Mit Wasserstoff vom Bodensee zum Arlberg

Motor / 06.04.2019 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN/Steurer

Mit Strom, aber eben anders. Exklusive Testfahrt mit dem Brennstoffzellenauto Mirai von Toyota.

Schwarzach Und hinten tropft nur Wasser raus. Fast zehn Liter werden es gewesen sein, als wir auf unserer Fahrt vom Bodensee am Arlberg ankamen. Einmal quer durchs ganze Land mit einem Auto, das den Weg in die Zukunft weist. Toyota hat mit dem Mirai bereits 2014 sein erstes Serien-Brennstoffzellenauto enthüllt. Nach dem Start in Japan sind weitere Märkte dazugekommen. Seit 2018 wird die Öko-Limousine auch in Österreich angeboten. Exotenstatus genießt das schon optisch außergewöhnliche Gefährt überall – in Vorarlberg noch ein wenig mehr. Das hat gute Gründe. Es fehlt schlicht an der notwendigen Tankstelleninfrastruktur.

Das wird sich ändern. Die Brennstofftechnologie gilt langfristig als zukunftsfähig. Toyota ist überzeugt: Die Brennstoffzelle wird sich im Langstreckeneinsatz, im Nutzfahrzeugbereich und bei Fahrzeugen, die gewerblich genutzt nur wenig Standzeiten haben, durchsetzen.

Unsere exklusive Testfahrt mit dem Mirai ist also eine Art Ausflug in die Zukunft. Sie beginnt unspektakulär. Startknopf drücken – und es passiert erst einmal nichts. Zumindest nichts, das man hören würde. Lautlos stromert der kantige Japaner schließlich los. Jetzt sollte man Mäuschen spielen können und unter der Motorhaube die innovative Antriebstechnologie bei der Arbeit beobachten. Nicht ganz neu, was da passiert. Toyota arbeitet schon fast 25 Jahren am Wasserstoffauto. Der Mirai demonstriert aber eindrucksvoll, dass der Hersteller die Brennstoffzellentechnologie richtig gut im Griff hat und die Autos jederzeit einsatzbereit wären.

Eigene Stromproduktion

Orange Kabel, pinke Flüssigkeit: mit einem herkömmlichen Motorraum hat das nichts zu tun. Auch nicht mit jenem anderer Elektroautos. Gibt auch einen großen Unterschied: Der Mirai stellt den Strom selbst her. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle an Bord in elektrische Energie umgewandelt. So wiederum wird ein Elektromotor mit 154 PS Leistung angetrieben. Bei der Auffahrt auf die Autobahn zeigt der Mirai erstmals seine sportliche Seite. Mit Beschleunigungswerten von unter zehn Sekunden auf Tempo 100 macht er, was vergleichbare Verbrenner auch können. Der Mirai (übersetzt: Zukunft) schafft eine Spitze von 175 km/h, was für die A14 freilich zu schnell ist. Auch auf den letzten Kilometern Bergstraßen am Arlberg demonstriert das japanische Technik-Aushängeschild dank 335 Nm Drehmoment ausreichend Agilität. Bis zu 500 Kilometer weit kommt der Brennstoffzellen-Pionier mit einer Tankfüllung. Fürs Nachtanken wären nur ein paar Minuten notwendig. Es bleibt bei unserer Testfahrt aber beim Konjunktiv. Die nächste Tankstelle ist in Innsbruck. Also lieber wieder zurück zum Händler. Dorthin werden ihm noch ein paar neugierige Blicke zugeworfen. Schließlich sieht man so ein Auto in Vorarlberg nicht jeden Tag. Wasserstoffautos sind hier sprichwörtlich noch ein Zukunftsthema.

Toyota Mirai

Motor/Antrieb Elektromotor mit 154 PS Leistung und 335 Nm Drehmoment

Fahrleistungen/Verbrauch 0 auf 100 km/h in 9,6 Sekunden, Spitze bei 175 km/h, rund 500 Kilometer Reichweite

Preis Rund 80.000 Euro