Gegen den Strom: Mazda feiert die Wiedergeburt des Wankelmotors

Mobilität / 19.01.2023 • 10:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Gegen den Strom: Mazda feiert die Wiedergeburt des Wankelmotors
Wankelmotor als Range Extender: Mazda geht mit dem MX-30 R-EV eigene Wege. Mazda, VN/Gasser

Museumstechnik feiert im elektrischen Mazda MX-30 als Range Extender ein Comeback und könnte für den Hersteller zukunftsweisend sein.

Brüssel Ein bisschen ist es wie „Zurück in die Zukunft“. 2012 hatte sich Mazda mit dem Produktionsende des RX-8 vom Wankelmotor verabschiedet. Die Japaner waren neben NSU (Audi-Vorgänger) der einzige Hersteller, der den Kreiskolbenmotor je in Großserie eingesetzt hatte. Nach einer zehnjährigen Pause holt der kauzige Autobauer die Museumstechnik zurück in ein neues Serienmodell.

Eine Weltpremiere, die bei Technikfans für großes Interesse sorgte: Mazda hat in Brüssel die Wiedergeburt des Wankelmotors gefeiert. <span class="copyright">VN/Gasser</span>
Eine Weltpremiere, die bei Technikfans für großes Interesse sorgte: Mazda hat in Brüssel die Wiedergeburt des Wankelmotors gefeiert. VN/Gasser

Mazda hat sich mit seinem Faible für ungewöhnliche technische Lösungen längst einen Namen gemacht. „Gegen den Strom“ und „aus der Reihe tanzen“ liegt den Japanern in den Genen.

Leicht mit kleiner Batterie: Auch beim ersten Batterie-Auto, dem MX-30, tanzt Mazda aus der Reihe. <span class="copyright">Mazda</span>
Leicht mit kleiner Batterie: Auch beim ersten Batterie-Auto, dem MX-30, tanzt Mazda aus der Reihe. Mazda

Mazda ist spät und unkonventionell in die Elektromobilität eingestiegen. Während Wettbewerber mit riesigen Akkus gegen die Reichweitenangst der Kunden ankämpfen und dabei E-Autos zu tonnenschweren Ungetümen machen, feierte mit dem MX-30 ein Stromer mit einer nur 35,5 kWh großen Batterie als Leichtgewicht (1700 Kilogramm) 2020 Premiere.

Das Rezept gegen die Reichweitenangst verbirgt sich noch unter einem Tuch: der MX-30 mit Wankelmotor für große Distanzen. <span class="copyright">VN/Gasser</span>
Das Rezept gegen die Reichweitenangst verbirgt sich noch unter einem Tuch: der MX-30 mit Wankelmotor für große Distanzen. VN/Gasser

Beim ökologischen Fußabdruck ist der Strom-Mazda sowohl in der Produktion als auch im Fahrbetrieb eine Klasse für sich. Der Haken: Die Reichweite von rund 200 Kilometern wirkt abschreckend. Dabei legen europäische Kunden täglich kaum mehr als 40 Kilometer zurück.

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In Brüssel hat Mazda mit der Weltpremiere des MX-30 R-EV jetzt den Weg aus dem Reichweiten-Dilemma aufgezeigt. Mit einem noch einmal auf 17,5 kWh verkleinerten Akku schafft das schicke Crossovermodell 85 Kilometer und damit die meisten alltäglichen Fahrten rein elektrisch. Wenn es keine Lademöglichkeit gibt oder der Wochenendausflug bzw. die Urlaubsfahrt in die Ferne führt, dann nimmt ein kompakt gebauter Wankelmotor die Arbeit auf und wirft die Stromerzeugung über einen On-Board-Generator an.

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Als kleine Einscheiben-Variante mit 0,83 Liter Hubraum eignet sich der Wankel wegen seiner kompakten Bauweise und der ungewöhnlichen Laufruhe als Stromerzeuger hervorragend. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 140 km/H limitiert, 0 auf 100 in 9,1 Sekunden. Gesamtreichweite: 600 Kilometer.

Schickes Crossovermodell mit innovativer Antriebstechnik. <span class="copyright">VN/Gasser</span>
Schickes Crossovermodell mit innovativer Antriebstechnik. VN/Gasser

Stromauto mit Reichweitenverlängerung oder Plug-In-Hybrid? Das Marketing hat sich auf den zweiten Begriff festgelegt. Am Ende entscheidet der Kunde mit seinem Nutzungsverhalten. Reichweitenangst ist jedenfalls Geschichte, ein Fall fürs Mazda-Museum.

Mazda MX-30 R-EV

Motor/Antrieb Serielles Hybridsystem auf E-Antriebsbasis, 830 m3 Einscheiben-Wankelmotor mit 74 PS, Systemleistung 170 PS, 17,8 kWh Batterie (85 km Reichweite), 50 Liter Tank (über 600 km Gesamtreichweite)

Marktstart/Preis Erstes Halbjahr; Niveau E-Modell (rd. 35.000 Euro)

Zur Technik im Mazda MX-30 R-EV

Im Gegensatz zu herkömmlichen Plug-In-Hybridsystemen, bei dem sowohl ein Elektro- als auch ein Verbrennungsmotor zum Einsatz kommen, werkt beim MX-30 R-EV ein serielles Hybridsystem, das auf einem reinen Elektroantrieb basiert, aber zusätzlich einen kompakten Wankelmotor in Verbindung mit einem Generator einsetzt. Der Antrieb besteht aus einem E-Motor in Kombination mit einem 830 m3 großen Einscheibenwankelmotor mit 74 PS Leistung. Die Systemleistung liegt bei insgesamt 170 PS.

Kompakt gebaut: die Antriebseinheit mit Wankelmotor. <span class="copyright">VN/Gasser</span>
Kompakt gebaut: die Antriebseinheit mit Wankelmotor. VN/Gasser

Das Aufladen der Batterie ist sowohl mit einphasigen und dreiphasigen normalen (AC), als auch mit schnellen (DC) Lademethoden möglich. Im Bestfall kann die Batterie in rund 25 Minuten bis 80 Prozent aufgeladen werden.

In Vorarlberg Weichen auf Wachstum gestellt

Die Formkurve hat zuletzt auch bei Mazda in Österreich nach unten gezeigt. Lieferschwierigkeiten haben Neuzulassungen und Marktanteil zugesetzt. Gleichzeitig stapeln sich die Kaufverträge. Heimo Egger, Geschäftsführer von Mazda Österreich, sieht im Gespräch mit den VN für 2023 ein deutliches Wachstum. „Wir nehmen 1600 Kaufverträge mit ins neue Jahr. Die Fahrzeuge werden im ersten Quartal ausgeliefert.” Auch in Vorarlberg sieht der Automanager die Weichen auf Wachstum gestellt. „Wir wollen heuer wieder deutlich zulegen. Mit dem CX-60 haben wir ein Fahrzeug, das große Potenziale verspricht“, so Egger.

Mazda-Österreich-Geschäftsführer Heimo Egger rechnet 2023 mit deutlichen Zuwächsen. <span class="copyright">Mazda</span>
Mazda-Österreich-Geschäftsführer Heimo Egger rechnet 2023 mit deutlichen Zuwächsen. Mazda

Der CX-60 ist das SUV-Flaggschiff des Herstellers, das als Plug-In-Hybridversion bereits auf dem Markt ist und bald auch mit 6-Zylinder Diesel und Benziner zu haben sein wird. In wenigen Monaten wurden österreichweit 800 Kaufverträge unterschrieben. Egger spricht vom besten Verkaufsstart eines Modells in der Geschichte. Nachdem Mazda lange Zeit fast ausschließlich Privatkunden bedienen konnte, zielt die neue Modellpalette auch stark auf Gewerbekunden ab. So sei der Gesamtanteil an Firmenkunden im Vergleich zu 2021 im Vorjahr um 7 Prozent auf 18,4 Prozent angestiegen. Maßgeblich dazu beigetragen habe der Mazda CX-60.
Bei den elektrischen Fahrzeugen spielte Mazda bisher in Österreich kaum eine Rolle. Der MX-30 als reines Batterieauto wurde lediglich rund 100 Mal verkauft. Mehr Potenzial ortet Österreich-Chef Egger für die Plug-In-Hybridversion mit dem legendären Wankelmotor. Im Volljahr sollen rund 600 Stück abgesetzt werden.

Vom MX-30 R-EV mit Wankelmotor will Mazda in Österreich im Volljahr rund 600 Stück verkaufen. <span class="copyright">VN/Gasser</span>
Vom MX-30 R-EV mit Wankelmotor will Mazda in Österreich im Volljahr rund 600 Stück verkaufen. VN/Gasser

Neue Motorisierungen mit kräftigen 6-Zylinderaggregaten des Premiumsegments beim CX-60, aufgefrischte Modelljahrgänge des Mazda2, CX-5 und MX-5 sowie Updates für den Mazda3 und den CX-30 stimmen den Hersteller in Österreich für heuer optimistisch. Mit dem Wachstum des Gesamtmarktes rechnet auch Mazda 2023 wieder mit deutlich gesteigerten Absätzen von rund 8500 Einheiten (2022: 5732) und einem Marktanteil von über 3 Prozent (2022: 2,7 Prozent). Mit Ende des Jahres soll zudem die Modellpalette weiter ausgebaut werden. „Im Spätherbst werden wir dann auch einen ersten Blick auf den Mazda CX-80 werfen können, damit haben wir dann auch wieder ein Modell mit sieben Sitzen im Angebot“, so Egger.

Der Mazda CX-60 entwickelt sich zu einer wichtigen Säule im Modellprogramm der Japaner. <span class="copyright">Mazda</span>
Der Mazda CX-60 entwickelt sich zu einer wichtigen Säule im Modellprogramm der Japaner. Mazda

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