschiedlich sind. Toyota demonstriert mit der zweiten Generation seines Wasserstoffautos Mirai, dass der Strom nicht zwingend aus der Steckdose kommen muss. Zumindest nicht, wenn Autos für lange Strecken konzipiert sind. Bei kleinen Fahrzeuge für den urbanen Einsatz führt aber auch beim Weltmarktführer kein Weg am Batterieauto vorbei.
Während Honda schon vor der Messe ein E-Auto in den Startlöchern hatte, feiert mit dem Mazda MX-30 ein schickes SUV mit Stromantrieb Weltpremiere. Auch Nissan setzt auf die Kombination aus Batterieantrieb und Crossover-Karosserie. Eine seriennahe Studie zeigt jedenfalls, wohin die Reise geht.

Mit dieser Studie gibt Mitsubishi einen Ausblick auf einen Plug-In-Hybridantrieb mit vier Elektromotoren. VN/Gasser

Eine Reise treten praktisch alle japanischen Hersteller gemeinsam an: jene der Elektrifizierung der Antriebe. Hybride stehen traditionell hoch im Kurs. Jetzt wird die Schlagzahl noch einmal erhöht.

In Tokio stehen in diesen Tagen die Autos der Zukunft im Scheinwerferlicht. Zu den heimischen Händlern kommen die meisten davon erst mit einiger Verzögerung. Bis es soweit ist, vertrauen die japanischen Hersteller auf ihre bestehende Modellpalette. Viele davon haben sich zu Bestsellern entwickelt. Der Fahrzeugabsatz in Österreich ist konstant gut. Der Marktanteil der japanischen Autos liegt in den ersten neun Monaten des Jahres bei 11,3 Prozent. Das Markenranking führt Mazda (MA 2,9 Prozent) vor Suzuki (2,7 Prozent) und Toyota (2 Prozent) an. Meist verkauftes Modell ist der Mazda CX-3 (1965 Stück), gefolgt vom Nissan Qashqai (1928) und dem Mazda CX-5 (1826).

Mit der Elektro-Offensive aus Fernost kommen in den nächsten Monaten neue Stromer und Hybride auf den Markt. Sie sollen die Akzeptanz alternativer Antriebe weiter beflügeln. Für das aktuelle Jahr gehen Prognosen von einem Marktanteil rein elektrisch angetriebener Autos in Österreich von 2,7 Prozent aus (9200 Fahrzeuge). Und das ist erst der Anfang.

Mazda springt auf Elektrozug auf

Nun also auch Mazda! Die Zurückhaltung beim Thema Elektroauto hat der Hersteller aus Fernost jetzt endgültig abgelegt uns sein erstes reines Batterieauto als Premiere auf die Bühne der Heimmesse in Tokio gestellt. Der Strom-Mazda basiert auf keinem bestehenden Modell, ist vielmehr von Grund auf als Elektrofahrzeug konzipiert. Auch optisch hebt sich der MX-30 von seinen „Benzinbrüdern“ ab, kommt mit einem eigenständigen Design daher. Markantes Detail des schicken SUV: die schmalen nach hinten öffnenden Fondtüren.

Das ist der elektrische Mazda MX-30, der Mitte 2020 auch in Europa erhältlich sein wird. VN/Gasser

Für die Marke typisch ist der eher minimalistische Ansatz. Statt Mega-Batterie setzt Mazda auf Vernunft und kleinere Reichweiten. 35,5 kWH-Lithium-Ionen-Akkus ermöglichen rund 250 Kilometer, womit die meisten Kunden das Auslangen finden sollten. Laut nachgedacht wird schon länger über einem möglichen Range-Extender in Form eines kleinen Wankelmotors, der die Reichweite auch über die Alltagbedürfnisse anheben soll.

Das ist allerdings noch Zukunftsmusik. Die Gegenwart rollt bereits in der zweiten Jahreshälfte 2020 zu den heimischen Händlern. Kleinere Batterien sollen für leistbare Preise sorgen und der E-Mobilität zum Durchbruch verhelfen. Die Zahlen jedenfalls kennen nur eine Richtung: steil nach oben. 2015 wurden in Österreich lediglich 1806 Elektroautos zugelassen. Für 2020, wenn auch Mazda auf den Elektrozug aufspringt, sind bereits 12.800 Fahrzeuge prognostiziert.

Elektrisches Crossover-Konzept weist in die Zukunft

Nissan erfindet sich gerade neu. Und wie die Zukunft der Marke aussehen wird, darauf gibt das Konzeptfahrzeug Ariya einen Vorgeschmack. Die Studie ist ein Elektro-Crossover, das nicht weniger als der Beginn einer neuen Ära des Herstellers darstellt. Sie steht für intelligente Mobilität der Zukunft und weist in eine neue Designrichtung für das Zeitalter des autonomen Fahrens. Die technische Basis ist eine reine Batterieplattform, die neue Proportionen ermöglicht. Kurze Überhänge schaffen im Innenraum ungeahnte Platzverhältnisse. Für Vortrieb sorgen zwei Elektromotoren. Versprochen wird exzellentes Kurvenverhalten durch ein Hochleistungs-Allradsystem.

Das Elektro-SUV von Nissan kommt laut VN-Informationen bereits nächstes Jahr. Auch beim Design soll die Studie bereits nahe am Serienmodell sein.

Honda setzt den Jazz unter Strom

Neben Visionen gibt es in Tokio auch Handfestes. So feiert Honda etwa die Premiere der nächsten Generation des Jazz und kündigt die Elektrifizierung aller Volumensmodelle bereits bis 2022 an. Der neue Jazz setzt auf alte Stärken, bietet bei kompakten Abmessungen ein außerordentliches Raumangebot. Um die Emissionsziele in Europa erreichen zu können, fährt die Neuauflage ausschließlich mit der bereits aus dem CR-V bekannten Two-Motor-Hybridtechnologie vor. Neu ist zudem eine Variante des Jazz, die sich optisch abhebt: Die Crosstar-Version bietet eine leicht erhöhte Sitzposition und einen eigenständigen Grill. Marktstart ist Mitte 2020.

So sieht die nächste Generation des Honda Jazz aus, die Mitte 2020 nach Europa kommt. Reuters

Wasserstoff neu verpackt

Weltmarktführer Toyota setzt seinen Weg unbeirrt fort: Auf langen Strecken führt für die Japaner kein Weg am Brennstoffzellenauto vorbei. Noch ehe das erste Batteriefahrzeug auf die Straße kommt, feiert auf der Messe in Tokio jetzt die zweite Auflage des mit Wasserstoff betriebenen Mirai Weltpremiere.

Die nächste Generation des Mirai steht in den Startlöchern.

Zum ursprünglichen Technologieträger, der bereits seit 2014 als erstes Serienmodell seiner Art zu haben ist, hat sich augenscheinlich einiges getan. Toyota hat die futuristischen Formen geglättet und liefert in der nächsten Generation eine auch optisch gefällige Limousine. Der neue Mirai ist flacher und länger, seine zukunftsweisende Technik wird nicht mehr offensiv zur Schau gestellt. Dabei hat sich auch unter der Haube viel getan. Der überarbeitete Antrieb ist deutlich effizienter. Der Hersteller verspricht eine Reichweitensteigerung von 30 Prozent, womit der fast fünf Meter lange Fünfsitzer jetzt 500 Kilometer weit kommen soll. Die Langstrecke ist das Zuhause des Wasserstoff-Stromers, der in wenigen Minuten betankt werden kann. Auch was die Produktionszahlen betrifft, will Toyota weiter aufs Tempo drücken. Mit rund 30.000 Einheiten im Jahr wird es eine Verdreifachung geben.

Während in Japan der Ausbau von Wasserstofftankstellen auf Hochtouren läuft, hapert es hierzulande jedoch noch mit der Infrastruktur.

Suzuki blickt in die Zukunft

Suzuki fasziniert in Tokio mit Außergewöhnlichem. Schon die Optik der Studie Waku SPO Concept fällt aus dem Rahmen. Unter dem Blechkleid im Retro-Stil verbirgt sich ein Plug-In-Hybridantrieb, der auf einen Einsatz im Kleinwagensegment hindeutet. Schräg: Per Knopfdruck lässt sich das Design des Autos ändern – auch der Innenraum.