Comeback der Honda Monkey: Retro ohne Reue

Motor / 13.04.2019 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dem historischen Konzept wurde ein gelungenes Update verpasst: Die Honda Monkey ist auferstanden.WERK

Zweiradtradition, frisch aufbereitet und liebevoll umgesetzt: Die Honda Monkey ist zurück.

Diese Karriere hätte dem 1961 für einen Vergnügungspark in Tokyo entwickelten Pocketmoped wohl kaum jemand zugetraut: Erst waren dort die Besucher begeistert, kurz darauf ganz Japan und mit ein paar wenigen Modifikationen versehen, trat es schon zwei Jahre danach seinen Siegeszug um die Welt an. Der Erfolg brachte über die Jahrzehnte hinweg mehrere Baureihen, in denen sich das wieselflinke Ding zwar geringfügig auswuchs, seinem Grundkonzept aber treu blieb.

In die Gegenwart zurückgeholt

Honda besinnt sich nun seines kleinen Kultgeräts und holt es in die Gegenwart zurück: Die Neuauflage orientiert sich unzweifelhaft am Original, ist zwar kein Minibike mehr, sondern mehrheitstauglich maßstabsvergrößert. Mit einem Radstand von 118 und einer Länge von 171 Zentimetern hat sie aber etwa gerade einmal die Abmessungen einer alten Vespa 50 Spezial, die unter den Maxirollern von heute schon recht zierlich wirkt. Nicht so die Monkey: Ihr robustes Äußeres samt der massiven Bereifung verleihen ihr einen soliden Auftritt, den auch die ganze Haptik bestätigt. Die Honda-Verarbeitung ist gewohnt unfiligran, trotz der liebevoll eingebrachten Retrodetails und viel gefälligem Chrom rundum.

Echtes Geschichtsbewusstsein

Dazu zeigen die Japaner ernsthaftes Geschichtsbewusstsein, denn sie haben nicht etwa den einfachsten Weg gewählt und die Technik ihrer Automatikroller transplantiert. Zwar werkt auch hier nun ein moderner Viertakter mit Direkteinspritzung, die EU-Emissionslimits ließen sich aber auch mit einer historisch korrekten Luftkühlung erfüllen – eine Lösung, die uns etwa Suzuki für seinen früheren Monkey-Konkurrenten RV bisher vorenthält. Eine der Eigenheiten des Affen-Ahnherrn, die Dreigangschaltung mit automatischer Fliehkraftkupplung, wurde gegen eine komfortablere, aber immer noch klassische Variante getauscht: Eine Viergangfußschaltung mit Handkupplung, in der 125er-Klasse heutzutage auch schon eine echte Rarität.

Tiefe Sitzposition

Mit 77 Zentimetern ist die Sitzposition tief, selbst für Großgewachsene aber sehr bequem, auch die Lenkerweite wurde ergonomisch passend gewählt. Ausgezeichnet ablesbar ist das hübsch gestaltete Digitalinstrument im Chromgehäuse, das sich wohltuend auf Tempo, Tankinhalt, Kilometerstand, Licht und Neutralanzeige des Getriebes beschränkt. Gestartet wird natürlich zeitgemäß auf Knopfdruck, so weit, dem Kickstarter ein Revival zu bescheren, ging die Retrolust bei Honda auch wieder nicht. Die hydraulische Kupplung am linken Zughebel ist betont leichtgängig, die Gänge rasten sanft und exakt ein.

Gut ablesbar: Retro-Look mit digitaler Bestückung.
Gut ablesbar: Retro-Look mit digitaler Bestückung.

Ebenfalls hydraulisch und von einander getrennt betätigt werden Vorder- und Hinterradbremse, gut dosierbar, dazu auch noch ABS-bestückt. Von der Bedienung her ist es ein Fahren wie damals, nur viel besser – aber auch Automatik-Verwöhnte müssen sich hier vor der Kupplungs- und Schaltpraxis nicht fürchten. Konsequent ignorieren darf der neu geborene Klassiker das Stauraumwettrüsten: Für das gesetzlich vorgeschriebene Verbandszeug ist Platz, den Helm nimmt der stolze Monkey-Pilot nach dem Absteigen eben mit. So weit darf retro allemal gehen. Stefan Pabeschitz

Fakten und Daten

Motor/Antrieb 125 ccm 1-Zylinder-Viertakter mit 9,2 PS und 11 Nm bei 5250 U/min, 4-Gang-Getriebe mit Fußschaltung und Handkupplung

Fahrleistung/Verbrauch Höchstgeschwindigkeit 90 km/m; 1,5 Liter ROZ 95 auf 100 km

Preis 4090 Euro