Beschleunigt enorm, lenkt selbst

Motor / 22.04.2016 • 14:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Autopilot lenkt den Tesla: Mit 130 km/h auf der Rheintalautobahn. Fotos: VN/rie
Der Autopilot lenkt den Tesla: Mit 130 km/h auf der Rheintalautobahn. Fotos: VN/rie

Wenn Elektromobilität begehrenswert wird: Das Topmodell von Tesla im Alltagstest.

Schwarzach. Und plötzlich ist der Lenker aufnahmefähig für das, was am Horizont geschieht, nicht ausschließlich ans Blickfeld vor der eigenen Schnauze gefesselt.

Autopilot auf der A 14

Immer wenn das Radarsystem und die Kameras an Bord klare Markierungen auf der Straße erkennen, erscheint das kleine graue Lenkrad auf dem Bildschirm. Das verheißt: Autopilot verfügbar. Ein doppeltes Antippen des kleinen Hebels hinter dem Lenkrad – und schon lenkt das Auto selbst, überholt sogar auf Geheiß eigenständig. Das Lenkrad bewegt sich wie von Zauberhand, der Autopilot beschleunigt beherzt, bremst so viel als nötig und hält den Wagen auf Spur. Die Hände sollen am Lenkrad bleiben. Sollen. Alles inklusive: Selbst halten hinter den Autos an der Ampel, lautlos anfahren, wenn’s weitergeht inklusive.

Konstante Updates

Kommt der Autopilot nicht weiter, ertönt ein Warnton – und es bleiben wenige Augenblicke, um selbst wieder die Kontrolle zu übernehmen. Ist der Autopilot perfekt? Nein. Im Kreisverkehr kommt er nicht weiter, beispielsweise. Offiziell als „Beta“ ausgewiesen, wird eine gewisse Fehlertoleranz vorausgesetzt. Mit jedem gefahrenen Kilometer soll die Software besser werden. Der Beta-Modus: undenkbar bei Mercedes, BMW oder Audi. Andererseits ist es bei den etablierten Herstellern auch undenkbar, dass per Software-Update über Mobilfunk neue Funktionen freigeschaltet werden, die es anderswo einfach nicht gibt. Exakt so war das im Herbst 2015 bei Teslas Autopilot. Vom Softwarekonzept ein Smartphone auf vier Rädern!

Die eigentlich unanständige Motorisierung von 539 PS bringt mit den Elekromotoren sofort verfügbare Leistung. Sofort heißt, von 0 auf 100 in 3,0 Sekunden, trotz über zwei Tonnen Eigengewicht. Einmal geht das, mit imposantem In-den-Sitz-hineindrücken. Beim zweiten Mal stellt sich Achterbahngefühl im Kopf ein.

Dieser „Ludicrous“-Modus („Wahnsinnige Geschwindigkeit“) verdankt seinen Namen Mel Brooks Weltraumkomödie Space Balls. Und ja, sie ist wahnsinnig. Niemals nötig im Alltag – aber jeder Bewunderer des Elekroflitzers will das einmal spüren.

Bis auf den Preis hat die Vernunft überall gewonnen: die Reichweite ist kein Problem mehr. Im Alltag schafft das Model S über 370 Kilometer – und das Netz an Ladestationen ist dank Vlotte-Projekt in Vorarlberg extrem dicht. Darüber hinaus stehen Teslas Supercharger gut alle 100 Kilometer an Autobahnen.

Eines bleibt: Günstig ist anders. In der beim VN-Test zur Verfügung gestellten Ausstattung schlägt das Auto mit 150.000 Euro zu Buche. Doch den Massenmarkt aufrollen soll das Model S nicht. Dafür schickt Teslain eineinhalb Jahren das „Model S“, das 40.000 Euro kosten soll.

Eindruck: Tesla zeigt, dass Elektroautos beides können: das Bedürfnis nach Alltagstauglichkeit erfüllen – und die Begehrlichkeit eines Sportwagens wecken. Abzüge gibt es für die Federung. Highlight ist das Bedienkonzept über den 19-Zoll-Monitor. Wieso können das andere Autobauer nicht?

Eindruck: Tesla zeigt, dass Elektroautos beides können: das Bedürfnis nach Alltagstauglichkeit erfüllen – und die Begehrlichkeit eines Sportwagens wecken. Abzüge gibt es für die Federung. Highlight ist das Bedienkonzept über den 19-Zoll-Monitor. Wieso können das andere Autobauer nicht?

Schnittiges Äußeres von Designer Franz von Holzhausen.
Schnittiges Äußeres von Designer Franz von Holzhausen.
Klare Linien.
Klare Linien.
Fach gegen Kabelsalat.
Fach gegen Kabelsalat.

Fakten

Reichweite: 509 km,
im Alltag knapp unter 400 km.

Beschleunigung: 3 Sek 0-100 km/h

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

Antrieb: Allrad, 510 PS hinten, 262 PS vorne – gesamt bringt der P90DL (Performance-Ausführung mit 90 kwh-Batterie, Allrad und Ludicrous-Mode) 539 PS auf die Straße

Preis: 150.000 EUR (ab 80.000 EUR)