„Mini befindet sich im Wandel“

Motor / 29.07.2016 • 13:29 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
So sieht Mini seine Zukunft: Mini Vision Next 100. Bis es so weit ist, folgt zunächst die nächste Generation des Mini Countryman. Foto: Werk
So sieht Mini seine Zukunft: Mini Vision Next 100. Bis es so weit ist, folgt zunächst die nächste Generation des Mini Countryman. Foto: Werk

Bunt, grell und laut war gestern. Die Kultmarke stellt sich zukünftig bescheidener dar.

Mini. Wird irgendwo ein Haus abgerissen, weiß man danach meist nicht mehr, wie es zuvor ausgesehen hatte, auch wenn man oft daran vorbeigefahren ist. Ähnlich ging es dem Besucher auf der IAA im vorigen Jahr in Frankfurt am Stand von Mini. Irgendetwas war anders, aber was? Es ist der optische Auftritt. Mini hat das Bunte, Grelle, Schräge verlassen. Man möchte sich über diese Darstellung nicht mehr definieren. Die britische Kultmarke ist leiser geworden.

„Mini befindet sich im Wandel“, sagt auch Peter Schwarzenbauer. Der Markenchef sieht Mini in einem „postmodernen Milieu, offen für neue Trends, als Marke für Kreative und Meinungsmacher“. Das erste Modell nach der neuen Ausrichtung ist der Mini Clubman, deutlich gewachsen, hochwertiger in Qualität und Ausstattung, geräumiger, praktikabler und teurer. Seit Kurzem gibt es dieses Modell erstmals auch mit Allradantrieb – auf Druck der Händlerschaft, vor allem aus Österreich, der Schweiz und Deutschland.

Stärkster Kombi im Segment

Noch in diesem Jahr will Mini den Clubman in der Topversion John Cooper Works (JCW) anbieten, was den kleinen Briten klar zum schnellsten und stärksten Kombi im Segment machen dürfte. Ebenfalls noch für 2016 steht das Debüt des nächsten Countryman auf dem Plan. Er wird 20 Zentimeter länger und soll zehn Prozent weniger verbrauchen. Sein Kofferraum fasst 100 Liter mehr und er bekommt eine elektrische Heckklappe. Die Plattform (BMW UKL2) teilt er sich mit dem Clubman sowie dem BMW Zweier Active Tourer. Allradantrieb gibt es gegen Aufpreis, den bereits im BMW-Van verwendete Hybridantrieb ebenfalls. 2017 soll der Countryman als erster Plug-in-Hybrid der Marke in den Showrooms stehen.

Unter der Haube des Mini Cooper SE Countryman, so die offizielle Bezeichnung, steckt der Dreizylinder-Turbobenziner B38 in Verbindung mit einer E-Maschine. Der Verbrauch wird mit 2,1 Litern auf dem Niveau des Active Tourer liegen. Die elektrische Reichweite ebenfalls. Sie beträgt 34 Kilometer.

Etwas enttäuscht dürften Fans der Mini-Derivate Paceman, Roadster und Coupé sein. Schwarzenbauer: „Wir haben entschieden, für drei bisherige Modelle keinen Nachfolger anzubieten.“ Vorbei also die Zeit, in der Mini quasi aus dem Bauch heraus seine Modellpalette erweitert hat. Gebaut wurden Autos, die gefallen haben, frech waren, anders waren, cool waren. Heute achtet die Geschäftsführung streng darauf, was die Märkte nehmen. Eine Art Todesstoß für emotionale Nischenprodukte.

Vorstand blockt ab

Dabei gab es Ideen genug. Immer wieder war von Namen wie „Rocketman“, „Traveller“, „Superleggera“, „Romba“, „Coolbox“ oder „MiniMini“ zu hören. Doch ob Roadster, Stufenheck, Van oder Kleinst-Mini, keines von diesen Modellen hat der Vorstand bislang abgesegnet.

Das Motto heißt nun „Komplexitätsverringerung“. So sieht die neue Positionierung der Marke Mini künftig fünf Kernmodelle vor, vom Vorstand offiziell „Superhelden“ getauft. Namentlich sind dies der Mini als drei- und fünftüriger Hatch (ein Facelift für beide steht für 2018 auf dem Plan), als Cabriolet, als Kombi (Clubman) und als SUV (Countryman). Da Drei- und Fünftürer als ein Kernmodell zählen, würde das fünfte noch fehlen. Welches dies sein könnte, darüber wird wild spekuliert.

Und dies könnte durchaus ein City-Stromer sein. Schließlich ließ Markenchef Peter Schwarzenbauer bereits den Satz fallen: „Wir werden einen Plug-in-Hybrid bringen und wir brauchen auch einen Elektro-Mini.“ Zwar wäre das i3-Chassis hier nicht zu integrieren, doch könnte die technische Basis leicht der Kooperationspartner Toyota beisteuern. Die Japaner entwickeln zurzeit ein City-Car mit Elektroantrieb. Mini würde damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Verwirklicht wäre ein Kurz-Mini unterhalb des dreitürigen Hatch (F56) und man hätte ein zeitgemäßes Null-Emissionsauto im Portfolio. Und der Name: Wie wär’s mit „Voltman“?